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Suizid - der einsame Weg in die Dunkelheit


Jährlich sterben in der Schweiz etwa 1000 Menschen durch Suizid. Das sind 1000 zu viel. Die häufigsten Gründe für eine Selbsttötung sind Depressionen und Burnouts (90 Prozent) und da diese massiv zunehmen, ist es wichtiger denn je, die nach wie vor bestehende Stigmatisierung des Suizids noch stärker aufzubrechen.

 

Im weltweiten Vergleich steht die Schweiz, in Sachen Suizid, hochgerechnet auf 100'000 Einwohner, auf Platz 32. 2020 gab es bei uns 13.7 Vorfälle bei Männern und 5.4 bei Frauen. Die meisten Selbsttötungen findet man in der weltweiten Auflistung von 182 Ländern im südafrikanischen Staat Lesotho mit 72.4 Suiziden auf 100'000 Einwohner. Die geringste Quote mit 0.4 Fällen im ostkaribischen Inselstaat Antigua und Barbuda. Die vollständige Auflistung finden Sie unter dem nachfolgenden Link https://de.wikipedia.org/wiki/Suizidrate_nach_L%C3%A4ndern

 

Depressionen

Etwa zehn Prozent der Menschen unternehmen im Laufe ihres Lebens einen Suizidversuch und etwa 50 Prozent geben in Befragungen zu, an einen Suizid oder Suizidversuch gedacht zu haben. Die Rate ist bei Männern höher als bei Frauen und höher bei älteren als bei jüngeren Menschen. Beim Suizidversuch oder dem Gedanken daran ist es genau umgekehrt. 60-90 Prozent der Suizidenten erfüllen zudem die diagnostischen Kriterien einer psychischen Störung, zumeist Depression; bei Jugendlichen stehen jedoch oft vorübergehende Krisen als Auslöser von derartigen Handlungen im Vordergrund (Quelle: https://fssz.ch/zahlen-fakten/ ).

 

Die Gründe

Immer wenn ein Mensch freiwillig aus dem Leben schied, stellt man sich die Frage nach dem Grund. Was trieb ihn/sie zu dieser Handlung? Eine Frage, die von Fall zu Fall unterschiedlich ausfällt. Einige von ihnen waren verzweifelt, hatte Schulden oder ein gebrochenes Herz. Andere waren den Anforderungen bei der Arbeit nicht mehr gewachsen oder waren krank, hatte Schmerzen, die sie zerrissen. Bei Kindern und Jugendlichen kann auch die Scheidung der Eltern, das Ende einer Liebe, strukturelle und psychische Gewalt (Mobbing) oder sexueller Missbrauch Grund für einen Freitod sein. Für die Opfer von Suiziden war ihr Leben einfach nicht mehr lebenswert. Eine unerklärliche Hoffnungslosigkeit breitete sich in ihnen aus, raubte ihnen den letzten Atem und Mut. Ihre Gefühlswelt fuhr Achterbahn, bis sich ein dumpfer, klangloser Paukenschlag auf ihre Seele legte. Ein Strudel zog sie in einen bodenlosen Abgrund. Sie fielen in ein schwarzes Loch und da sie niemandem zur Last fallen wollten und keinen sichtbaren Ausweg sahen, unternahmen sie den letzten, sie befreienden Schritt...

 

Die Hinterbliebenen

Zurück bleiben Eltern, Familien, Freunde, Arbeitskollegen, etc. die nicht verstehen, warum ihre geliebten Kinder und Kameraden, etc. freiwillig aus dem Leben schieden. Die Hinterbliebenen machen sich Selbstvorwürfe und diese nagen an ihnen, reissen eisige, quälende Wunden in ihre Herzen. Die sprachlose Ungewissheit lässt sie nicht los, verfolgt sie Tag und Nacht. Ihre Gefühle ertrinken in einem See aus Tränen und Fassungslosigkeit. Gebetsmühlenartig fragen sie sich immer und immer wieder nach dem warum, wieso und weshalb. Doch die meisten Suizidenten bleiben ihnen auf ewig eine Antwort schuldig. Die Wenigsten hinterlassen einen Abschiedsbrief oder letzten Willen. Und wenn, ist solche Korrespondenz selten aufschlussreich. Sie kann gar belastend und enttäuschend sein, wenn darin Vorwürfe, Schuldzuweisungen etc. gemacht werden.

 

Prävention

Polizei und Behörden legen den Medien immer wieder nahe, nach Möglichkeit nicht zu oft über diese Thematik zu berichten, weil es danach, so die Gesetzeshüter, nicht selten zu einer Anhäufung von Selbsttötungen kommen könnte. Das mag schon sein, aber man darf auch nicht endlos darüber schweigen, denn nur reden schafft Klarheit und Verständnis. Und je mehr Menschen darüber sprechen, umso hellhöriger wird die Gesellschaft, das direkte Umfeld, Lehrpersonen, Freunde und Familien. Je genauer man hinsieht, umso mehr fällt vielleicht dem einen oder anderen auf, dass ein Mensch in Not ist. Die zunehmende Sensibilisierung trug mit Bestimmtheit dazu bei, dass Suizide seit Jahren rückläufig sind. https://www.dakapublic.ch/blog/reden-schafft-verstndnis

 

Fazit

Liebe Leser, Selbsttötungen sind seit jeher ein Bestandteil unserer Gesellschaft. Aber dieser einsame Weg in die Dunkelheit muss/darf nicht sein. Wie zuvor beschrieben, sind die Auslöser für einen Suizid heute meistens Depressionen oder Burnouts und diese nahmen in den vergangenen Jahren massiv zu. Darum ist es genau jetzt an der Zeit, die teils noch vorhandene Stigmatisierung des Suizids noch weiter aufzubrechen. Menschen, die den Freitod wählen, sind keine Feiglinge, sondern in erster Linie Menschen, Menschen wie du und ich, die verzweifelt, krank, traurig oder einsam, etc. sind. Daher liegt es auch an den Betroffenen selbst, sich gegenüber der Gesellschaft zu öffnen, egal wo oder bei wem. Erst wenn alle offen und ungezwungen mit dieser Thematik umgehen, erkennen vielleicht auch die möglichen Opfer, dass es immer einen Ausweg gibt, es muss ja nicht der Letzte sein…

 

Zitat von William Shakespeare: «Der Kummer, der nicht spricht, nagt am Herzen, bis es bricht.» Und eine andere Lebensweisheit besagt: «Je stiller ein Mensch ist, desto lauter ist es in ihm ...»

 

Hilfe und Informationen

Die Notrufnummer der dargebotenen Hand, Tel 143 - ist rund um die Uhr für Menschen da, die in Not sind und ein helfendes und unterstützendes Gespräch benötigen. Weiterführende Informationen zum Thema Suizid siehe unter dem nachfolgenden Link.

 

https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/strategie-und-politik/politische-auftraege-und-aktionsplaene/aktionsplan-suizidpraevention.html

 

Musiktipp der Woche

 

Frederic Chopin - Mysterious Forest: https://www.youtube.com/watch?v=L1F3sHklg9k

 

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Dany Kammüller, May 5, 2023 9:53 AM