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Das grosse Geschäft mit Liebe und Sex
Wer heute eine Partnerschaft sucht, in welcher Form auch immer, kommt an sogenannten «Dating-Seiten» im Internet nicht mehr vorbei. Dort kann man sich bequem von zuhause aus am Computer eine/n Partner/Partnerin suchen, doch ob man sie auch wirklich findet, sei dahingestellt.
Es ist unglaublich, was man auf Datingseiten im Internet heute so antrifft. Es ist ein breites Spektrum, begonnen bei der einfachen Suche nach einem Partner fürs Leben bis hin zu Anleitungen zum Seitensprung, speziellen und ausgefallenen Wünschen, Videos der übelsten Sorte und so weiter und so fort. Wer in der heutigen Zeit seine Sexualität ausleben will, findet in den unendlichen Weiten des World Wide Web alles Möglich und Unmögliche. Den Fantasien, Gelüsten und Perversitäten sind keine Grenzen gesetzt.
Fake Profile
Was vielen «Liebesjägern», die auf solchen Seiten nach dem schnellen Glück suchen, nicht bewusst ist, ist die Tatsache, dass es sich bei etlichen Angeboten, um reine «Fake-Profile» handelt. Da wird geschummelt und gelogen, was das Zeug hält. Das heisst, das Dargebotene entspricht nicht der Realität, sondern ist vielfach nur eine Abzockerei. So sind zum Beispiel die Bilder von Personen, mit denen man sich vermeintlich austauscht, nicht echt. Die Anbieter weisen manchmal sogar selbst daraufhin, dass es sich dabei auch um Beispielbilder handeln kann. Zudem kann man sich bei den meisten Plattformen zwar gratis anmelden, aber alle weitern Dienste muss man mit sogenannten «Coins» kaufen und da hört der Spass dann auf. Als Member-Mitglied sieht man zwar den Schriftverkehr von möglichen Partnern (wenn man Glück hat), man kann aber mit den dortigen Personen nicht selbst kommunizieren, ohne zuvor mit dem Kauf von weiteren Coins zum Premiummitglied aufzusteigen.
Falsche Angaben
Aber nicht nur die Seitenbetreiber führen einem ab und zu hinters Licht, sondern auch die Suchenden nehmen es mit der Wahrheit nicht immer so genau und lügen dem Teufel gern mal ein Ohr ab. Da wird aus dem Supermodell mit den Traummassen 90 – 60 – 90, schon mal ein Pummelchen und «Miss Molly» ist auch nicht 28, sondern 38 Jahre alt. Die Anbieter beteuern zwar immer wieder, dass die Fotos und Angaben, die man hochlädt, geprüft werden, doch wie genau sie ihre Beteuerung nehmen, sei dahingestellt. Die erste Frage lautet immer: Sind Sie schon 18? Ja oder Nein? Bitte anklicken. Auch ein 14-Jähriger kommt so ohne Hindernisse zu einer Profilansicht…
Erfolg mit Hindernissen
Hat man dann nach diversen Hürden endlich sein vermeintliches Ziel erreicht, kann man drauflos chatten. Aber man wird auch dort von den möglichen Partnern mit endlosen Schriftwechseln hingehalten, bis einem die Coins erneut ausgehen und man ein weiteres Paket kaufen muss. Verlangt man dann mal eine Telefonnummer oder eine Mailadresse, um dem Date näher zu kommen, folgen weitere Fragen zur Person, Hobbys, Aussehen und möglichen sexuellen Präferenzen. Zudem werden in den Chats Mailadressen, die man seinem «Schwarm» sendet, zensiert, also von den Betreibern gelöscht. Man kann also nur über diese Dating-Plattformen kommunizieren. Privater Austausch wird untersagt. Schon das spricht nicht für einen seriösen Anbieter. Auch hier geht es nur darum, möglichst viele Coins an den Mann beziehungsweise die Frau zu bringen. Klar, man kann auch Leistungen für ein halbes oder ganzes Jahr erstehen, nur dann wird es auf Dauer entsprechend teuer. Und ob man so schneller ans Ziel kommt, sei gleichfalls dahingestellt.
Sofortkontakt
Wenn man sich auf einer Seite einloggt und ein Profil registriert, erhält man innerhalb kürzester Zeit etliche Anfragen. Das deutet klar auf eine Art Callcenter hin, in dem etwelche Personen sitzen, die einem schriftlich antworten, aber ganz gewiss nicht jene Partner, die auf den Seiten abgebildet sind. Also auch hier die reine Abzockerei,
Vulgäre Ausdrucksweise
Bei meiner Recherche zu dieser umfangreichen Thematik stiess ich immer wieder auf Profile, vor allem von eher jüngeren Frauen, die dort eine Ausdrucksweise an den Tag legen, die sich gewaschen hat und einem die Nackenhaare aufstellen. Man kann aber auch hier davon ausgehen, dass diese Texte gleichfalls vom Callcenter verfasst werden, welche die Kundschaft damit auf den Leim locken wollen. Nachfolgend ein Beispiel der eher noch harmlosen Sorte, dass ich 1:1 wiedergebe, also sorry für die vulgäre Ausdrucksweise.
Inserate-Text
«Hoi, ich bin 22 und im Moment ohne festen Partner, dafür aber immer sehr geil und mit ganz viel Saft in der Muschi. Deshalb suche ich jetzt einen Mann aus meiner Umgebung für gelegentliche Sextreffen ohne Verpflichtungen und finanzielles Interesse, mit dem ich mich ab und zu zum Ficken treffen kann. Ich habe zwei schwere pralle Titten mit sehr grossen Nippeln, einen schwanzgeilen Fickarsch und glattrasierte Muschi. Also wenn du bei Frauen was zum Anpacken magst und wo du auch in alle Löcher ficken kannst, dann schreib mir mal hier und wir machen bei Gelegenheit ein Date ab». Entscheiden Sie selbst, echt oder Fake?
Love- oder Romance-Scamming.
Mit dem englischsprachigen Begriff Love- oder Romance Scam wird eine Form des Internetbetrugs bezeichnet, bei der gefälschte Profile in Singlebörsen und auf sozialen Medien dazu benutzt werden, den Opfern Verliebtheit vorzugaukeln mit dem Ziel, eine finanzielle Zuwendung zu erschleichen. (Quelle: Wikipedia). Mit dem sogenannten Love- und Romance Scam (Heirats-/Liebesschwindelei) erbeuten
Betrüger weltweit Summen in Milliardenhöhe. 2022 belief sich der Schaden in der kleinen Schweiz auf über vier Millionen Franken. Die Dunkelziffer dürfte allerdings massiv höher sein, da nicht alle Delikte, mitunter aus Scham, zur Anzeige gebracht werden. Bei den Opfern handelt es sich meist um ältere Frauen, aber auch Männer fallen gelegentlich auf diese Masche herein. Fakt ist, sobald jemand von Ihnen Geld fordert, sollten Sie umgehend die Polizei einschalten oder zumindest die Reissleine ziehen.
058 und 0900 und Co
Es gibt nebst den schriftlichen Chatangeboten auch Inserate, die direkt mit einer Telefonnummer versehen sind, die entweder mit 058 oder 0900 etc. beginnen. Ruft man beispielsweise eine Nummer an, die mit 058 beginnt, handelt es sich dabei oft um einen Zusammenschluss von verschiedenen Anbietern. Nachdem man sich eingewählt hat, landet man bei einer Zentrale, von der man zu einer möglichen Gespielin weitervermittelt wird. Aber auch diese Gespräche sind nicht kostenlos (bis zu 3.73 Fr. pro Minute), dies gilt auch für 0900 Nummern. Hingegen bei Handynummern (079/078/077 etc.) trifft man meistens direkt auf eine mögliche Partner/in, die aber nicht selten in einem Etablissement (Bordell) arbeitet und nicht privat, wie das in gewissen Inseraten angepriesen wird.
Lesen Sie erst die Verträge
Bevor man sich als Glücksuchender auf einen Vertrag mit Sex-Anbietern einlässt, sollte man sich zwingend zuerst die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) ganz genau zu Gemüte führen. So kann man böse Überraschungen vermeiden. Diese AGB’s sind zwar mühsam zum Lesen, weil sie sehr umfangreich und stellenweise schwer verständlich abgefasst sind. Bei einem Anbieter belief sich der Umfang der AGB/Datenschutzbestimmungen auf 21 Seiten A4 mit 60’759 Zeichen inkl. Leerzeichen. Zum Vergleich: mein Artikel hier hat knapp 11'500 Zeichen inkl. (!) Die AGB liest daher in der Regel fast keiner, sollte man aber!
Kurze Kündigungsfristen
Wie gesagt, lesen Sie erst die AGB, das zahlt sich aus, besonders was die Kündigunsfristen anbelangt. Wer nämlich einen Vertrag abschliesst, zum Beispiel nur schon für einen Monat, muss die Bezahlseiten, sofern er keine Lust mehr darauf hat, von sich aus künden. Tut er das nicht, läuft der Vertrag automatisch weiter und das kann teuer werden. Schon bei einer Laufzeit von nur einem Monat, hat man oft eine Kündigungsfrist von knappen 14 Tagen (!). Die Devise lautet also: Erst informieren dann konsumieren.
Keine Geldrückgabe
Zudem sei auch vermerkt, die finanziellen Einlagen für Bezahldienste werden nicht zurückerstattet, auch wenn man die Laufzeit frühzeitig abbricht. Als Gegenwert erhält man nur Coins. Versäumt es aber ein Kunde die bezahlten Dienste zu künden und er die folgenden auflaufenden Kosten nicht bezahlt, droht man den Kunden schnell mal mit einem Inkasso-Büro (Betreibungen). Oder man lässt die Säbel rasseln, um die säumigen Nutzer mit möglichen Massnahmen einzuschüchtern, die rechtlich zwar nicht haltbar sind, aber beim einen oder anderen Nutzer vermutlich einen gewissen Eindruck hinterlassen.
Seriöse Anbieter
Die Seitenanbieter verweisen auch darauf, dass man sie nicht dafür verantwortlich machen kann, wenn aus den «Chats» keine Treffer erfolgen. Auch diese Tatsache sollte einem von Beginn an hellhörig machen, zumal viele im Vorfeld versprechen, dass man bei ihnen das grosse Glück findet. Pustekuchen! Es gibt sicher etliche Erfolgsgeschichten, die dank seriösen Datingseiten die wahre Liebe fanden. Regelmässig durchgeführte Studien zeigen auf, welchen Anbietern man mehrheitlich vertrauen kann. Aber auch die sind nicht umsonst und allen Studien zum Trotz, sollte man sich auch hier zuerst mit den AGB auseinandersetzen, bevor man sich auf ein Abenteuer einlässt. Vergleichsstudie siehe unter anderem:
https://www.top10-dating-seiten.ch
Prostitution
Zum Schluss ein weiterer Hinweis. Etliche Personen, die auf Datingseiten zur Auswahl stehen, tun das nicht zwingend freiwillig, sondern werden dazu gezwungen. Das freiwillige Anbieten von Sexdiensten an sich ist zwar nicht strafbar, geschieht das aber auf unfreiwilliger Basis, dann schon, und zwar vorwiegend in offensichtlichen Bordellen, zwielichtigen Etablissement oder auch privat. Die betroffenen Personen stammen oft aus osteuropäischen Ländern wie Rumänien, Russland etc. oder aus asiatischen und afrikanischen Staaten. Der Pfad zwischen legal und illegal ist sehr schmal, aber es gibt Anzeichen dafür, dass jemand gezwungen wird. Hinweise und Tipps dazu finden Sie unteranderem auf folgender Seite: https://www.act212.ch/meldestelle/
Fazit
Über das Thema der Partnersuche wurde schon sehr viel geschrieben. Trotzdem gibt es immer wieder Menschen, die auf derartige Betrügereien hereinfallen. Da ich etliche Menschen persönlich kenne, die damit schlechte Erfahrungen gemacht haben, nahm ich mich dieser Thematik an, um vielleicht auch Sie, liebe Leser/innen zu erreichen, und zwar bevor Sie zu Schaden kamen. Es ist Fakt, dass über 90 Prozent dieser Datingseiten mit Vorsicht zu geniessen sind. Daher besinnt sich vielleicht der eine oder andere irgendwann auf die gute, alte Zeit, als man seine grosse Liebe oder ein Abenteuer im Ausgang, an der Chilbi, einem Schützenfest, der Disco oder am Arbeitsplatz, etc. fand. Bei solchen Begegnungen sieht man die Menschen direkt vor sich, man hört ihre Stimmen, sieht ihre Augen und erkennt die wahre Persönlichkeit, ihr Herz, Charme und ihren Charakter. Aber machen wir uns nichts vor, das grosse Geschäft mit der Liebe und Sex läuft so oder so munter weiter. Welche Variante der Partnersuche für Sie am Ende die Beste ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.
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Musiktipp der Woche Hildegard Knef: «Für mich soll’s rote Rosen regnen»
https://www.youtube.com/watch?v=66EHDrzVwhI
Dany Kammüller, April 21, 2023 1:01 PM