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Wenn Kinder leiden – hat die Gesellschaft versagt
Sie werden mehrheitlich geliebt und geachtet. Aber sie werden auch geschlagen, vernachlässigt, ausgenutzt, missbraucht und verhöhnt. Kinder sind das schwächste Glied in unserer Gesellschaft, sie verdienen unseren Schutz und nicht Gewalt.
Ach was solls, an einer Ohrfeige ist noch keiner gestorben. Stimmt nicht! Immer wieder sterben Kinder nach einer krachenden Klatsche an den Kopf. Oder sie leiden danach an körperlichen und seelischen Schäden, die nur schwer, wenn überhaupt, wieder auszumerzen sind. Jeder Schlag ist einer zu viel, denn Kinder sind nicht nur die Zukunft unseres Landes, sondern auch ein Spiegel der Gesellschaft. Was glauben Sie macht ein Kind, das geschlagen wurde, wenn es selbst mal Kinder hat …
Die bösen anderen!
Ach, nicht schon wieder ein Artikel über die armen Kinder dieser Welt. Wir wissen ja, dass diese vorwiegend in Asien und Afrika ausgenutzt, missbraucht, in Bordelle gesteckt oder zur Kinderarbeit, etc. gezwungen werden. Also spenden wir der UNICEF zu Weihnachten hin, ein paar Franken und dann ist es aber auch gut. Nein, ist es nicht, zumal derartige Gewalt eben nicht nur in fernen Ländern vorkommt, sondern überall, auch bei uns! 2021 wurden in Helvetien 1656 Kinder aufgrund von «Erziehungsmassnahmen» auf Kindernotfallstationen in Spitälern behandelt.www.kinderschutz.ch. Das sind aber nur die Fälle, die bekannt wurden, die Dunkelziffer ist massiv höher. Eine Befragung der Universität Freiburg im Auftrag von Kinderschutz Schweiz zeigte auf, dass bei uns jedes zweite Kind von Gewalt betroffen ist. Ende 2021 lebten hier 1.74 Millionen Kinder und Jugendliche, davon erlebten also rund 870'000 Gewalt in irgendeiner Form (!) https://de.statista.com
Wo beginnt Gewalt?
Gewalt an Kindern beginnt schon dort, wo die Grundbedürfnisse wie Respekt, Sicherheit, körperliche Unversehrtheit und emotionale und soziale Unterstützung nicht erfüllt werden. Und das geschieht sehr oft. Nach Schätzungen von UNICEF erleiden weltweit drei von vier Kindern (!) zwischen zwei und vier Jahren Gewalt durch Eltern und Erziehende www.unicef.ch Eine weitere Studie ergab, dass fast jeder zweite Erziehungsberechtigte noch immer der Auffassung ist, dass ein Klaps auf den Hintern noch keinem Kind geschadet habe. In Deutschland gibt es seit dem Jahr 2000 ein Gesetz, das folgende Tätlichkeiten verbietet: Klaps auf den Po, Ohrfeigen, Ziehen an Ohren oder Haaren. In der Schweiz hingegen sind körperliche und seelische Misshandlungen nach wie vor erlaubt (ausgenommen Sexualdelikte). Erst bei schweren, sichtbaren Verletzungen können die Täter bestraft und zur Rechenschaft gezogen werden. Das stimmt mich nachdenklich. Diesbezüglich leben wir hier tatsächlich noch in der Steinzeit, denn wenn Kinder leiden, haben nicht nur die Eltern versagt, sondern auch Gesellschaft, Justiz und Politik.
Das schwächste Glied
Kinder sind das schwächste Glied in der Gesellschaft. Daher verdienen sie Schutz, Liebe und Respekt und keine Gewalt. Heute braucht man fast für jede gesellschaftliche Handlung einen Ausweis, eine Ausbildung, ein Zertifikat oder ein Zeugnis. Fürs Autofahren, Hundehaltung, Beruf, etc. Fürs Kinderkriegen braucht es nur ein Mann, eine Frau und ein Babywunsch. Dennoch ist vielen werdenden Eltern oft nicht bewusst was für eine Bürde sie sich damit aufladen. Verstehen Sie mich richtig, ich sage nicht «per se», dass alle Eltern böse sind oder keine Ahnung von Erziehung haben. Doch wenn ich mich so umsehe, erblicke ich doch arg viel Not und Leid oder Kinder, die ihre Eltern erziehen, weil diese komplett überfordert sind. Da hört man dann schnell so Aussagen wie, sie dürfen das, es sind ja noch Kinder. «Jein», denn gerade Kinder brauchen Grenzen und Regeln, wie die Erwachsenen auch, denn was Hänschen nicht lernt, lernt Hans bekanntlich nimmermehr.
Die Formen der Gewalt
Wenn von Gewalt an Kindern die Rede ist, denken viele in erster Linie an körperliche Übergriffe (sexuelle Ausbeutung/Prügel), doch Gewalt ist sehr vielschichtig. So gibt es nebst den erwähnten körperlichen Interventionen auch psychische (seelische), häusliche-, strukturelle-, digitale/Cybergewalt, Vernachlässigung, Zwangsheirat, politisch/religiös motivierte Gewalt, etc. Was Eltern ihren Kindern auch bei uns antun, treibt einem stellenweisen Tränen in die Augen. Dazu ein paar Beispiele von körperlicher Gewalt: Da wird gestossen, geschüttelt (Babys), getreten, mit den Händen, Fäusten (Boxen), Gegenständen oder Köpfe an die Wand geschlagen, an Haaren/Ohren gezogen, gewürgt, Verbrennungen beigeführt mit Zigaretten/ heissem Wasser, Wachs, Hände auf heisse Herdplatten gedrückt. Essensentzug, etc. Unter psychische Gewalt fällt unter anderem: drohen, demütigen, abwerten, verachten, ablehnen, angstmachen, einsperren, blossstellen, Liebesentzug www.kinderschutz.ch. Diese Begebenheiten stammen nicht etwa aus einem Horrorfilm, sondern aus der Palette von Kindes-Misshandlungen wie sie mannigfach in unserem Land vorkommen, jeden Tag, stündlich, in dieser Minute. Links, rechts, über und unter uns. Darum sehen Sie hin und nicht weg!
Hinsehen nicht wegsehen
Viel Leid und Not könnten verhindert werden, wenn mehr Meschen hin- und nicht wegsehen würden. Darum geben Sie den Kindern eine/Ihre Stimme. Zur Erinnerung: 50 Prozent aller Kinder in der Schweiz sind von körperlicher oder psychischer Gewalt betroffen (!). Darum liebe Eltern, wenn Sie mit der Erziehung überfordert, mit den Nerven am Ende sind und Sie nicht mehr weiterwissen, holen Sie sich Hilfe und lassen Sie ihr Unvermögen nicht an Ihren Kindern aus. Es ist keine Schande sich helfen zu lassen, aber es ist eine grosse Schande, einem Kind Gewalt anzutun, in welcher Form auch immer.
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Dany Kammüller, December 2, 2022 9:13 AM