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Reden schafft Verständnis!


Mir fällt auf, dass die Menschen immer weniger miteinander reden und wenn sie reden, dann oft nur oberflächlichen Smalltalk. Ich frage mich warum? Warum gehen viele Menschen heute einem gepflegten, ehrlichen Gespräch von Angesicht zu Angesicht ganz bewusst aus dem Weg? 

 

Kürzlich erzählte mir ein guter Freund eine kleine Geschichte: In einem grossen Wald lebte ein starker Bär, der eines Tages eine Todesliste erstellte. Alle fragten sich, wer wohl auf dieser Liste steht. Als Erster nahm der Hirsch all seinen Mut zusammen, stolzierte zum Bären und fragte ihn, ob er auf dieser ominösen Liste stehe. Ja sagte der Bär und tötete ihn.

 

Dann wagte sich der tapfere Herr «Isegrim» zum Bären und fragte ihn ebenfalls. Hey Kumpel, stehe ich auch auf deiner Liste? Ja, sagte der Bär und erschlug ihn mit einem Tatzenhieb. Mittlerweile ging die Angst um und auch das Wildschwein wollte Klarheit und zottelte zum Bären, dieser fackelte nicht lang und tötete auch das Wildschwein.

 

Nun brach echt Panik aus, doch das Häschen glaubte nicht, was die anderen erzählten, und hoppelte zum Bären. Hallo Meister «Petz», willst du auch mich umbringen? Ja, mein Kleiner auch du gehörst zu den Todgeweihten. Da fragte das Häschen, kannst du mich wieder von der Liste streichen. Ja, meinte der Bär, kein Problem. Die Moral von der Geschichte: Es ist nicht nur wichtig, dass man Fragen stellt, sondern, dass man die richtigen Fragen stellt und vor allem, dass man miteinander redet.

 

Der Ton macht die Musik

Ich denke, dass soziale Medien wie Facebook, WhatsApp, Instagramm und Co bei der heutigen, fehlenden, mündlichen Kommunikation eine grosse Rolle spielen. Man kommuniziert schon noch mit seinen Mitmenschen, aber oft nur in schriftlicher Form und mit kurzen, abgehakten Sätzen oder einzelnen Worten (i bimbs – ich bin es, etc.) und Gefühle drückt man mit sogenannten Emojis (😊) aus. Das ist viel einfacher, weil man dabei seinem Gegenüber nicht in die Augen sehen, seine Stimme hören oder seine Widersprüche teilen und ertragen muss. Und wird einem das ganze Geschreibsel unangenehm, drückt man den Chat einfach weg und schweigt. Die Stimme verliert ihren Wert, man hört nicht, wie es seinem Gegenüber wirklich geht, denn wie heisst es doch so schön: «Der Ton macht die Musik.»

 

Die (a)sozialen Medien

Oder, wenn man heute jemanden zur Schnecke machen will, aus welchen Gründen auch immer, versendet man gleichfalls eine elektronische Hassbotschaft und lässt damit die ganze Welt an einer modernen Hexenjagd teilhaben. Dafür sind die (a)sozialen Medien geradezu prädestiniert. Da verkommt ein ehemals normaler Nachbarschaftsstreit zwischen den Meiers und den Müllers zum öffentlichen Spektakel. Nur schon mit einem einzigen Satz kann man einen Menschen gezielt ins Verderben stürzen. «Hey hast du gehört, der Meier schlägt seine Kinder grün und blau». Ob diese Aussage stimmt oder nicht ist zweitrangig, sie steht im «Chat» und alle, die den Meier eh nie mochten, hauen gleichfalls mächtig in diese Bresche. Wie es dem Meier (der immer ein vorbildlicher Vater war) dabei geht, ist nicht unser Problem und wenn er dem Druck nicht mehr standhält und in seiner Not von der Tobelbrücke springt, heisst es: «Er war ja schon immer ein komischer Kauz, es musste ja mal so weit kommen…, die arme Frau und die armen Kinder.» Schreckliche, hinterhältige, geheuchelte Anteilnahme. Vordergründig lächelt man dir ins Gesicht, doch kaum drehst du dich um, steckt man dir ein Messer in den Rücken.

 

Beziehungsende

Heute ist es auch ganz einfach eine Beziehung zu beenden. Wenn Hans nichts mehr mit Susi zu tun haben will, schickt er ihr gleichfall eine kurze, elektronische Mitteilung: «Es ist aus zwischen uns. Lass mich in Ruhe.» Wenn Susi das nicht versteht oder Faxen macht, stellt man einfach noch ein intimes Bild ins Netz, das dereinst geschossen wurde, als die Liebe noch blühte. So einfach ist das. Der ganze Freundeskreis amüsiert sich über die nackte Susi. Dumme Sprüche fallen über ihre Figur, dies und jenes Fettpölsterchen oder die Oberweite etc. Susi wurde zum Gespött bei der Arbeit, in der Freizeit, bei der Familie oder wo auch immer. Wenn Susi danach psychisch vor die Hunde geht und psychiatrische Hilfe braucht, wen interessiert es, scheissegal! Die hatte ja schon immer einen Flick ab und hätte sie nicht so dumm getan, wäre alles OK. Nein, nichts ist OK, zumal man sich mit solchen Aktionen strafbar macht. Billige Ausreden, meine Damen und Herren, haben mitunter einen hohen Preis.

 

Schweigen ist nicht immer Gold

Wer kennt nicht das Sprichwort: «Reden ist Silber, Schweigen ist Gold». Dieses Sprichwort kommt zur Anwendung, wenn es ab und zu besser ist zu schweigen, statt Unpassendes oder Überflüssiges zu sagen. Aber unter Freunden, Kollegen, Nachbarn oder Mitarbeitern ist das bekannte goldene Schweigen mitunter fehl am Platz oder gar schädlich. Dann wäre es besser, wenn aus dem goldenen Schweigen silbernes Reden, Fragen, Zuhören und Verstehen wird. Ich mag es nach wie vor, von Angesicht zu Angesicht mit meinen Mitmenschen zu kommunizieren, ganz egal, ob sie meine Meinungen teilen oder nicht. Reden schafft Verständnis – mit dem heutigen Geschreibsel via (a)soziale Medien oder einem unangebrachten Schweigen, geht viel Zwischenmenschlichkeit verloren. Helfen auch Sie mit, dass die Menschheit nicht mehr und mehr zu einer schweigsamen, gefühlskalten und verkorksten Gesellschaft verkommt. Reden Sie offen von Angesicht zu Angesicht miteinander, reden Sie mit mir, ich freue mich darauf.

 

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Dany Kammüller, March 24, 2023 10:33 AM