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Freunde – Freundschaft – Kollegen – Kumpels


Was bedeutet in der heutigen Zeit der Sozialen Medien der Begriff Freund noch? Zum Beispiel auf Facebook gibt es Menschen, die dort vermeintlich tausende von Freunden haben. Obwohl bei vielen vermutlich Begriffe wie Kollege oder Kumpel besser passen würde.

 

Grundsätzlich, so möchte man meinen, ist es einfach den Begriff «Freundschaft» zu definieren. Doch wer in die Tiefe geht, stellt schnell fest, dass Freundschaft eben nicht gleich Freundschaft ist. Das wussten schon die alten Denker wie Aristoteles, Sokrates oder Platon. So stammt zum Beispiel der Begriff «Platonische Liebe» von Platon ab. Platonische Liebe ist eine Form der Liebe, die aber in der heutigen Zeit nicht mehr viel mit dem ursprünglichen Konzept von Platon zu tun hat. Heute versteht man unter platonischer Liebe eine Beziehung, sprich Freundschaft, ohne sexuellen Hintergrund oder Verlangen. Da ich den alten Griechen Aristoteles und seine Ansichten schon immer mochte (nicht alles 😊) betrachte ich den Begriff Freundschaft hier mal durch seine Brille. 

 

Aristoteles

Aristoteles lebte in den Jahren 384 bis 322 vor Christus, also vor ungefähr 2400 Jahren im vierten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Wie Sokrates und Platon war er ein besonders wichtiger Denker, der sich viele Fragen gestellt hat, um die Welt zu verstehen.

 

Drei Arten der Freundschaft

Grundsätzlich unterscheidet Aristoteles drei Arten von Freundschaft: Freundschaft aus Lust, aus Nutzen und vollkommene Charakterfreundschaft. Allen drei Arten ist die «Wechselseitigkeit der Beziehung, sowie die Unverborgenheit der eunoia, des Wohlwollens», gemeinsam.

 

Die Freundschaft als Nutzen

Die Freundschaft aus Nutzen wird von Aristoteles als die kurzlebigste charakterisiert, da sie sich aufzulösen droht, sofern der Nutzen oder das gemeinsame Interesse der beiden Parteien sich ändert oder erfüllt zu sein scheint. Er weist sie den alternden Menschen zu, die auf fremde Hilfe angewiesen sind. Freunde in diesem Sinne wünschen sich bezüglich des für beide interessanten Gegenstandes Gutes.

 

Freundschaft der Lust

Auch die Freundschaft aus Lust, die sich im Erstrebten erfüllt, ist keine dauerhafte, reine Form. Sie ist in der Jugend anzusiedeln, wenn die Beziehungen noch oberflächlicher und von Leidenschaft geprägt sind. Diesen beiden Arten der Freundschaft mangelt es gänzlich am Gemeinsinn, da sie die Zwischenmenschlichkeit lediglich als Mittel zum Zweck benutzen.

 

Charakterfreundschaft

Einzig die vollkommene Charakterfreundschaft (arete), die von zwei oder mehr tugendhaften Menschen eingegangen wird, ist von Dauer, da die arete eine dauerhafte Eigenschaft ist und «der Charakter das eigentliche Selbst eines Menschen zeigt». Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass jeder Charakterfreund den anderen um seiner selbst, beziehungsweise gleichbedeutend, um des guten Willens liebt und ihm Gutes wünscht. Sie ist also im Vergleich zu den beiden anderen Formen der Freundschaft keine akzidentelle (zufällige) und schliesst sie dennoch in sich ein, denn es ist nicht nur wichtig, dass beide Freunde sich an derselben Handlung erfreuen, sondern, dass ihnen auch die Anwesenheit des anderen angenehm ist. So viel zu den Ansichten des grossen griechischen Denkers.

 

Auch heute noch Bestand

Obwohl Aristoteles vor rund 2400 Jahren lebte, hat er den Begriff Freundschaft, meiner Meinung nach, recht gut beschrieben und seine Einschätzung hat wohl auch noch heute in vieler Hinsicht Bestand. Auch ich stellte mir hin und wieder die Frage, wieviel Freunde habe ich und was für Freunde sind das?

 

Meine Freunde?

Der aktuelle Stand sieht bei mir in etwa so aus (Familie ausgeschlossen), dass ich meine Charakterfreunde locker an einer Hand abzählen kann. Also Menschen, denen ich zu 100 Prozent vertraue und die wirklich immer für mich da sind. Ganz egal was ich brauche oder in welcher Notlage ich mich befinde. Morgens um vier Uhr an der Haustüre klingeln, weil ich jemandem zum Reden brauche. 1000 Franken pumpen, weil ich gerade nicht flüssig bin. Auto auslehnen, weil ich dringend wegmuss und meine Karre in der Garage ist. Ein Geheimnis anvertrauen, etc.. Freundschaft basiert auf gegenseitigem Vertrauen und einem Verbundenheitsgefühl. Man unterstützt sich, ist füreinander da und steht für den anderen ein.

 

So wie ich bin

Ein guter Freund nimmt mich so, wie ich bin, mit all meinen Stärken und Schwächen. Was nicht heisst, dass man immer gleicher Meinung sein muss. Im Gegenteil, mit einem guten Freund kann man auch mal streiten, aber der Respekt vor dem anderen geht trotz allem nie verloren. Genauso wie das Faktum, dass eine wahre Freundschaft nie einseitig sein darf. Man muss sich auch nicht jede Woche sehen. Manchmal liegen Wochen oder Monate zwischen einer direkten Begegnung und wenn man sich wieder sieht, ist es so, als ob die letzte Begegnung erst gestern war. Ein Freund kann mich auch trösten oder bringt mich zum Lachen, und stellt mich auf, wenn ich einen Durchhänger habe.

 

Kollegen und Kumpels

Sogenannte Kumpels und Kollegen kann ich dann doch auch an beiden Händen und vielleicht sogar an beiden Füssen abzählen. Saufkumpanen, mit denen man zusammen mal einen über den Durst trinken kann. Motorradfreaks, die wie ich, gern mal eine Runde drehen. Geschäfts- und Berufskollegen – gemäss Aristoteles die Freundschaft als Nutzen, von dieser Sorte hat wohl jeder ein paar mehr auf Lager. Auch ehemalige «Schulgspänlli» oder gute und feine Nachbarn, gehören in diese Kategorie.

 

Und deine Freunde?

Wie sieht für dich eine Freundschaft aus? Was verstehst du unter dem Begriff? Was zeichnet eine Freundschaft aus und wie viele Menschen hast du, denen du zu 100 Prozent vertrauen kannst? Bei denen auch du morgens um vier Uhr an der Haustüre klingeln kannst? Deine Meinung interessiert mich, Kontaktdaten siehe unten. Ich würde mich auf das eine oder andere Feedback freuen.

 

Musiktipp der Woche

 

The Band Perry: Gentle on my Mind:

 

https://www.youtube.com/watch?v=BuVJEn9wk9Y

 

Ihre Meinung interessiert mich

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Dany Kammüller, May 12, 2023 1:41 PM