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Freiwild – Frau! Auch pöbeln ist strafbar!


Frauen gelten für einen gewissen Schlag von Männern als Freiwild. Sei es im Gastorbereich, in Pflegeberufen, im Büro oder auch im Privaten. Vielen Grabschern, Pöblern und Grenzüberschreitern ist dabei nicht bewusst, dass ihr Handeln einen strafbaren Tatbestand darstellt, was ihre Schuld aber nicht schmälert, im Gegenteil!


Es gibt sie überall, Typen, die ihre Finger nicht bei sich behalten können. Für die ein Klaps auf den Po einer Serviertochter ein «Kavaliersdelikt» darstellt. Dabei handelt es sich auch bei solchen Delikten um unerlaubte (strafbare) Handlungen, die jedoch vielerorts nach wie vor als nicht «ehrenrührig», also als weniger schlimm betrachtet werden. Tragisch! Solche Übergriffe finden nicht selten auch dort statt, wo ein gewisses Abhängigkeitsverhältnis besteht in Form einer Ausbildung (Lehrmeister), im Berufsleben, der Freizeit, im Sportverein, Jugendräumen, bei Psychologen, Ärzten, Seelsorger und Sozialarbeitern, etc.


Dumme Sprüche


Auch noch heute hört man in Restaurants nicht selten Sprüche wie: «Eine gute Serviertochter muss auch mal ein Spässchen oder Witzchen ertragen.» Falsch, sie muss gar nichts ertragen, weder von ihrem Chef, einem Mitarbeiter, noch von einem Gast. Wer kennt sie nicht, diese Typen, die Frauen in der Öffentlichkeit mit ihren geilen Glubschaugen förmlich ausziehen und nach einem gewissen Alkoholpegel gar der Meinung sind, sie haben das Recht, die Serviertochter mit ihren schmierigen Fingern zu begrabschen. Schliesslich ist man(n) ein zahlender (Stamm-) Gast und der Gast ist ja bekanntlich König.


Die eigene Frau?


Liebe Pöbler und Grabscher gestatten Sie mir eine Frage, was würdet ihr tun, wenn das jemand mit euren Frauen/Freundinnen täte? Würdet ihr dann auch in aller Ruhe zusehen und vielleicht noch ein dummes Witzchen reissen? Oder würdet ihr nicht auch aufstehen und solche Typen zur Raison rufen? Denkt mal darüber nach.


Formen der Gewalt


Nicht nur die schäbige, körperliche Anpöbelei zählt zu den unerlaubten Belästigungen, sondern auch psychische Gewalt, Angst machen, Drohen, Stalking, Kontrollwahn, Cyber-, sexualisierte- und körperliche Gewalt. Wie oft kam es schon vor, dass eine Frau, die in der Nacht allein in einem Zugabteil sass, auf die eine oder andere Art belästigt wurde? «Sie ist ja selbst schuld, dass sie in der Nacht allein im Zug sitzt, sich kleidet, wie eine Prostituierte oder allein zu Fuss nach Hause geht.» Das sind alles billige, primitive Ausreden, um die eigenen strafbaren Handlungen vor sich selbst zu legitimieren. Man(n) macht die Opfer zu Täterinnen.


Barrieren überschreiten


Irgendwann überschreiten solche Typen auch die letzte Barriere und wollen mehr als nur Pöbeln: «Komm schon Kleine, du magst das doch auch…» Sorry für meine folgende Ausdrucksweise, ich bin grundsätzlich gegen Gewalt, aber solchen Typen sollte man ab und an «mit freundlichen Füssen» in den Hintern treten oder ein paar «gepflegte Hände» in die Visage drücken, denn das ist vermutlich die einzige Sprache, die sie verstehen. Vielleicht hilft aber auch ein klärendes Gespräch in Anwesenheit von deren Frauen, der Polizei oder im Extremfall eine gewisse Zeit im Knast.


Statistik


Folgende Statistik spricht für sich: Die Zahl der Vergewaltigungen, die in der Schweiz in den vergangenen zehn Jahren zur Anzeige gebracht wurden, stiegen von 552 (2011) auf 757 (2021). Die Dunkelziffer liegt aber massiv höher, da viele Frauen aus Scham oder «dem Frieden zuliebe» keine Anzeige erstatten.


Jede fünfte Frau


Sexuelle Gewalt ist in der Schweiz weiterverbreitet als man annimmt. Mindestens jede fünfte Frau ab 16 Jahren hat schon einen sexuellen Übergriff erlebt und mehr als jede zehnte Frau erlitt Geschlechtsverkehr gegen ihren Willen. Dies geht aus einer repräsentativen Umfrage unter rund 4500 Frauen hervor, die das Forschungsinstitut gfs.bern im Auftrag von Amnesty International durchführte. (www.amnesty.ch)


Beschränkter Horizont


Die Formen der Gewalt gegen Frauen sind sehr vielseitig und kommen in allen sozialen Schichten vor. Doch keine Frau muss sich derartigen Gewaltverbrechen beugen, weder in Gastrobetrieben, in Pflegeberufen, im Büro oder sonst wo. Männer, die dennoch ihre Macht gegenüber körperlich meist unterlegenen Frauen missbrauchen sind nicht selten unsicher im Umgang mit Frauen. Sie haben Minderwertigkeitskomplexe, sind machtbesessen, fürchten sich vor dem vermeintlich schwachen Geschlecht, sind gesellschaftlich und geistig unterbelichtet oder haben gemeinhin einen beschränkten Horizont. Aber auch das beinhaltet keine Legitimation für ihr primitives Handeln.


Opfer sollten sich melden


Frauen, denen solches wie hier beschrieben, widerfahren ist, sollten ihre Scham, auch wenn es ihnen schwerfällt, überwinden und sich vermehrt bei der Polizei oder entsprechenden Beratungsstellen melden. Nur so kann man den Tätern auf Dauer einen Riegel schieben. Niemand hat das Recht, die Schranken des körperlichen/seelischen Tabus zu durchbrechen, weder bei der Arbeit noch im Privaten.

  

Politik


An der Sitzung vom 27. April 2022 hat der Bundesrat den Bericht «Sexuelle Belästigung in der Schweiz: Ausmass und Entwicklung» verabschiedet. Er hält fest, dass sexuelle Belästigung ein verbreitetes Phänomen ist, bei dem die statistische Erfassung aber noch verbessert werden kann (welch unglaubliche Erkenntnis!). Der Bundesrat unterstreicht zudem die Bedeutung der Unterstützung von Betroffenen. Klingt einmal mehr typisch nach trockner, theoretischer Politik. Doch Fakt ist, viele sexuelle Übergriffe bleiben in der Schweiz nach wie vor ungesühnt. Unser vorsintflutliches Strafrecht lässt grüssen. Lieber «Bunter-Rat», es ist höchste Zeit, dass sich was ändert, und zwar besser heute als erst Morgen.


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Notrufnummer Polizei 117


Opferberatung der Frauenzentrale Zug, 041 725 26 50 www.frauenzentralezug.ch


Lantana, Fachstelle Opferhilfe bei sexueller Gewalt 031 313 14 00 www.lantana-bern.ch


Vista Fachstelle Opferhilfe bei sexueller und häuslicher Gewalt 033 225 05 60


www.vista-thun.ch


Dany Kammüller, January 13, 2023 8:06 AM