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Der Schönheitswahn - Altwerden verboten


Altwerden ist heute verpönt, Falten ein absolutes «No go». Wer mit 40 nicht aussieht wie 20, gehört zum alten Eisen. Der heutige Schönheits- und Jugendwahn treibt seltsame Blüten, jenseits aller Vernunft.

 

Ein Sprichwort besagt: «Schönheit liegt im Auge des Betrachters». Das war einmal. Heute ist nur noch schön, wer jung ist und gut aussieht. Begonnen hat der ganze neuzeitliche Schönheitswahn («Anti Aging» = Altersverminderung) mit dem Aufkommen der sozialen Medien. Dort werden Jung und Alt tagtäglich mit schönen,

durchtrainierten, fast perfekten Körpern konfrontiert und natürlich wollen alle so aussehen, Kinder und Jugendliche genauso wie Ihre Eltern. Dabei eifern sie den Stars und Vorbildern nach, wie blökende Lämmer dem Hirten. Die Grenzen zwischen Alt und Jung verschwimmen zusehends. Dafür schont man weder Zeit noch Kosten. Das Geschäft mit der Schönheit wurde zu einem eigenen Wirtschaftszweig, mit dem Milliarden Dollars, Franken und Euros umgesetzt werden. Gibt man bei Google das Wort Schönheit ein, erhält man 230 Millionen Treffer. Nur schon das spricht für sich.

 

Idealbild der Gesellschaft

Vergleicht man heutige Generationen mit unseren Uromas-/Opas, fällt auf, dass die Sechzigjährigen der Neuzeit viel jünger aussehen als ihre Vorfahren. Das verdanken sie unteranderem einer gesünderen Ernährung und Lebensweise. Das ist so weit okay. Was nicht okay ist, ist die Tatsache, dass junge Körper heute als Idealbild der modernen Gesellschaft betrachtet werden. Untersuchungen zeigen, dass es junge, attraktiv wirkende Menschen im Leben leichter haben ihre Ziele zu erreichen und mehr Privilegien geniessen als solche, die müde, verbraucht und sprichwörtlich alt aussehen. Tragisch, aber wahr. Bei Bewerbungen für einen Job hat ein schnödes, ungeschminktes und ungepflegt wirkendes Mauerblümchen nicht den Hauch einer Chance gegen gepflegt wirkende Mitbewerberinnen mit einer Topfigur, einem Erstklass-Makeup, faltenfreiem Gesicht und einem coolen Marken-Outfit.

 

… wer nicht schön ist, wird schön (er) gemacht

Kinder die heute mit abstehenden Ohren, einer Römernase oder schrägen Zähnen zur Welt kommen, werden ganz selbstverständlich schon von ihren Eltern optimiert. Für schräge Zähne gibt es Spangen und für die nicht perfekten Nasen und Ohren kleine ambulante Eingriffe, mit denen man die «Mängel» korrigieren kann. So erfahren unsere Nachkommen von Kindesbeinen an, nur wer schön ist und der Norm entspricht hat eine Zukunft im gesellschaftlichen und beruflichen Leben. Diese Tatsache führte auch dazu, dass immer mehr werdende Mütter während der Schwangerschaft sogenannte «Pränatal-Diagnostische Untersuche» machen lassen, um mögliche Krankheiten oder Behinderungen auszuschliessen.

 

30 Millionen Eingriffe

Bis anhin waren es mehrheitlich Frauen, die sich dem Jugendwahn hingaben. 87.4 Prozent aller Schönheitsoperationen entfallen auf sie. 2021 wurden weltweit mehr als 30 Millionen chirurgische und nicht-chirurgische Schönheitsoperationen durchgeführt (in der Schweiz rund 100'000). Gemäss Schätzungen von Experten treten bei etwa jeder fünften Operation Komplikationen auf, doch das nimmt man, jenseits aller Vernunft, für den Jugendwahn gern in Kauf, obwohl die möglichen Folgen verheerend sein können. Die Hitliste der Frauen: Lider straffen, Unterspritzung der Stirn mit Botox oder Hyaluronsäure, Brüste vergrössern, Baudeckenstraffung, Fett absaugen, Schlupflider Tränensäcke-, Lippen-, Nasen- und Intimkorrekturen (Schamlippen-Verkleinerung etc.). Aber die Männer holen auf, denn auch ein Mann, der etwas auf sich hält, muss heute jung und frisch aussehen. Hitliste der Männer: Augenlider, Nasen, Ohren, Faltenunterspritzungen, Brust-Operationen, Fett absaugen, Penisverlängerung, etc.

 

Kosten

Die Preise für Schönheitskorrekturen sind sehr individuell. Es kommt darauf an, wo, warum und bei wem man sich unters Messer legt. Im Schnitt kostet eine Ganzkörper Schönheits-Operation (Bodylifting) je nach Ausprägung und operativem Aufwand, zwischen 7000 und 15’000 Euro. Mit rund 5680 Euro, gilt die Brustvergrösserung bei Frauen als der teuerste Eingriff. Vergleicht man diese Ausgaben jedoch mit dem Budget der Schönen und Reichen dieser Welt, zeigen sich sehr schnell frappante Unterschied. Der US-amerikanische-Schauspieler Mickey Rourke zahlte allein für die Korrektur seiner Nase rund 51'000 Dollar.

 

Lebenserwartung

Man geht davon aus, dass die Schönheitschirurgie auch in Zukunft weiter zunimmt, da die Menschen immer älter werden. Allein im 20. Jahrhundert stieg die Lebenserwartung in vielen Ländern Westeuropas, in den USA, Kanada, Japan und Australien um rund 30 Jahre. Die Zahl der Senioren nimmt ständig zu und die

Mehrheit von ihnen hat, statistisch gesehen, noch eine Lebenserwartung von 20 bis 25 Jahren.

 

Furchterregend

Gegen den heutigen Schöhnheitswahn ist leider noch kein Kraut gewachsen. Selbst Jugendliche, meist weiblichen Geschlechts, wünschen sich vollere Lippen, grössere Brüste oder einen Hintern wie Kim Kardashian. Es ist echt tragisch, was schon junge Menschen auf sich nehmen, um ihr Aussehen zu optimieren. Da werden aus einst schönen Gesichtern regelrechte Fratzen und im Alter, wenn die Schönheitssünden und deren Begleiterscheinungen ans Tageslicht kommen, sehen dann alle in etwa gleich furchterregend aus. Die letzte Schönheits-OP wäre dann, sarkastisch gesehen, wohl bei vielen nur noch die Guillotine …

 

Die Sünden der Stars

Der ganze Jugendwahn verkommt zu einer regelrechten Sucht, zumal viele Eingriffe nach einer gewissen Zeit wiederholt werden müssen (!) und wer einmal damit begonnen hat, begnügt sich meist nicht mit einem Eingriff. Da zeigt sich dann im Umkehrsinn, dass Schönheit eben doch im Auge des Betrachters liegt, je nachdem wer eben der Betrachter ist. Viele, die diesem beknackten Schönheitswahn nacheifern, werden auf Dauer zu regelrechten Zombies. Siehe unter nachfolgendem Link: Die 20 grössten (misslungenen) Sünden vorher und nachher. https://de.celebrity.red/buzz/misslungene-beauty-ops-der-stars

 

Fazit

Wenn ich mir ab und zu meine gesammelten Indianer-Bilder ansehe, denke ich immer wieder, es gibt nichts Interessanteres und Spannenderes, als so alte, zerfurchte, faltige Gesichter, die das Leben zeichnete und die uns Geschichten erzählen. Das Altwerden gehört zu unserem Menschsein wie die Geburt und der Tod. Ab 25 Jahren verliert die Haut an Spannkraft, das ist ein natürlicher Prozess, den wir selbst mit den teuersten Mittelchen und Operationen nicht aufhalten können. Darum fürchten Sie sich nicht, wenn Ihre Haare ergrauen, ihr Körper langsam abbaut und sich erste Fältchen zeigen, das macht auch Sie interessant. Tragen Sie das Alter mit Würde, Fassung und erhobenen Hauptes. Wie sagte dereinst die mährisch-österreichische Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach: «Dass alles vergeht, weiss man schon in der Jugend; aber wie schnell alles vergeht, erfährt man erst im Alter.» Wer also sagt, dass alte Menschen nicht mehr schön sein können, ist schlicht und ergreifend ein ignoranter Trottel, der spätestens in 40 Jahren nochmal in den Spiegel blicken sollte.

 

Musiktipp der Woche

Ally Venable with Buddy Guy - Texas Louisiana

https://www.youtube.com/watch?v=vCM00X-lmbU

 

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Dany Kammüller, April 28, 2023 9:54 AM