Aktuelles/Blog
Sexuelle Ausbeutung von Kindern = Seelenmord
Es geschieht im Verborgenen und man spricht generell nicht darüber, weder die Opfer und schon gar nicht die Täter. Viele Geschädigte brauchen oft Jahre, bis sie über ihren Seelenmord reden können.
Es ist dunkel, die meisten Kinder liegen längst in ihren Betten und schlafen friedlich. Andere harren in tiefster Not auf das, was fast jede Nacht geschieht. Sie kennen den Ablauf vor der beginnenden Pein. Sie hören seine Schritte auf der Treppe. Sechs Stufen: Eins, zwei, drei, vier, die fünfte Stufe knarrt jeweils, sechs. Weitere drei Schritte bis zur Tür. Eins, zwei, drei. Die Türklinke wird gedrückt. Das Herz des Kindes schlägt schneller, der Körper verkrampft sich. Ein tiefes, schweres Angstgefühl breitet sich aus. Weitere drei Schritte bis zum Bett. Eins, zwei, drei. Er setzt sich auf die Bettkante, streichelt über den Kopf des Kindes. Seine Hand gleitet tiefer, unter die Decke. Das kindliche Herz weint und schreit innerlich. Es schreit und schreit und schreit, doch niemand hört die stummen Schreie. Niemand, auch die Mama nicht. Die Kinder sind allein, mit ihren Ängsten und Nöten.
Unser Geheimnis
Den Opfern ist klar, dass sie über den Missbrauch nicht reden dürfen, weil sonst die Mama stirbt, wie der Täter sagt, der Papa ins Gefängnis muss oder andere furchtbare Dinge geschehen. Das ist unser Geheimnis, so lauten die gebetsmühlenartigen Wiederholungen der Täter, Nacht für Nacht. Später, wenn sich die Peiniger sicherer fühlen, geschehen die Übergriffe auch am Tag, wenn die Mama beim Einkaufen ist, im Urlaub etc.
Sexueller Wahn
Irgendwann wollen die Täter mehr, die Berührungen reichen ihnen nicht mehr aus und irgendwann schmerzt das Geheimnis nicht nur seelisch, sondern auch körperlich. Doch das ist diesen Verbrechern egal, sie steigern sich in einen perfiden, sexualisierten Wahn. Es fällt mir schwer nicht ausfällig zu werden …
45'000 Opfer!
Statistiken zur Folge wurden 2020 in der Schweiz 1257 Fälle von sexuellen Handlungen mit Kindern gemeldet. Das ist bei weitem nicht einmal die Spitze des Eisberges. Man geht davon aus, dass es bei uns jährlich zu etwa 45'000 sexuellen Übergriffen kommt (!) Jedes dritte Mädchen und jeder fünfte Knabe ist davon betroffen! (Quelle: www.parlament.ch). Das sind in einer Schulklasse mit 21 Kindern, vier Knaben und sieben Mädchen …
Die Täter
Bei den Tätern handelt es sich vielfach nicht um den schwarzgekleideten, bösen Mann, der die Kinder mit Süssigkeiten in sein Auto lockt (was nicht heisst, dass es die nicht gibt). Die Täter findet man meistens im direkten sozialen/familiären Umfeld der Opfer (80%) und in allen gesellschaftlichen Schichten. Die Täter wissen ganz genau, wie sie die Opfer manipulieren müssen, damit diese gefügig werden und bleiben. Sie zerstören bewusst das Urvertrauen der Kinder in die Erwachsenenwelt. Schäden, die vielfach für immer bleiben.
Anzeichen des Missbrauches
Die möglichen Anzeichen bei sexuellen Übergriffen auf Kinder sind unter anderem: Wutanfälle, regressives Verhalten (Einkoten, Einnässen, Jammern), Rückzugsverhalten, Depression, Ängstlichkeit, Hemmung, Überkontrolle, Waschzwang, Aggression, antisoziales und unkontrolliertes Verhalten und posttraumatischen Belastungsstörungen. Der Missbrauch führt bei vielen Betroffenen zu Veränderungen, die einem aufmerksamen Umfeld auffallen können/müssten.
Bekannte Fakten
Mir ist bewusst, dass ich Ihnen hier nichts Neues erzähle. Die Fakten sind hinlänglich bekannt. Aber ich denke, es ist wichtig, dass man immer wieder darüber spricht. Je mehr Mitmenschen hinsehen, hinhören und handeln, umso grösser ist die Chance, dass man die Taten/Täter entlarvt. Derartige Verbrechen verjähren in der Schweiz, je nach Schweregrad, erst nach etwa 30 Jahren. Also, wenn Ihnen solche Fälle bekannt sind, reagieren Sie, sonst haben die Täter leichtes Spiel und zerstören noch weitere Kinderseelen. Genauer Wortlaut der Gesetzesartikel siehe Link unten: CASTAGNA. Beachten Sie dort auch die Hinweise bezüglich sexueller Cyber-Kriminalität.
Rechtslage
Die Rechtslage ist grundsätzlich klar. Dafür gibt es Gesetze und Gerichte. Fakt ist aber, dass es in vielen Fällen zu keiner Anklage kommt, denn es steht Aussage gegen Aussage. Wem glauben die Richter mehr, den Opfern oder den möglichen Tätern? Die rechtlichen Wege, die Betroffene beschreiten müssen, sind leider kein Zuckerschlecken, im Gegenteil. Viele Kläger/innen stossen oft auf Vorurteile und Ablehnung, zumal die Taten nur schwer zu beweisen sind. Trotzdem darf man nie aufgeben, denn jeder Übergriff ist einer zu viel.
Zeugen
Es gibt in der Rechtsprechung einen Grundsatz: Wer Kenntnis von einer Straftat hat und diese nicht zur Anzeige bringt, macht sich mitschuldig. Darunter fällt halt oft auch die Familie, Mutter, Oma, etc. Leider verbergen die Täter Ihre Straftaten nicht selten so geschickt, dass sie vom direkten Umfeld lange nicht oder nur schwer erkennbar sind. Und wenn es jemandem auffällt, befindet sich diese Person in einem Dilemma. Wem soll man nun glauben, dem Opfer oder dem Täter?
Fazit
Liebe Kinder und betroffene Erwachsene, es ist wichtig und richtig, dass ihr über das Leid redet, das euch angetan wird/wurde, sei es auch noch so schwer oder schon lange her. Eure Aussagen bewirken, dass viele Kinder diese Torturen nicht auch erleiden müssen. Jemand, der euch sagt, dass etwas Schlimmes geschieht, wenn ihr euer Schweigen brecht, der lügt. Euer Körper gehört nur euch allein und niemand hat das Recht über diesen zu verfügen, weder der Papa, Onkel, Götti noch sonst wer! Und den hinterhältigen «Seelenmördern» sei gesagt, fühlt euch nicht zu sicher, es gibt immer mehr Menschen, die genauer hinsehen. Zudem, denkt mal eingehend darüber nach, was ihr da tut. Ihr zerstört das Leben von unschuldigen, wehrlosen Kindern, das ist das perfideste Verbrechen überhaupt …!
Notruf/Hilfe
Polizei, Telefon 117
Beratungsstelle CASTAGNA, Universitätstrasse 86, 8006 Zürich, Telefon 044 360 90 40
Lesertipp
Lesen Sie in diesem Zusammenhang auch den Artikel «Wenn Kinder leiden – hat die Gesellschaft versagt» (siehe Aktuelles/Blog 2022).
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Dany Kammüller, February 3, 2023 7:46 AM