Aktuelles/Blog
Die «Empörgesellschaft»
Vor ein paar Jahren begannen ein paar Menschen damit sich in der Öffentlichkeit (sozialen Medien) über dies und jenes zu empören, als ob wir sonst keine Probleme hätten. Wer ist für solche Trends verantwortlich? Wer hat einen Nutzen davon? Ich weiss es nicht, daher machte ich mich auf die Suche nach der «Empörgesellschaft.»
Zuerst fragte ich mich, wo die Empörungswelle ihren Ursprung hat. Wer kam auf die Idee sich über Winnetou und seinen Freund Old Shatterhand zu ärgern? Oder über irgendwelche Frisuren, Kleider mit speziellen Mustern, Kinderliedern, Bezeichnungen oder Gerichten, wie dem Zigeunerschnitzel (heute Schnitzel nach Balkanart). Sorry, aber wer hat Zeit und Musse, sich mit solchen unwesentlichen Dingen zu beschäftigen?
Jekami-Trend
Es liegt anscheinend in der Natur des Menschen sich zu ärgern. Es macht ihnen offensichtlich Spass, sich gegenseitig anzuschwärzen (anschwärzen? Politisch korrekt?) wohlwissentlich, dass auf jede Empörung eine Gegenempörung folgt. So entstehen aus Nichtigkeiten neue Empörungswellen, bei denen jeder frisch und fröhlich mitmachen (Jekami) kann. Jeder darf sich in der Öffentlichkeit über alles und jenes brüskieren und ein Teil der Gesellschaft tut es mit Hochgenuss, sie empören sich über jeden Mist. Ja sogar über Mist kann man sich ärgern, denn Mist stinkt. Er stinkt zum Himmel, wie die ganzen Empörungswellen.
Spass an der Freud
Es gibt mittlerweile regelrechte Empörungsspezialisten, die immer neue Gründe finden, um sich zu echauffieren. Aus dieser Grundhaltung entstand die sogenannte Woke-Welle. Mit «Woke» werden Leute bezeichnet, die für sich ein «erwachtes» Bewusstsein in Sachen Gerechtigkeit, Klimaschutz, diskriminierende Sprache oder auch Rassismus in Anspruch nehmen. Quasi selbsternannte Gesellschafts-Polizisten.
Kulturelle Aneignung
Unter der Ägide der «Wokes» wurde auch der Begriff der kulturellen Aneignung neu geboren. Es begann 2015, als die französische Modedesignerin Isabel Marant ein Kleid entwarf, das «Ähnlichkeit» mit einer traditionellen Tracht der Indigenen aus Santa María, im Südwesten Mexikos hatte. Die Empörungsbombe war platziert und dann ging es los. Was über hunderte von Jahren gang und gäbe war (kultureller Austausch), ist plötzlich ein «No go». Modedesigner dürfen angeblich keine (Schnitt-) Muster mehr verwenden, die in anderen Ländern und Kulturkreisen Tradition haben. Doch aufgepasst, denn der Vorwurf der «kulturellen Aneignung» ist gefährlich – denn er fördert rassistisches Denken durch die Hintertür (NZZ).
Der kleine, aber wesentliche Unterschied
Zudem sei auch vermerkt, es gilt klar zu unterscheiden zwischen der kulturellen Aneignung und der kulturellen Anerkennung. Beschäftigt man sich umfassend mit einer Kultur, an der man Interesse hat, und begegnet dieser mit Respekt, spricht man von Anerkennung. Alles klar? Daher trage ich auch weiterhin meinen Indianerring, mein Amulett, mein Armband, meine T-Shirts und meine Fransenjacke.
Die Fasnachts-Verschwörung
Wie gern spielten wir als Kinder Cowboy und Indianer und wie gerne sahen wir uns all die spannenden Winnetou Filme im Fernsehen oder im Kino an. Das ist/war ein Teil unserer Kultur. Doch heute soll es verpönt sein als Indianer an die Fasnacht zu gehen? Demnach müsste es auch verboten sein, wenn sich jemand als Bulgare, Österreicher, Türke, oder Russe, etc. verkleidet. Wenn man es genau nimmt, ist nämlich jede Verkleidung grundsätzlich eine kulturelle Aneignung. Schon mal darüber nachgedacht? Kultur lebt bekanntlich vom gegenseitigen Austausch.
Die Corona-Aufregung
Die Coronaepidemie ist ein ideales Beispiel für die Wut- und Wokebürgerbewegung. Geschürt durch die Angstmacherei unzähliger Politiker und selbsternannten Experten entstanden während der Pandemie zwei Lager: Die Geimpften (die Guten) und die «Impfschwurbler», sprich die Ungeimpften (die Bösen). Da wurde ein regelrechter Krieg vom Zaun gebrochen. Anschuldigungen hüben wie drüben. Freie demokratische Meinungsäusserung war plötzlich verpönt. Es lebe die Diktatur! Die Herrscher bestimmen und der Pöbel gehorcht Es war der reine Wahnsinn, über den heute fast niemand mehr reden mag. Warum wohl…?
Catcalling - Katzenrufen
Ein anderer Empörungstrend ist das sogenannte «Catcalling», zu Deutsch: «Katzenrufen». Als «Catcalls» werden unter anderem Belästigungen wie übergriffige, sexualisierte Kommentare von Männern bezeichnet, die sie gegenüber Frauen im öffentlichen Raum äussern. Auch das Nachpfeifen ist untersagt. Früher galt es als Kompliment, wenn ein Mann einer attraktiven Frau nachpfiff. Heute regen sich vor allem jene darüber auf, denen man wohl nie nachpfeifen würde. Doch schon vor der Catcalling-Welle war es verpönt, wenn sich Männlein wie Weiblein in der Öffentlichkeit üble, «sexualisierte und übergriffige» Kommentare und Schimpfwörter an den Kopf warfen, das ist und war schon immer eine Sache des gesellschaftlichen Anstandes. Dafür brauchen wir keine «veremanzipierte» Anleitung.
Andere Länder – andere Probleme
Ich sage nicht, dass alles per se schlecht ist, was die «Woke-Gesellschaft tut. Es gibt sicher Wörter, Bezeichnungen oder Begebenheiten, etc., die nicht mehr zeitgemäss sind. Aber glauben Sie mir, den Menschen, die in der 3. Welt Hunger leiden, ist es schnurz-pieps egal, ob sie ein Zigeunerschnitzel erhalten oder ein Schnitzel nach Balkanart. Hauptsache, sie haben etwas zu essen. Und den Menschen, die in unzähligen Kriegsgebieten oder Erdbebenregionen unter Kälte leiden, geht es am Arsch vorbei, ob sie Decken mit afrikanischen Mustern oder Armee-Wolldecken mit einem Schweizer Kreuz erhalten, Hauptsache sie geben schön warm. In solchen Ländern hat man ganz andere Sorgen und sicher keine Zeit, sich über solch unsinnige Nichtigkeiten aufzuregen.
Fazit
Liebe Leser/innen, es gibt so viel wichtige Themen, die unserer Gesellschaft zu bewältigen hätte. Daher frage ich mich, warum sich gewisse Menschen das Leben gegenseitig so schwer machen. Ich denke, mit gesundem Menschenverstand, Respekt, Verständnis, Anstand und Rücksichtnahme erreichen wir mehr als mit diesen ganzen Empörungswellen. Warum regen wir uns auf über irgendwelche kulinarischen Gerichte, Haartrachten (Dreadlocks), Fasnachtskostüme, etc.? Ich denke, viele Menschen haben einfach zu viel Zeit und wissen nicht mehr, was sie damit anfangen sollen. Also geht man hin und sucht eifrig nach Gründen, um noch mehr Unheil auf die Welt zu bringen. Mein Standartzitat lautet: «Leben und leben lassen», wohlwissentlich, dass es sicher einige Zeitgenossen gibt, die sich auch über meinen Text hier empören werden. Ich nehme es ihnen nicht übel und trage es mit Fassung, es kostet mich lediglich ein kleines Lächeln…, obwohl es eigentlich zum Weinen ist.
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Dany Kammüller, February 10, 2023 11:51 AM