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Wohnungsnot: Stirbt der Kanton Zug aus?
Ich habe die Wohnsituation im Kanton Zug über längere Zeit auf verschiedenen Plattformen verfolgt. Am Ende kam ich zum Schluss, dass Einheimische, vor allem junge Menschen, über kurz oder lang aus ihrer Heimat vertrieben werden und der Kanton Zug mehr und mehr zu einer Enklave von Expats und Reichen verkommt
Ach, jetzt kommt der wieder, und malt gleich den Teufel an die Wand, sagt sich jetzt vielleicht der eine oder andere. Dazu sage ich, ja, das will ich, denn die Wohnsituation in unserem Kanton ist alles andere als rosig. Dazu ein paar Fakten.
Die Teuersten
Knapp 60 Prozent aller Schweizer sind Mieter, wie die neuesten Zahlen des Bundesamtes für Statistik belegen, Den grössten Anteil machen dabei Wohnungen mit drei Zimmern aus, Rund 850'000 davon werden hierzulande vermietet. Den höchsten Nettopreis bezahlt man – Sie dürfen einmal raten – genau, im Kanton Zug, gefolgt vom Kanton Zürich.
Die Günstigsten
Am günstigsten lebt man im Kanton Glarus Süd mit 1290 Franken Miete für drei Zimmer, gefolgt von Grenchen/SO für 1440 oder Reinach/AG für 1530 Franken. Das ist das Ergebnis einer Studie des Immobilienspezialisten «IAZI» im Auftrag der Handelszeitung. Für die Studie wurden alle inserierten Medien auf sämtlichen relevanten Plattformen der Deutschschweiz untersucht. https://www.iazicifi.ch
Die Gründe
Es ist Fakt, dass der Wohnungsbau in der Schweiz aufgrund mangelnden Platzes begrenzt ist, sofern wir nicht auch noch das letzte Grün, das uns noch bleibt, mit Beton zupflastern wollen. Fakt ist aber auch, dass der Fachkräftemangel auch auf dem Schweizer Arbeitsmarkt nach wie vor sehr hoch ist, was zu weiteren Einwanderungen führen wird. Dabei spielen die grossen Firmen eine nicht unwichtige Rolle, denn diese können es sich (noch) leisten, Wohnraum für ihre Mitarbeiter zu beschaffen. Wer sich das nicht leisten kann, sind unsere Kinder (18-34 Jahre), die nach der Ausbildung gern auf eigenen Beinen stehen möchten. Aber auch Senioren und Familien sind dieser Problematik ausgesetzt. Das zeigte sich kürzlich in diversen Gemeinden, wo den Mietern in ganzen Quartieren oder Wohnblöcken die Kündigung ausgesprochen wurde, weil die Immobilien entweder saniert oder abgebrochen werden.
Weiter steigende Kosten
Die Mietwohnungsnachfrage nahm auch 2022 weiter zu, wofür die höchste Zuwanderung seit acht Jahren ausschlaggebend war. Daher werden Mietwohnungen auch 2023 trotz einer sich eintrübenden Konjunktur gefragt bleiben. Im Kontrast zur regen Wohnungsnachfrage ist die Bautätigkeit allerdings weiterhin rückläufig. Eine Trendwende ist nicht absehbar, und in einer Mehrheit der Regionen werden zu wenige Wohnungen gebaut. Rapide sinkende Angebotsziffern und rasch kürzer werdende Insertionszeiten signalisieren klar, dass der Mietwohnungsmarkt Kurs auf einen Vermietermarkt genommen hat. Angesichts der Zinswende und einer hohen Baupreisteuerung scheint eine rasche Entspannung der Situation nicht in Sicht. Die Mietwohnungsleerstände dürften folglich 2023 in ähnlichem Tempo weiter sinken, während die Mieten kräftig zulegen. (Quelle: www.credit-suisse.com/immobilien)
Wer soll das bezahlen …
…wer hat das bestellt? Wer hat so viel Pinkepinke? Wer hat so viel Geld? (Deutscher Karnevals-Song von 1949). Spass beiseite. Die freie Marktwirtschaft wird von Angebot und Nachfrage bestimmt. Ist das Angebot grösser als die Nachfrage, sinken die Preise. Umgekehrt führt ein zu geringes Angebot zu steigenden Preisen und Verbraucher können sich das gewünschte Produkt nicht mehr leisten. In beiden Fällen reguliert sich der Markt in der Regel von selbst, nicht so auf dem derzeit bestehenden Immobilienmarkt.
Ein paar Beispiele
An der Gubelstrasse in Zug wurde im vergangenen Jahr ein 3.5 Zimmer grosses Luxus-Apartment mit Sicht auf den See und die Berge ausgeschrieben. Kostenpunkt: 13'000 Franken (pro Monat wohlverstanden). Ebenfalls in Zug stand eine möblierte 3.5-Zimmer - Wohnung im Angebot für 5200 Franken, sowie eine weitere 3-Zimmer für 3600 Franken. Klar, es gibt ab und zu so Schnäppchen-Wohnungen wie an der Birkenstrasse in Rotkreuz, wo 4.5-Zimmer für 2200 Franken zu haben waren. Oder in Baar 4-Zimmer für 2290 Franken, aber diese Wohnungen sind oft schneller weg, als sie ausgeschrieben werden und günstig klingt in meinen Ohren anders, denn auch hier bezahlt man über 500 Franken pro Zimmer.
Nachbarskantone
Wie erwähnt, können sich junge Erwachsene zwischen 18-34 Jahren, sowie Familien mit Kindern oder Rentner, solche Preise in der Regel nicht mehr leisten. Während Expats in den Kanton Zug einwandern, wandern Junge Zuger/innen aus. So unter anderem nach Mettmenstetten/ZH wo es eine 5.5-Zimmer Wohnung mit Garten für 2700 Franken gab oder eine 5-Zimmer Dachgeschoss-Wohnung in Arth/SZ für 1780 Franken. Aber es gibt natürlich auch im Kanton Zug nach wie vor faire Vermieter, keine Frage, aber die sind eher dünn gesät.
Fazit
Wer eine neue oder eine Erstwohnung sucht, sollte also von Beginn an auch die Nachbarskatone/Gemeinden in Betracht ziehen, auch wenn es schwerfällt, der Heimat den Rücken zuzukehren. Tatsache ist, dass es sich für Junge, Senioren und Familien mit durchschnittlichem Einkommen durchaus lohnt den Kanton Zug zu verlassen. Die Steuern sind dort zwar ein wenig höher, aber mit den tieferen Mietkosten macht man das meistens wett. Aber die Abwanderung führt natürlich auch dazu, dass Reiche und Expats auch weiterhin unsere Gefilde bevölkern. Ob der Kanton Zug deswegen auf Dauer zu einer familienfreien, alters- und jugendfeindlichen Insel verkommt, wird sich wohl erst nach ein paar weiteren Generationen zeigen. Doch eines sei uns gewiss, wir sind schon jetzt auf dem besten Weg dazu. Darüber sollte man vielleicht mal nachdenken.
Musiktipp der Woche
Passend zum aktuellen Thema mit ein wenig Melancholie und Heimweh:
May It Be (Enya) - Flute Cover
https://www.youtube.com/watch?v=aUUIUUvtxoM
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Dany Kammüller, June 2, 2023 6:09 AM