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Burn-out – rasante gefährliche Entwicklung


Nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit steigen die Zahlen von «Burn-outs» rasant an. Dazu gehören auch immer mehr Kinder. Viele der Betroffenen befinden sich bereits in der Vorstufe eines «Burn-ons». Doch den meisten ist dieser Umstand nicht bewusst. Solange man funktioniert, ist doch alles gut? Eine fatale Fehleinschätzung, die tragisch enden kann. Es ist höchste Zeit, dass etwas geschieht.

 

Gehören auch Sie zu den Menschen, die sich in ihrem Job nur noch von Wochenende zu Wochenende hangeln oder von Urlaub zu Urlaub? Dann gehören auch Sie zu den ‘Angebrannten’. Dabei handelt es sich um eine Vorstufe zum «Burn-out» (ausgebrannt), das man in der Fachsprache als «Burn-on» bezeichnet. Das lange und ermüdende Brennen für seinen Job, bevor uns das «Burn-out» schliesslich ausbremst, aus der Bahn wirft und wir das arbeitstechnische Hamsterrad unfreiwillig verlassen. Ende Gelände! Aber, nichts an diesen beiden Krankheitsbildern geschieht von heute auf Morgen, sondern es ist meist ein langer, schleichender Prozess, der sich in uns ausbreitet, wenn wir die Warnzeichen nicht beachten.

 

Ein gefährlicher Spagat 

Der bekannte Psychotherapeut Bert te Wildt (Chefarzt der Psychosomatischen Klinik im Kloster Diessen (Bayern) und Co-Autor des Buches «Burn on - Immer kurz vorm Burnout», sagte in einem Interview des Schweizer Fernsehens, auf die Frage wie sich ein «Burn-on» anfühlt: «Es ist wie eine Fahrt mit 180 Km/h über die Autobahn, bei der man nicht anhalten kann. Der Unterschied zwischen einem «Burn-on» und einem «Burn-out» ist, dass es beim Letztgenannten über kurz oder lang zwangsläufig zu einem «Crash» kommt.»

 

Wer sind die Betroffenen?

Bei den Betroffenen handelt es sich oft um Menschen, die einen sehr hohen Anspruch an sich selbst haben oder um Personen, die eine grosse Verantwortung oder hohe Arbeitslast tragen müssen. In der Chefetage, bei Managern, Lehrern, Sozialarbeitern, Polizisten, Ärzten, Krankenschwestern, Mütter, etc. Unter Umständen kann ein «Burn-on» über Jahre und Jahrzehnte dahingezogen werden. Doch wenn man nichts dagegen unternimmt, kommt es zwangsläufig zu einem «Burn-out» und im schlimmsten Fall zu einem Herzinfarkt, Hirnschlag oder Suizid. Unser Körper und Geist sind nicht endlos belastbar.

 

Burn-out

Entscheidende Merkmale für ein «Burn-out» sind eine tiefe emotionale Erschöpfung, Überforderung bei der Arbeit, starker Leistungsabfall, anhaltender Stress, etc. Begünstigt wird ein «Burn-out» auch durch unscharfe Grenzen zwischen Beruf und Privatleben, ständige Erreichbarkeit, fehlende Anerkennung, Mobbing etc. Zudem führt ein nicht oder falsch behandeltes «Burn-out» nicht selten zu weiteren, schwereren Begleitumständen wie Depressionen, Angststörungen, Panikattacken und Sucht. Daher ist es wichtig, dass Sie Ihren Emotionen mit Respekt begegnen und Sie sich fragen, was die Erschöpfung Ihnen sagen will, statt sie zu verdrängen. Doch Fakt ist eben auch, dass niemand von sich aus ins Abseits geht, denn aufgeben gilt in der heutigen Gesellschaft als Schwäche. Darum muss es bei den meisten Betroffenen leider erst heftig rumpeln, bevor sie kapieren, dass mit ihnen etwas nicht stimmt. Doch wie gesagt, das erste Rumpeln kann auch das Letzte sein…

 

Ständige Zunahme

Der Job-Stress-Index der Gesundheitsförderung Schweiz aus dem Jahre 2018 kam zum Schluss, dass in Helvetien rund ein Viertel (27.1 Prozent) der Erwerbstätigen unter Stress leidet, wobei der Anteil seit 2015 um 4.6 Prozent gestiegen ist. 30 Prozent leiden zudem auch unter emotionaler Erschöpfung. Diese Zahlen sprechen eine klare Sprache! Bevor die Gesundheitsschäden noch weiter steigen, sollte man sich Gedanken darüber machen, was man in der heutigen Arbeitswelt verbessern könnte. Wir haben in der Schweiz einen enormen hohen Lebensstandard und dieser hat nun mal seinen Preis.

 

Die Kosten: Ein Fass ohne Boden

Die Verfasser der oben genannten Studie schätzen den durch Stress entstanden Schaden aus Produktivitätsverlust für die Schweizer Betriebe auf 6.5 Milliarden Franken. Rechnet man die damit verbundenen Kosten durch Invalidenversicherungs-Leistungen, Klinikaufenthalten, etc. dazu, steigt der gesamtgesellschaftliche Schaden jährlich auf über zehn Milliarden Franken. Tendenz steigend (!). Die diesbezüglichen Gesundheitskosten haben sich in der Schweiz zwischen 2010 und 2020 verdoppelt! Noch Fragen?

 

Kinder und Jugendliche

Aber nicht nur Erwachsene leiden zunehmend unter Stress, sondern auch Kinder und Jugendliche. Rund 33 bis 45 Prozent (!) der 9 bis 14-Jährigen leiden unter ständig anhaltendem Druck und Stress, da ihnen die Gesellschaft gerade in der Zeitspanne zwischen der Pubertät und dem Einstieg ins Berufsleben viel abverlangt. Der Leistungsdruck ist heute enorm. Ständig auf TikTok, WhatsApp, Instagram oder Facebook etc. Ein Tag gefüllt mit Schule, Lernen, Prüfungen, Hausaufgaben, Nachhilfeunterricht, Englischkurs, Klavierunterricht, Sport, Internet (-spielen» etc., so sieht heute der Alltag vieler Kinder und Jugendlichen aus. Sie kommen nicht zur Ruhe und auch das hat seinen Preis. Die Kinder können nicht mehr Kind sein. Denken Sie mal darüber nach.

 

Sehen Sie hin und nicht weg

Liebe Leser/innen, mit einem «Burn-out» ist nicht zu spassen, wir sollten diese Krankheit wirklich ernst nehmen und da sind alle gefragt. Die Betroffenen genauso wie die Arbeitgeber, der Staat, die Politik, Familien, Freunde etc. Darum seien Sie wachsam und sehen Sie hin und nicht weg. Es ist gerade bei der Arbeit wichtig, Wertschätzung gegenüber Mitarbeitenden zu zeigen und Arbeitsprozesse genau zu definieren. Zur Minimierung des Burnout-Risikos ist auch eine reflektierte Fehlerkultur im Unternehmen empfehlenswert, denn ein Unternehmen hat auch eine soziale Verantwortung gegenüber seinen Angestellten. Weiterführende Informationen und Tipps siehe im Internet unter: www.jobcloud.ch/c/de-ch/blog/2018/07/burnout-das-koennen-unternehmen-tun/

 

Hilfe

Betroffene erhalten Hilfe bei den Gesundheitsämtern, Krankenkasse oder Ihrem Hausarzt, der Sie zu einem Spezialisten verweisen kann. Erste autonome Hilfe erhalten Sie auch bei der Dargebotenen Hand unter der Telefonnummer 143. Weitere Unterstützung siehe unter: https://www.burnout-info.ch oder unter https://www.triaplus.ch/angebot/erwachsene/burnout/

 

Fazit

Ein «Burn-on» oder ein «Burn-out» kommt nicht aus heiterem Himmel und es kann, wie gesagt, jeden treffen auch dich, keiner ist vor diesem Krankheitsbild gefeit. Ja, es ist eine Krankheit, auch wenn das viele (vor allem in der Politik) noch nicht begriffen haben. 2019 erklärte die WHO, dass «Burn-out» keine Krankheit «im eigentlichen Sinne» sei. Vielmehr handle es sich um einen Faktor, der mit der Arbeit in Zusammenhang stehe und somit die Gesundheit negativ beeinflusse. So kann man es auch sehen, aber ich denke, es ist an der Zeit, dass man dieses Stigma im Zusammenhang mit dieser Erkrankung endlich als das definiert, was sie ist: Eine gesellschaftliche Berufskrankheit der Neuzeit, die auf einer zu hohen, emotionalen und stressbedingten Arbeits-/gesellschaftslast gründet. Liebe Mitbürger/innen es ist bereits fünf vor zwölf! Wenn wir jetzt nicht handeln und weiterhin immer nur um den heissen Brei herumreden, fliegt unserem Gesundheitssystem eines Tages (und das geht nicht mehr lange) ein mächtiger Bumerang mit voller Wucht an den Schädel. Nur dann wird es zu spät sein.

 

Musiktipps zum Thema

Relaxing Piano Music by Marc Enfroy: 'A Good Heart'

 

https://www.youtube.com/watch?v=998wSVIK3eg

 

Hardrock: AC/DC - Highway to Hell

 

https://www.youtube.com/watch?v=l482T0yNkeo

 

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Dany Kammüller, July 28, 2023 9:51 AM