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Frauen Fussball-Weltmeisterschaft 2023
Die einen sagen, dass sie sich diese Frauen Fussball-Weltmeisterschaft nicht ansehen. Andere sehen sich vielleicht das eine oder andere Spiel an. Ich habe mir bis anhin so einige Matches angesehen. Mein Fazit? Eher durchzogen.
Eines muss man gleich vorab klarstellen, man kann den Frauenfussball in keiner Weise mit den Männern vergleichen. Das beginnt schon bei der Kraft (Muskulatur) und der damit verbundenen Schnelligkeit. Der Meistertrainer des 1. FFC Frankfurt, Hans Jürgen Tritschoks, sagt dazu: «Der Männerfussball ist im Schnitt ein Drittel schneller als bei den Frauen. Demnach hätte die deutsche Nationalmannschaft der Frauen gegen ein männliches U16 Team der Bundesliga wohl kaum eine Chance.» So weit so gut. Aber auch die Stimmung in den Stadien und weitere Aspekte lassen gegenüber einer Herren-WM arg zu wünschen übrig.
Stimmung in den Stadien
Nun, was soll ich sagen? Die Stimmung in den Stadien in Australien und Neuseeland war und ist nicht nur wegen den relativ tiefen Temperaturen praktisch eingefroren. Das Einzige, was man klar hörte, waren die gegenseitigen Zurufe der Spielerinnen auf dem Feld. Ausnahmen waren die bisherigen Spiele der Australier-/ Neuseeländerinnen, dort kam halbwegs ein wenig Stimmung auf, aber nie so, wie wir uns das bei einer Männer-WM gewohnt sind. Es war stellenweise so ruhig wie bei einem Tennismatch. Zur unterkühlten Stimmung trug meiner Meinung nach auch das Favoritensterben in der Vorrunde und in den Achtelfinals bei. Das frühe Aus kam für die vierfachen Meisterinnen der USA, Deutschland, Kanada, Italien, Norwegen, Brasilien und Dänemark.
(Un-) Genauigkeiten
Was mir weiter auffiel war, dass viele Pässe sehr unpräzise waren, kein schöner Anblick für einen Fussballenthusiasten. Oft wurde der Ball auch immer wieder einfach so mal ins «Juhe» geballert, in der Hoffnung, dass der Schuss auf gut Glück bei einer eigenen Spielerin ankam, was aber eben oft nicht der Fall war. Auch die Schüsse aufs Tor waren mit wenigen Ausnahmen nur Schüsschen oder Roller. Solche Auffälligkeiten machen den Sport auch nicht gerade attraktiver und schrecken vermutlich auch Sponsoren ab, die fürs Geld entsprechende Leistungen verlangen. Zudem kam es auch immer wieder zu Alleingängen, die zwar die einzelnen Spielerinnen gut aussehen liessen, nicht aber die Mannschaft und die Resultate. Es bleibt zu hoffen, dass die noch ausstehenden Spiele ein wenig mehr Tempo, Spannung, Stimmung und Präzision aufweisen. Das Spannendste in den Achtelfinals, waren für mich, die beiden Elfmeterschiessen zwischen Schweden und den USA sowie England und Nigeria.
Frauen mehr fördern
Fakt ist aber ganz klar, dass der Weltfussball-Verband (FIFA) den Frauenfussball mehr fördern muss. Es kann doch nicht sein, dass eine Mannschaft wie Jamaika, die sich für die Endrunde der Fussball WM qualifizierte, zuerst Geld sammeln musste, damit sie sich die Flüge und die Hotelzimmer leisten konnten. Die FIFA hat doch weiss Gott genug Geld. Darüber sollte der FIFA-Präsident Gianni Infantino vielleicht mal nachdenken, der selbst ein Jahresgehalt von 2.7 Millionen Franken einstreicht und über ein Vermögen von rund 20 Millionen verfügt.
Gagen allgemein
Auch in Sachen Gehälter müssen sich die Fussball-Nationen was einfallen lassen. Die am besten verdienende Weltfussballerin aus den USA, Carli Lloyd, verdiente 2021 rund 518'000 US-Dollar. Der beste männliche Fussballspieler Lionell Messi hingegen 60 Millionen. Oder die beiden Bayernspieler Thomas Müller und der ehemalige Bayern Torschützenkönig Robert Lewandowski verdienen pro Jahr etwa 15 Millionen Euro. Egal was diese Sportler leisten, diese Gehälter sind schlicht und ergreifend übertrieben und alles andere als gerechtfertigt.
Schweizer Fussballerinnen im Vergleich
Nicht nur in der Schweiz träumen die Frauen wohl noch lange von solchen Gagen. Die Damen des FC Zürich verdienten 2022 trotz Meistertitel und Cupsieg gerade mal 6000 Franken im Jahr. In der Super League verdient ein Mann in der Schweiz im Monat rund 14'000 Franken (exklusiv Bonus). Bei den Frauen sind es gerade mal 1700 Franken, daher kann man hier auch noch nicht von Profifussball sprechen. Der Durchschnittsverdienst der Frauen in der Bundesliga liegt bei 500 bis 3500 Euro pro Monat. Nur rund fünf Prozent der deutschen Spielerinnen verdienen mehr. Hingegen in der 3. Bundesliga der Herren verdienen die Spieler etwa 120'000 Euro im Jahr und in der 2. Bundesliga liegt das Gehalt zwischen 7000 – 20'000 Euro im Monat. Diese Zahlen sprechen wohl für sich.
Fazit
Es gibt in der Zukunft noch viel zu tun für den Frauenfussball, das ist unbestritten. Nur ob man auch hier das Prinzip gleicher Lohn für gleiche Arbeit verwenden kann? Ich denke eher nicht (wie eingangs beschrieben ist der Männerfussball 1/3 schneller). Aber ich denke auch, dass man die Löhne der Frauen trotzdem nach oben hin anpassen sollte, sodass die Besten der Besten von ihren Gagen gleichfalls leben können und man auch hier irgendwann von Profifussball sprechen kann. Was mich im Vorfeld der WM persönlich störte, ist die Tatsache, dass keine mir bekannte Zeitung (z.B. Tele) einen Spielplan gedruckt hat, auf dem man die Resultate der Spiele notieren konnte. Es gab zwar wohl ein Panini-Album, doch der grosse Run und die Sammelwut blieben hier aus. Auch darin zeigt sich ein Stück weit das Interesse an dieser Meisterschaft. Tja, wenn zwei das Gleiche tun ist das bekanntlich nicht dasselbe. Abschliessend bleibt zu hoffen, dass sich der Frauenfussball irgendwann noch weiter etabliert und auch die grossen Sponsoren ein Einsehen haben, denn am Ende dreht sich doch auch hier alles nur ums liebe Geld und nicht wirklich um die Leistungen an sich.
PS: Nachtrag, was ich noch vergass zu schreiben ist, dass die Frauen - gegenüber den Männern - nicht so ein Zinnober machen, wenn sie mal hinfallen. Da können sich die Männer mit ihren dreifach Salto vor- und rückwärts und ihrer Theatralik, wenn sie bei der kleinsten Berührung umfallen und sich 10 Mal drehen, als wenn sie am sterben sind, von den Frauen noch eine grosse Scheibe abschneiden.
Musiktipps zum Thema
Baschi: Bring en hei
https://www.youtube.com/watch?v=jyFJ_puWlrE
Der Schiedsrichter Song: Dennis und Jesko (Blödelsong von Wumms)
https://www.youtube.com/watch?v=ZTFcFRwfjes
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Dany Kammüller, August 11, 2023 7:53 AM