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Bewusst wahrnehmen … oder auch nicht



Wer mich persönlich kennt weiss, dass ich ein guter Zuhörer bin. Ich lass die anderen reden, mache mir meine Gedanken und gib dann irgendwann meinen Senf dazu oder auch nicht, je nachdem wer mein Gegenüber ist. Oft werde ich gefragt: Geht es dir nicht gut? Du bist so ruhig. Ich antworte dann: «Nein, nein alles im grünen Bereich, ich höre einfach gern zu.»

 

Manchmal sitze ich in einem Restaurant und höre den Menschen am Stammtisch zu, im Strandbad oder an der Kasse beim Einkaufen, etc. Dabei frage ich mich manchmal, ob es diesen Zeitgenossen bewusst ist, dass das Umfeld mithören kann. Oder ob es Ihnen egal ist? Ob es gar Absicht ist und sie sich einfach einer grossen Menge mitteilen möchten? Was ich mir allerdings aufgrund gewisser Themen nicht vorstellen kann. Und um das klarzustellen, ich bespitzle meine Mitmenschen nicht, sondern ich bin einfach ein zufälliger Mithörer. Wer sein Handy mal weglegen würde, der checkt vielleicht auch, dass es rund um ihn herum noch andere Stimmen, Geräusche und Bilder gibt, als auf/aus dem kleinen, doofen Gerät, das er ständig vor der Nase hat.

 

Bewusst wahrnehmen

Ohne Handys und Tablets hört man urplötzlich wieder Dinge in seinem direkten Umfeld, die dem einen oder anderen gar nicht mehr bewusst sind/waren. Die Reifen eines Autos auf der Strasse können rollen oder rumpeln, schleifen, rattern, je nach Profil und Geschwindigkeit. Der Wind kann sanft wehen, stossweise rauschen, toben, Wasser im See kräuseln, aufwerfen, auftürmen und zum Wogen bringen. Er kann singen, deine Haare streicheln, dich frösteln lassen, einhüllen und zum Schwanken bringen. Er kann dir Angst einjagen, dir Sand und Staub in die Augen fächeln oder er kann sich verziehen und schweigen. Aber selbst, wenn wir ihn nicht mehr bewusst wahrnehmen, ist er noch immer da, ganz fein und zärtlich. Er beeinflusst unser Wetter, indem er Stürme, Donner, Blitze, Regen und Schnee zu uns bringt. Ohne Wind könnten wir nicht existieren. Ohne Wind stünde alles still. Wann haben Sie den Wind das letzte Mal bewusst wahrgenommen? Das ist kein Vorwurf, sondern eine Frage…

 

Egoisten - Welt

Aber wie dem auch sei, die Menschen haben sich an ihren Handy-Egoismus gewöhnt. Es ist unglaublich wie viele Zeitgenossen in Helvetien in jeder freien Minute mit ihren Mobilfons beschäftigt sind. Sie vergessen sich förmlich und dementsprechend verhalten sie sich, sodass man ihnen manchmal eben auch unfreiwillig zuhören muss, auch wenn man das nicht will. «…ja genau, ich glaube auch, dass mein Mann fremd geht, so viel Überstunden sind doch nicht mehr normal.» «… wir mussten früher noch arbeiten, da gab es noch keine «Burnouts. Die jungen Leute sind doch einfach verweichlicht, die sollen mal den Finger aus dem Hintern nehmen.» Manchmal hätte ich Lust mich einfach in so ein Gespräch einzumischen, wohlwissentlich, dass es vermutlich nichts bringt, daher lasse ich es in den meisten Fällen einfach bleiben. 

 

Der Moment des Blickes

Ich versuche auch immer wieder meinen Mitmenschen in die Augen zu sehen, denn Blicke können – wie Sie sicher auch wissen - sprechen, wenn man sie wahrnehmen würde. Leider ist das heute in vielen Fällen nicht mehr möglich, weil die Menschen diese (Augen-) Blicke auf ihrem Handy eben nicht sehen, nicht wahrnehmen. Und jeder Blick, der ausgesandt wurde und nicht wahrgenommen wird/wurde kehrt nie zurück. Er ist verloren. Daher denke ich, dass unsere Gesellschaft sozial immer mehr verarmt. Sie verarmt, weil die Menschen vieles einfach übergehen und übersehen, denn bewusst wahrnehmen heisst, die Umwelt mit wachem Geist erkennen. Ein Blick kann im rechten Moment mehr aussagen als tausend Worte. Und soeben ist wieder ein solcher Augenblick ohne Beachtung vergangen, schade…

 

Fazit

Ja, mir ist durchaus bewusst, dass ich über diese Thematik schon mehrfach geschrieben habe. Aber glauben Sie mir, man kann solche Dinge, Begebenheiten gar nicht oft genug aussprechen. Vielleicht ändert sich irgendwann etwas, vielleicht sieht mir der nächste Mensch, dem ich begegne in die Augen und nimmt mich so bewusst wahr. Vielleicht …

 

Musiktipp der Woche

Sweet Sir Galahad von Joan Baez: https://www.youtube.com/watch?v=xDOHGl3DiiM

 

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Dany Kammüller, August 25, 2023 3:43 PM