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«Schatten in die Haut tätowiert …
…. Spuren die für immer bleiben, das ist für ihn Rock'n Roll.» Diese Zeilen sang der deutsche Rocksänger Peter Maffay 1984. Ja, für die einen ist eine Tätowierung Rock’n Roll, für andere ein Statement, Kunst oder eine Philosophie. Doch warum tätowieren sich heute so viele vor allem junge Menschen? Ein Erklärungsversuch.
Vor 60 oder 80 Jahren war eine Tätowierung in unseren Breitengraden ein Zeichen dafür, dass jemand im Knast war, zur See fuhr, einer Sekte, einem Rockerclub, einer Gang oder sonstigen Vereinigung, etc. angehörte. Doch die Geschichte reicht viel weiter zurück, als viele glauben mögen. Bereits vor rund 12’000 Jahren fanden sich die ersten Tattoos auf menschlichen Körpern und auch der bekannte Mann aus dem Eis «Ötzi» war tätowiert. Der Begriff Tattoo stammt vermutlich aus Tahiti, denn als der englische Seefahrer James Cook 1769 dort landete, vernahm er, dass die Eingeborenen diese Kunst «Tatau» nannten. Daraus entstand dann später im englischen und deutschen Sprachgebrauch Tattoo, was übersetzt so viel heisst wie «kunstvoll hämmern.»
Die Urvölker
Bei den Urvölkern unseres Planeten war ein Tattoo nicht selten eine Art Körperschmuck, ein Abzeichen oder ein Orden für eine spezielle Tat. So wurde beispielsweise bei den Dayak auf der Insel Borneo jedem Krieger die Hand tätowiert, wenn er einen Feind getötet hatte - eine Art Orden auf der Haut. Frauen trugen besondere Zeichen, wenn sie etwa Stoffe weben konnten. Das verbesserte ihre Heiratschancen. Tätowierungen wurden aber auch in der Urmedizin zum Beispiel auf Handgelenken angebracht, um so Krankheiten und Leiden abzuwenden. Die Geschichte der Tätowierung ist sehr umfangreich und es würde den Rahmen meiner Reportage bei weitem sprengen, wenn ich auf jedes einzelne Kapitel näher eingehen möchte.
Von der Ur- in die Neuzeit
In der Zeitepoche von 1603 bis 1868 waren Tätowierungen unter anderem bei Prostituierten und Arbeitern sehr beliebt. Vor allem in der Zwangsprostitution haben Zuhälter «ihre Frauen» mit einem Tattoo versehen, um sie als ihr Eigen zu kennzeichnen. Man kennt Tattoos aber auch bei Tieren (Brandmarkung) oder vom Holocaust, als die Juden in den Konzentrationslagern mit Nummern versehen wurden. Heute finden Tätowierungen unter anderem in der Kosmetik ihren Platz für permanent Make-up, bei dem die Konturen von Augenbrauen, Augen und Lippen, etc. hervorgehoben, nachgezeichnet oder schattiert werden. Zudem kann man damit auch Operationsnarben kaschieren etc..
Stigma
Tätowierungen hatten ursprünglich im Westen das Stigma des Matrosen oder Sträflings und werden von US- und lateinamerikanischen Jugendgangs als Zeichen der Zugehörigkeit verwendet. Auch bei Knastbrüdern hatten Tattoos die eine oder andere Bedeutung. Die so genannte Knastträne unter dem Auge lassen sich Gefangene stechen, die mehr als zehn Jahre in Haft verbrachten. Trotz der gesellschaftlichen Stigmatisierung waren Tätowierungen früher aber auch in höchsten gesellschaftlichen Kreisen verbreitet. Die bekanntesten Träger waren der britische König Georg V. (1865–1936), der spanische König Alfonso XIII. (1886–1941) oder der dänische König Frederik IX. (1899–1972)t. Sogar die Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn (Sissi, 1837–1898) liess sich 1888 im Alter von 51 Jahren einen Anker auf die Schulter tätowieren. (Quelle Wikipedia.org)
HIV und Hepatitis
Die heutige Art des Tätowierens ist mit der damaligen Zeit nicht mehr vergleichbar, zumal sich auch die Hygienevorschriften massiv verändert haben. Vor allem nach dem Auftreten von HIV wurden die Vorschriften in vielen Ländern (auch in der Schweiz) massiv verschärft. Aber nicht nur von HIV geht Gefahr aus, sondern auch von Infektionskrankheiten wie Hepatitis. Gefahren lauern des Weiteren bei noch nicht abgeheilten Tattoos in Form des Bakteriums «Vibrio vulnificus», mit dem man sich beim Baden infizieren kann. Die Infektion kann bei geschwächten Menschen gar tödlich verlaufen. Aber die heutigen Tattoo-Studios unterliegen einer extremen Kontrolle, wer sich nicht daran hält ist ganz schnell weg vom Fenster. In seriösen Studios wird man heute auch bestens beraten. Gefahren bestehen vor allem in Ländern, die über keine oder nur geringfügige Hygienevorschriften verfügen.
Zunehmender Trend
Die Zahl jener Personen, die sich heute ein Tattoo zulegen, steigt seit Jahren kontinuierlich an. Dabei ist der Anteil der Männer nach wie vor höher als bei den Frauen. Aber die Frauen holen massiv auf. Man geht davon aus, dass im deutschsprachigen Raum fast jede fünfte Person ein Tattoo hat. Dabei fällt auf, dass auch die Zahl von älteren Personen zunimmt. Die beliebtesten Stellen sind Arme und Rücken. Doch Fakt ist eben auch, dass rund 5 bis 15 Prozent jener Personen, die sich ein Tattoo stechen liessen, dies heute bereuen.
Schatten die für immer bleiben
Ein Bild, das man sich an die Wand hängt, kann man einfach wieder abhängen, wenn sich der Geschmack ändert oder es einem nicht mehr gefällt. Ein Tattoo hingegen ist ein bleibender Schmuck, bleibende Kunst, die man höchstens mit Kleidern kaschieren kann. Die in die Haut gestochenen Schatten trägt man ein Leben lang mit sich herum. Darum sollte man sich im Vorfeld gut überlegen, ob man sich das antun will, denn in zehn oder 20 Jahren sieht man das vielleicht ein wenig anders. Es gibt Arbeitgeber, die den Angestellten während der Arbeit verbieten Ihre Tattoos öffentlich zu zeigen, auch das sollte man bedenken.
Dein Leben auf deiner Haut
Über Geschmack und Kunst lässt sich bekanntlich streiten. Was der eine gut findet, ist für den anderen ein «No go», so soll es auch sein. Daher stellte ich mir im Vorfeld dieser Reportage die Frage, warum tun die Menschen das, was sie tun? Für die einen sind ihre Tattoos eine Lebensgeschichte. Jedes spezielle Ereignis findet einen Eintrag auf seiner/Ihrer Haut. Für andere ist es Kunst. Ihr Körper ist ein Gesamtkunstwerk, das sie ein Leben lang mit sich herumtragen. Vor allem für eher junge Menschen ist ein Tattoo auch eine Art Rebellion gegen die Eltern, das Spiessbürgertum oder das Establishment. Anders sein lautet hier das Motto. Für viele sind Tattoos aber einfach ein Statement, so auch für mich, als ich mir ein solches vor drei Jahren stechen liess. Eigentlich wollte ich schon als 16-Jähriger ein Tattoo haben, doch mein damaliger Freund (Ferdi) riet mir davon ab und meinte, ich soll doch noch ein paar Jährchen warten. Was ich dann auch tat. Aber wie gesagt, jedem das Seine und mir das Meine. Jeder ist für sich und seinen Körper selbst verantwortlich. Dabei sei auch noch vermerkt, dass alles an unserem Körper älter wird, auch die Tattoos altern mit uns und unserer Haut. In ein paar Jahren verblassen die Farben und die Haut wird runzlig, dann liebe Freunde sehen eure Schatten auf der Haut auch nicht mehr so toll aus, wie vor 30 Jahren. Auch daran sollte man denken.
Tipps
Im Zusammenhang mit dieser Reportage sprach ich im Vorfeld mit etlichen Personen, die sich ein Tattoo stechen liessen und fragte nach möglichen Tipps. So sagte mir einer, dass er nie Schriftzüge oder Gesichter von nahestehenden Menschen tätowieren würde. Denn Schriftzüge werden irgendwann langweilig oder sie passen nach ein paar Jahren nicht mehr zur Einstellung des «Geschmückten». Auch mit Namen ist Vorsicht geboten, denn wer weiss schon heute, ob man in 20 Jahren noch mit seinem Jugendschätzchen zusammen ist. Und ob dann die neue Freundin Gefallen daran hat, wenn ihr «Geliebter» den Namen seiner Ex auf dem Arm hat, sei dahingestellt. Wie schrieb doch der deutsche Dichter Friedrich Schiller in seinem 1799 erschienenen Gedicht «Das Lied von der Glocke»: «Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet, der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.» Heute gibt es zwar Möglichkeiten ein Tattoo dank Lasertechnik wieder zu entfernen, aber die Prozedur ist langwierig (bis zwölf Monate und länger) und je nach Grösse des Tattoos nicht ganz günstig.
Fazit
Tattoos sind nicht jedermanns Sache. Das ist auch okay, es mögen ja auch nicht alle die gleichen Autos, den gleichen Schmuck, den gleichen Typ von Menschen etc. Und jene Personen, die sich über tätowierte Menschen aufregen, müssen ja nicht hinsehen. Aber die Tätowierten selbst müssen halt auch damit leben, dass sie mit ihrem speziellen Schmuck vielleicht hier und dort anecken, denn für viele haben Tattoos nach wie vor einen Hauch von Anrüchigkeit. Aber wie dem auch sei, jeder soll tun und lassen, was er will und was ihm gefällt und nicht das was anderen gefällt. Tattoos gab es – wie eingangs des Artikels erwähnt – schon vor 12'000 Jahren und es wird sie wohl noch nach weiteren 12'000 Jahren geben, wenn die Menschheit bis dann nicht ausgestorben ist.
Musiktipp der Woche
Sido: Tausend Tattoos
https://www.youtube.com/watch?v=O-aUMnnbIX0
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Dany Kammüller, September 1, 2023 12:47 PM