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Sterben – Tod und Trauer
Immer dann, wenn ein geliebter Mensch unsere Mitte verlässt, wird einem die eigene Sterblichkeit bewusst. Man ist fast nie darauf vorbereitet, obwohl wir alle wissen, dass der Tod irgendwann jeden von uns ereilt. Was mit der Geburt beginnt, endet mit dem Tod. Trotzdem ist und bleibt das Sterben bei vielen Menschen in unseren Breitengraden nach wie vor ein Tabuthema, weil wir einfach nicht wissen, wie wir damit umgehen sollen. Oder präziser ausgedrückt, ich weiss es nicht.
Allein schon der Gedanke, dass ein geliebter Mensch von uns ging, treibt dem einen oder anderen Tränen in die Augen. So auch mir, in diesem Moment, als ich diese Zeilen schrieb, weil mich vergangene Woche ein Freund verliess, den ich rund 40 Jahre kannte. Es tut so abgrundtief weh und meistens fehlen uns in solchen Momenten die Worte. Wie bringt man diese Gefühle zum Ausdruck? Wie beschreibt man, was einem in solchen Augenblicken bewegt?
Keine wissenschaftlichen Erklärungen
Es gibt unzählige Studien, wissenschaftliche Erklärungen, Doktorarbeiten und vieles anderes mehr, in denen die Thematik des Sterbens und des Todes beschrieben wird. Gibt man beispielsweise bei Google den Begriff sterben ein, erhält man auf Anhieb 110 Millionen Treffer. Aber ich will mich hier nicht mit wissenschaftlichen Studien auseinandersetzen, denn ich höre schon all die Stimmen, die mir sagen, warum hast du nicht noch dies oder jenes geschrieben? Oder, du kannst das doch nicht einfach so banal aufs Papier tippen. Doch kann ich, weil ich hier einfach meinen persönlichen Standpunkt zum Ausdruck bringen will. Das und nichts mehr.
Die verschiedenen Phasen
Menschen, die sich bewusst sind, dass sie bald sterben werden – also meist Kranke – durchleben die sogenannten fünf Sterbephasen: 1. Hoffnung. 2. Frage nach dem Warum. 3. Wunsch nach Aufschub. 4. Trauer, um vergebene Chancen. 5. Abkopplung von der Umwelt. Klingt grundsätzlich sehr trivial, birgt aber ein Stück weit doch die Wahrheit in sich, genauso wie die sieben Phasen der Trauer: 1. Leugnen und Wut. 2. Schuldgefühle. 3. Desorganisation. 4. Hadern mit Gott. 5. Depression. 6. Angst. 7. Akzeptanz. Soweit die nackten Fakten. Ob jeder Mensch diese Phasen in dieser Reihenfolge durchlebt oder auch nur einen Teil davon, sei dahingestellt.
Was kommt danach?
Es gibt Menschen, die sagen klar und ohne Umschweife, nach dem Tod kommt nichts mehr. Ende Gelände. Doch was ist nichts? Wie fühlt sich nichts an? Wie sieht nichts aus? Gibt es nichts überhaupt? Ich weiss es nicht. Andere Zeitgenossen glauben an eine Wiedergeburt als Mensch, Tier oder Pflanze, an eine zweite Chance oder was auch immer. Aber wirklich wissen tut es keiner. Auch die nicht, die ein Nahtoderlebnis hatten, weil eben auch sie ins Leben zurückkehrten. Man vernimmt schon hier und dort Aussagen, dass man nahe dem Tod einen Tunnel sieht, an dessen Ende ein helles, warmes Licht strahlt. Andere sprechen von einem leisen, wohligen Rauschen, das einem umgibt. Aber das wirkliche Ableben und die mögliche Auferstehung hat - sofern es sich wirklich so zugetragen hat - wohl nur einer erlebt, Jesus Christus. Ein anderer sehr schöner und friedvoller Gedanke ist, dass die Seelen von Verstorbenen in andere Menschen übergehen, um ihnen beizustehen, sie zu leiten und zu beschützen.
Das Gefühl der Nähe
Wenn ein geliebter Mensch uns verlassen hat, glauben viele, dass sie die Anwesenheit des Verstorbenen noch spüren, seine Stimme hören, ihn oder seine Aura vielleicht sogar nochmal sehen. Auch ich denke, dass man das spüren kann, denn Trauern ist auch ein Zeichen von Liebe und wer tief und innig geliebt hat, der kann diese Menschen ganz bestimmt noch auf die eine oder andere Art wahrnehmen, davon bin ich zu 100 Prozent überzeugt, weil ich es selbst schon erfahren habe. Niemand, auch kein Wissenschaftler weiss, wie das Jenseits aussieht, wie es sich anfühlt oder wie man es «erlebt». Niemand weiss, was in dieser möglichen Zwischenwelt geschieht.
Die Zwischenwelt
Vielleicht «leben» die Seelen der Verstorbenen nach wie vor unter uns? Sie sehen uns, können aber nicht mit Worten kommunizieren, so wie die Lebenden miteinander reden? Aber sie geben uns hier und dort ein Zeichen ihrer «Anwesenheit» in Form eines Gefühls oder eines Gedankens. Sie sind quasi unsere Schutzengel, wenn wir einen solchen brauchen. Ja, mir ist durchaus bewusst, dass das eine sehr romantische Vorstellung ist. Aber da mir wohl niemand das Gegenteil beweisen kann, lasse ich diese, meine Gedanken hier einfach mal so im Raum stehen.
Wie trauert man?
Ich denke, für Trauer gibt es kein richtig oder falsch. Jeder trauert ein kleinwenig anders und alles ist legitim, sofern man damit niemandem schadet. Es gibt Länder, in denen die Hinterbliebenen sich mit lauter Musik, Pauken und Trompeten von ihren Verstorbenen verabschieden. Aber es gibt auch Orte, wie bei uns, in denen man ruhig und in sich gekehrt Abschied nimmt. Egal wie man es angeht, es ist so okay. Der Tod und der Umgang damit, ist meiner Meinung nach, etwas sehr Intimes. Daher ziehe ich mich in solchen Momenten gern zurück in die Einsamkeit und in die Natur. Ich mag keine Zeremonien (Beerdigungen) mit vielen Menschen, das bin nicht ich. Ich will, wie es das Wort schon aussagt, in der Abgeschiedenheit – scheiden und Abschied nehmen, allein oder in einem ganz kleinen Rahmen. Mir wurde schon gesagt, ich müsse doch einem Toten in Form einer öffentlichen Beerdigung die letzte Ehre erweisen. Nein, ich muss gar nichts…!
Auf Wiedersehen
Man kann sein Leben wohl steuern, nicht aber den Tod, er kommt einfach, ob es uns passt oder nicht. Aber wir können unsere Zeit, die uns noch bleibt, so leben, dass wir am «Tag X» guten Gewissens gehen können und wir uns nichts vorzuwerfen haben. Das Leben ist wie eine Melodie, für die wir die Noten, mit allen «Zwischentönen», selbst schreiben. Jeder entscheidet für sich, wie seine Melodie des Lebens klingt und wie sie dereinst endet, wenn sie wirklich je ein Ende hat. Doch wie dem auch sei, ich sage hier und jetzt meinem guten Freund «Sigi», der uns vergangene Woche verliess, auf Wiedersehen. Ich vermisse dich und ich werde dich, wie viele andere, die schon vor mir gegangen sind, auf immer und ewig in meinem Herzen tragen, bis auch mein Herz irgendwann aufhört zu schlagen und wir uns danach vielleicht irgendwo wieder begegnen. Bis dahin mach’s gut, ich umarme dich in Gedanken und sende dir mit dem Herbstwind eine einsame Träne, die schon wieder aus meinem Auge floss …
Ich schrieb vor vielen Jahren, für meinen damals besten Freund «Ferdi», ein Gedicht, in dem ich meine Trauer für ihn zum Ausdruck brachte. Wenn Sie mögen, lesen Sie es unter: https://dakapublic.ch/poetry/ich-vermisse-dich
Musiktipps zum Thema
Kitaro - Silk Road Legend, Volume 1
https://www.youtube.com/watch?v=mOtwSirCTHo
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Dany Kammüller, September 29, 2023 1:19 PM