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Bargeld abschaffen – sinnvoll oder Unsinn?
Manchmal muss man im Leben Brücken schlagen, um ans Ziel zu kommen. Doch ob die Brücke für eine bargeldlose Gesellschaft die richtige ist? Bild: Dany Kammüller
Nicht erst seit dem «Corona-Zeitalter» (dreckiges – mit Viren verseuchtes Geld), stellen sich viele Bürger die Frage, wie sinnvoll das Bargeld heute noch ist. Es gibt einige Gründe, die für einen bargeldlosen Zahlungsverkehr sprechen, aber es gibt genauso viele Gründe dagegen.
Wir zählen das Jahr 1661, als in Schweden (als erstes europäisches Land) die Möglichkeit mit Bargeld zu bezahlen eingeführt wurde und man somit dem Tauschhandel ein Ende setzte. Heute, 362 Jahre später, sind es wiederum die Schweden, die in Sachen Zahlungsverkehr eine Vorreiterrolle einnehmen. Jeder, der in den vergangenen drei, vier Jahren bei den Wikingern im Urlaub war, kann ein Liedchen davon singen, denn Bargeld ist dort, vor allem bei kleinen Zahlungen, praktisch nicht mehr erwünscht.
Bargeld
Ein Beispiel, um diese Thematik zu veranschaulichen: Ich habe einen 50-Franken-Schein in der Tasche, gehe damit in ein Restaurant und bezahle damit mein Essen. Damit bezahlt der Wirt seine Rechnung beim Gemüsehändler. Der Gemüsehändler lässt sich mit dem gleichen Schein beim Friseur die Haare schneiden und der Friseur bezahlt seine Rechnung im Supermarkt. Nach einer unbegrenzten Anzahl von Zahlungen bleibt der Wert meiner 50 Franken nach wie vor der Gleiche. Er hat seinen Zweck für jeden erfüllt, der ihn als Zahlungsmittel verwendete. Die Bank hat keine Arbeit und keinen Einfluss auf jeden weiteren ausgeführten Barzahlungsvorgang.
Plastikgeld
Wenn ich dieses Spielchen nun mit meiner Debitkarte mache, sieht es wie folgt aus.
Ich bezahle im Restaurant mit meiner Karte. Die Kosten für meine digitale Zahlung, die dem Restaurantbesitzer in Rechnung gestellt werden, einschliesslich der prozentualen Transaktionsgebühren, betragen durchschnittlich 2.5 Prozent, was dann 1.25 Franken für jeden weiteren Zahlungsvorgang ausmacht (das heisst, jeder weitere Zahlungsvorgang kostet 1.25 Franken). Die gleichen Gebühren werden beim Gemüsehändler, beim Friseur und im Supermarkt erhoben. Nach den ersten 36 Transaktionen bleiben am Ende nur noch fünf Franken übrig. Die restlichen 45 Franken gehen in den Besitz der Bank über, die digitalen Transaktionen lassen grüssen. Zudem weiss die Bank und insgeheim auch der Staat über all unsere Einkäufe Bescheid.
Dafür und dagegen
Experten aus dem In- und Ausland sprechen sich nach wie vor gegen die totale Abschaffung des Bargeldes aus. Gemäss deren Meinung sollte man kleine Beträge bar zahlen und bei grösseren Summen aus Sicherheitsgründen (Diebstahl oder sonstiger Verlust) eine Banküberweisung oder eine elektronische Bezahlmöglichkeit tätigen. Ob Bargeld oder nicht, muss am Ende jeder für sich entscheiden, dumm ist nur, wenn der Verkäufer nur digitale Zahlungen akzeptiert. Tja, immer erst fragen.
Schwarzarbeit und Kriminalität
Viele Menschen glauben, dass man mit der Abschaffung des Bargeldes Schwarzarbeit oder Kriminalität verhindern könnte. Eine fatale Fehleinschätzung, denn Kriminelle sind der Justiz bekanntermassen immer ein bis zwei Nasenlängen voraus. So gab es in der Geschichte nebst Bargeld schon immer sogenannte Schattenwährungen und die wird es immer geben, in welcher Form sei dahingestellt (zurück zu den Tauschgeschäften etc.?) Die russische Mafia tätigt schon seit geraumer Zeit beispielsweise im Immobiliensektor sogenannte Tauschhandel mit wertvollen Bildern etc. Oder man weicht auf ausländische Währungen aus. Will man das wiederum verhindern, müsste man entweder die Kapitalverkehrsfreiheit einschränken oder alle wichtigen Währungen des internationalen Handels müssten Geldscheine und Münzen abschaffen und das wird wohl kaum geschehen. Dann gibt es da auch noch die Internetwährung Bitcoin etc. Diese Zahlungsarten sind gerade für Kriminelle ein gefundenes Fressen. Es gibt im Zahlungsverkehr selbstverständlich noch viele weitere Möglichkeiten, auf die ich hier aber nicht im Einzelnen eingehen möchte.
Bargeldlose Volkswirtschaft?
Wer also glaubt, man könne Kriminellen mit der Abschaffung des Bargeldes ein Schnippchen schlagen, irrt, zumal auch Verbrecher beispielsweise eine eigene Schattenwährung einführen könnten. Zudem ist zu befürchten, dass eine bargeldlose Volkswirtschaft ein breites Geschäftsfeld für Internet-Kriminalität bietet und wie sicher das Internet ist, zeigte sich in der Vergangenheit immer wieder an diversen Hackerangriffen auf unterschiedliche Unternehmen.
Fazit
Die ganze Thematik rund um die Bargeldabschaffung ist viel komplexer, als es auf den ersten Blick erscheint, denn mit einer möglichen Einstellung der Bargeldzahlung sind so viele wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Komponenten verbunden, dass man allein schon darüber ein Buch schreiben könnte. Doch selbst dann blieben wohl noch Fragen offen. Zum Beispiel wer den Umbau der ganzen Infrastruktur auf ein rein digitales und staatliches Zahlungssystem finanziert und vor allem auch deren Sicherheit garantiert?
Musiktipps zum Thema
Pink Floyd: Money - Der Song erschien 1973 auf dem Album «The Dark Side of the Moon.»
https://www.youtube.com/watch?v=-0kcet4aPpQ
ABBA: Money, Money, Money: Der Song erschien im Oktober 1976 auf dem Album «Arrival».
https://www.youtube.com/watch?v=ETxmCCsMoD0
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Dany Kammüller, November 24, 2023 6:55 AM