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Für Deutsch wählen Sie die Taste 1 ….
Praktisch alle von uns, die einen Computer oder ein Mobiletelefon besitzen, hatten schon in irgendeiner Form Probleme, die er/sie selbst nicht beheben konnte. Das nervt und kostet oft wertvolle Zeit, die man gern auch anders verbringen würde.
Am vergangenen Dienstag, 9. Januar 2024, wollte ich mich in einem System einwählen, dass ich bis anhin ohne Probleme benutzte. Das System wird einerseits von einem Bundesamt in Bern, zum anderen hier in Zug verwaltet. Doch nichts war an diesem Morgen gleich wie sonst, denn das System teilte mir mit, dass entweder mein Passwort oder meine E-Mailadresse falsch ist, obwohl ich weder das Passwort noch die Emailadresse je verändert habe. Was tun? Ich meldete mich also beim zuständigen Amt in Zug. Dort erklärte man mir sehr freundlich, dass sie dafür leider nicht zuständig sind und ich mich beim Bundesamt in Bern melden muss. So weit, so gut oder auch nicht.
IT-Bern
Ich meldete mich also bei diesem Amt in Bern. Nach der Einwahl erklang eine Melodie, danach trat ein Sprachcomputer auf den Plan, der mir in vier Sprachen mitteilte (Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch): Für Deutsch wählen Sie bitte die Taste 1, für Französisch die Taste 2, etc. Danach, für dieses Problem die Taste 1, für jenes Problem die Taste 2 und so weiter. Dann kam wieder der Sprachcomputer: «Leider sind derzeit all unsere Mitarbeiter besetzt, Sie müssen mit längeren Wartezeiten rechnen.» OK, kennen wir ja bereits. Es erklang wieder eine Melodie, welche die Anrufer wohl beruhigen sollte, aber meist das Gegenteil bewirkt. Nach weiteren Minuten hiess es erneut: «Leider sind zurzeit alle Mitarbeiter besetzt, Sie müssen mit längeren Wartezeiten rechnen. Mir war bewusst, wenn ich jetzt die Einwahl beende, stelle ich mich in der automatischen Warteschlange wieder ganz hinten an. Also aktivierte ich den Lautsprecher, damit ich hörte, wann die Leitung frei ist. Das dauerte aber eine ganze Weile.
Wie kann ich Ihnen helfen
Nach einer gefühlten Ewigkeit meldete sich eine freundliche Dame und fragte nach meinem Anliegen. Nach meiner Schilderung erklärte sie mir, es sei wohl korrekt, dass sie diese Plattform betreiben aber sie nicht für IT-Probleme zuständig sind. Aha, alles klar. Sie gab mir also die Nummer dieses IT-Unternehmens. Sie ahnen schon was kommt? Genau: «Für Deutsch wählen sie bitte die Taste 1, für Ihr Problem die Taste 2, etc., etc., etc. und da auch hier alle Mitarbeiter derzeit besetzt sind, kann es sein, dass man mit längeren Wartezeiten rechnen muss. Als ich nach einer weiteren gefühlten Ewigkeit endlich verbunden wurde und auch dort mein Anliegen schildern konnte, meinte die Dame: «Ach so ist das, haben Sie vielleicht ein altes Handy, das den Code nicht mehr empfangen kann?» Nein, ich habe kein altes Handy, mein Handy ist so ziemlich auf dem neuesten Stand. Darauf meinte die Dame, ja wie dem auch sei, in dieser Sache müsse ich mich bei meinem Telefonanbieter melden.
Telefongesellschaft
Langsam wurde ich innerlich unruhig. Setzte mich danach aber mit meinem Anbieter in Verbindung. Dort erklärte ich einer anderen Dame nach dem üblichen Einwahlprozedere mit den Tasten 1 bis 4 und dem Hinweis, dass das Gespräch zu Schulungszwecken aufgenommen wird, OK, man kann sich ja nicht dagegen wehren. Nach einer weiteren Schilderung meines Problems meinte sie, dass ich es vielleicht mal mit einer neuen SIM-Karte versuchen solle oder mich mit der Betreiberin der von mir genannten Plattform melden müsse. Bitte?! Das Pferderennen begann von vorne. Plattform, IT-Amt, Telefonanbieter.
Lösung kam näher
Als ich das ganze Karussell schliesslich noch einmal über mich ergehen lassen durfte, sprach ich am Ende rund 20 Minuten mit einem Herrn meines Telefonanbieters. Er erklärte mir sehr fachlich aber für mich verständlich, er sehe im System, dass die SMS, die den Code an mich senden sollte, nicht transportiert werde. Der vermutliche Grund dafür war, dass ich wohl bei meinen etlichen Versuchen, mich ins System einzuwählen, das System überlastet habe, sich dieses danach aufhängte und mein Passwort vermutlich aus Sicherheitsgründen gesperrt wurde. Daher konnte ich das Passwort auch nicht zurücksetzen, weil man mir auch dafür per SMS keinen Code senden konnte. Nachdem ich mit dieser Problematik einen ganzen Tag «verlöffelte» fragte ich mich, warum es in der heutigen Zeit nicht einen Notausgang gibt, den man benutzen kann, wenn solch grundsätzliche «einfachen» Probleme auftauchen. Zum Beispiel ein Neustart des Systems oder was auch immer. Viel lieber macht man den Laien zum Ochsen. Aber wie dem auch sei, ich denke, dass man gewisse Strukturen und Vernetzungen in Bundesbern vielleicht mal überdenken sollte. Ende gut, alles gut? Nein, nicht wirklich, denn auch der nette Herr wusste am Ende nicht wie wir es zusammen geschafft haben das Problem zu lösen. Mir egal, Hauptsache es lief wieder alles wie es musste.
Fazit
Die Digitalisierung soll uns das Leben ja erleichtern und uns bei der Arbeit Zeit sparen. Das mag in gewissen Bereichen stimmen, davon bin ich überzeugt. Aber ich befürchte auch, dass uns die ganzen Systeme irgendwann um den Kopf fliegen. Zudem gilt es zu berücksichtigen, dass vor allem auch ältere Menschen mit diesem enormen Tempo von Erfindungen irgendwann nicht mehr Schritt halten können. Zudem wissen wir alle, dass die vermeintliche Zeit, die wir dank der Digitalisierung einsparen, an einem anderen Ort wieder Mehrarbeit generiert und diese Mehrarbeit nimmt uns kein Computer dieser Welt ab. Das heisst am Ende, dass die Mehrarbeit von gleichviel Personen, in der gleichen Zeit, zum gleichen Lohn gemeistert werden muss. Wer nicht mithält, fliegt raus. Das Hamsterrad steht nie still, denn Stillstand bedeutet in der heutigen Arbeitswelt einen Rückschritt, den sich niemand leisten kann. Dabei sollte man allerdings bedenken, dass es Menschen aus Fleisch und Blut sind, nicht nur Maschinen, die ab und zu aus dem System fliegen, weil sie dem Druck in der heutigen «hochgestressten» Arbeitswelt nicht mehr standhalten. Das erzeugt an einem anderen Ort weitere Kosten (Gesundheitssystem), die von der Allgemeinheit getragen werden müssen. Das sind schon heute weit über zehn Milliarden Franken pro Jahr (Burnouts). Noch Fragen…?
Musiktipp
AC/DC - Back in Black. Der Song «Back in Black» erschien auf dem gleichnamigen Album der australischen Hard-Rock Formation, am 25. Juli 1980. Nach meiner Odyssee durch die Ämter musste ich mich ein wenig abreagieren.
https://www.youtube.com/watch?v=pAgnJDJN4VA
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Dany Kammüller, January 12, 2024 4:20 PM