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Ich bin nicht schön - ich genüge nicht!
Jede Generation hat seine eigenen Schönheitsideale. Was die Menschheit vor 30, 50 oder 100 Jahren als schön empfand, ist in der heutigen Zeit ein absolutes «No go».
Ich habe mich in den vergangenen Monaten intensiv mit dem Thema «Schönheitsideal» befasst. Die Quintessenz daraus ist und bleibt die gleiche: Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Was der eine als schön empfindet, ist für andere unmöglich. Für viele unserer Väter war Marilyn Monroe die schönste Frau der Welt. Würde sie heute noch leben, wäre sie nach wie vor eine Schönheit, aber auch sie hätte wohl unnatürliche «Gummiboot – Lippen», ein «verbotoxtes» Äusseres und keine Lachfältchen mehr im Gesicht, obwohl sie das nicht nötig hätte.
Andere Schönheitsideale
In der heutigen Moderne herrschen eben andere Schönheitsideale vor und dabei ist eines von zentraler Bedeutung, niemand will alt sein, alt werden und alt aussehen. Dafür wird sehr viel getan und sehr viel Geld verpulvert. Geld für ein Schönheitsideal, das trotz Botox, Cremen, Hyaluron, etc. nur die Wenigsten erreichen. Im Endeffekt verändern solche Massnahmen nur zwei Dinge: die wahre Schönheit eines jeden Menschen und dessen Geldbörse.
FaceApp und Co.
Dank der Wissenschaft ist heute viel möglich, um sich und das eigene Aussehen zu verändern, leider oft nicht zum Besseren. Gerade die Jugend bedient sich dabei auch mit technischen Mitteln in Form von Computerprogrammen, mit denen man sein Äusseres massgeblich verändern kann. Programme wie FaceApp, Facetune, Faceeditor etc. sind ideale Hilfsmittel für «mehr Schönheit», respektive Selbstbetrug. Da wird aus einem hässlichen Entchen ein vermeintlicher Schwan. Pustekuchen, zu 95 Prozent ist das Gegenteil der Fall.
Aus Spass wird Ernst
Dank diesen PC-Werkzeugen suggeriert man jungen Menschen, dass sie so, wie sie sind nicht gut genug sind. Am Anfang bedient man sich aus Spass mit solchen «Apps»: Mal sehen, wie ich mit blonden, kurzen Haaren aussehe oder wenn ich alt bin mit einer Glatze etc. Das ist lustig, doch aus dem vermeintlichen Spass wird irgendwann Ernst und alle machen mit.
Nichts ist so, wie es scheint
Gibt man bei Google das Stichwort FaceApp ein, erhält man auf Anhieb 17 Millionen Einträge, das spricht für sich. Und was für die Jugend gut ist, kann für die Erwachsenen nicht schlecht sein. Also gehen alle hin und bedienen sich mit diesen trendigen Möglichkeiten. Ein ideales Beispiel sind politische Personenwahlen. Da lächeln uns perfekt gestylte Menschen von den Wahlplakaten an, alles Lug und Betrug. Ich arbeitete selbst über 30 Jahre bei den Medien und ich weiss, dass heute praktisch keine Bilder publiziert werden, die im Vorfeld nicht bearbeitet wurden.
Die Trends …
…sind hinlänglich bekannt. Auch mit FaceApp und Co. stehen zentrale Schönheitsmerkmale im Vordergrund: dicke Lippen, verzerrte Augenlider, ein schmales, faltenfreies Gesicht, Körperoptimierung in Form von Fett absaugen, Brüste vergrössern etc. Bei meiner Recherche fiel mir auf, dass viele, vor allem junge Frauen – FaceApp sei Dank – plötzlich auf erschreckende Art und Weise gleich aussehen. Da entsteht eine neue Computer-Spezies, die einem Angst machen kann. Aus schönen, jungen Menschen entsteht eine «Zombie-Armee» von Gleichgesichtern. Man hat das Gefühl, alle seien miteinander verwandt.
Du bist nicht schön!
Fakt ist, dass man Jugendliche und Kinder relativ einfach beeinflussen kann, denn keiner will bei neuen Trends im Abseits stehen. Das ist auch jenen bewusst, die solche Trends erschaffen. Der folgende Werbetext spricht Bände, Zitat: «FaceApp ist eine der besten mobilen Apps für die Fotobearbeitung mit künstlicher Intelligenz. Verwandeln Sie Ihre Selfies mit einer der beliebtesten Apps mit bisher über 500 Millionen Downloads in Model-Porträts. FaceApp bietet Ihnen alles, was Sie benötigen, um Bilder so zu bearbeiten, ‘dass sie es wert sind’, auf Instagram veröffentlicht zu werden.» Zitatende. Die Aussage «…dass sie es wert sind», ist zentral und suggeriert, wer nicht mitmacht ist out, nicht schön oder nicht gut genug.
Du bist schön, wie du bist
Liebe Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene und solche, die gern jung bleiben wollen, steht zu dem, wer ihr seid. Steht zu eurem ich, denn jede/r von euch birgt seine eigene Schönheit in sich. Es ist sicher noch legitim, wenn man zum Beispiel für ein aktuelles Pass- oder Bewerbungsfoto mal ein Pickel wegretuschiert. Aber alles, was darüber hinausgeht, ist ein (Selbst-) Betrug, der sich spätestens dann offenbart, wenn man euch im wahren Leben begegnet oder wenn ihr trotz allen Mittlen irgendwann doch alt seid. Also, wie gesagt, steh zu dem wer/wie du bist, steh zu dir, denn du bist schön, so wie du bist. Es heisst nicht umsonst, wahre Schönheit kommt von innen.
Im Wandel der Zeit
Das gesellschaftliche Schönheitsideal ändert sich ständig. Zum Beispiel im 17. Jahrhundert waren füllige Frauen (Rubensfiguren) die wahren Schönheiten. Der Begriff Rubensfigur leitet sich von den Werken des flämischen Barockmalers Peter Paul Rubens ab, der Frauen mit üppigen Rundungen und Kurven malte. Damals galt ein wohlgenährter Körper als Zeichen von Wohlstand und Gesundheit. Heute variieren Schönheitsideale je nach Kultur und Zeitgeist. Während in Europa schlanke Frauen mit Modelmassen bevorzugt werden, gelten in Südamerika oder Ägypten fülligere Frauen mit Sanduhrenfigur als schön. Rubens war also im umgekehrten Sinn und mit seinen Mitteln (RubensApp 😊) ein Vorreiter von trendigen Schönheitsidealen. Und wie steht ihr zum Thema Schönheit? Schreibt mir, wenn ihr Lust und Laune dazu habt.
Musiktipp zum Thema
Joe Cocker: “You are so Beautiful”. Der Song wurde 1974 auf dem Album «I Can Stand a little Rain» veröffentlicht. https://www.youtube.com/watch?v=WvAr9umnZ54
Eure Meinung interessiert mich
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Dany Kammüller, January 26, 2024 12:02 PM