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Der Wald heilt Körper und Seele


Die Natur ist auf unseren Schutz angwiesen, es ist an der Zeit, dass wir handeln und uns besinnen. Bild: Dany Kammüller


Wie riecht der Wald? Nach einheitlichem Grün? Oder gibt es da noch mehr? Ja, es gibt noch viel mehr, denn eine Tanne riecht nicht gleich wie eine Buche, Esche oder Erle und Farn fühlt sich anders an als Bärlauch. Doch solche Sinneseindrücke nimmt man erst wahr, wenn man sich Zeit nimmt und sich bewusst auf die Natur einlässt.

 

Über mir am Himmelszelt schwebt ein Mäusebussard, ein edler Greifvogel der Habichtfamilie. Auf seinen Streifzügen in luftiger Höhe zieht er majestätisch seine Kreise. Er segelt ohne Stress und Eile mit der Strömung des Windes von dannen. Der gleiche Wind, der dieses stolze Tier dahingleiten lässt, rauscht auch durch die Kronen der Bäume. Doch Rauschen ist nicht gleich Rauschen, denn eine altgediente, nadlige Wettertanne, deren Wurzeln fest in der Erde verankert sind, klingt im tosenden oder auch nur säuselnden Wind anders als ein Laubbaum. Genauso verhält es sich mit den verschiedenen Ästen, denen man auf dem Grund des Waldes auf Schritt und Tritt begegnet. Sie geben, je nachdem wie lange sie dort schon liegen, unterschiedliche Geräusche von sich, wenn sie unter unseren Füssen zerbersten. Bei trockenen Tannenzweigen, auf festgetretenem Boden ertönt ein lautes Knacken, während sie bei morschem, mit Wasser getränktem Holz auf lockerer Erde meist ein mehliges oder matschiges «Pffft» von sich geben.

 

Auf Entdeckungsreise

Ich bin regelmässig im Wald unterwegs. Dabei setze ich mich gern hoch über dem Zugerland auf eine Bank und geniesse die verschiedenen Sinneseindrücke. Dabei achte ich bewusst darauf, was am Boden so kreucht oder mir um die Ohren fleucht. Jedes Mal, wenn ich dort auf «meiner Lieblingsbank» weile, habe ich das Gefühl, dass ich stets etwas Neues entdecke, denn die Natur unterliegt in allen vier Jahreszeiten einem ständigen Wandel von Kommen und Gehen, Leben und Sterben.

 

Körper und Seele

Das Harz der Tannen, die Rinden der verschiedenen Bäume, die Blüten der Blumen, die würzigen Kräuter am Wegesrand, die Pilze, Gräser und Farne, die hier so wachsen und gedeihen, verleihen dem Wald dieses einzigartige, aromatische, frische, herzhaft duftende Bouquet, dass uns frei atmen lässt. Das ganze facettenreiche Ambiente des Waldes ist aber nicht nur gut für unseren Körper, sondern auch für unser Seelenheil, denn es verleiht unserer Psyche eine fast berauschende Tiefenentspannung und sorgt so für ein Gefühl der Geborgenheit, Zufriedenheit, des Wohlbefindens und der Freiheit.   

 

Die 14 Sinne

Wer sich in der Natur bewegt und diese bewusst wahrnehmen und erleben will, ist darauf angewiesen, dass seine fünf äusseren Sinne noch funktionieren. Dass die Ohren hören, die Nase riecht, die Augen sehen, die Zunge und auch der Tastsinn noch intakt sind. Aber auch unsere sechs inneren Instinkte sind dafür von Nöten: Der Gleichgewichts-, Bewegungs-, Wärme-, Schmerz-, Hunger/Durst- und Lebenssinn. Sie basieren auf Rezeptoren im Körper, die Informationen über die Lage, Bewegung, Temperatur, Schädigung, Bedürfnisse und Vitalität des Körpers liefern. Und am Ende sind da auch noch unsere drei höheren Sinne: Der Sprach-, Gedanken- und der Ich-Du-Sinn. Sie basieren auf der Fähigkeit, Sprache, Gedanken und Gefühle von anderen Menschen (Tieren, Pflanzen) zu verstehen und zu teilen. Zusammen ergeben diese 14 Instinkte ein vielfältiges und komplexes Sinneserlebnis, das uns hilft, die Welt zu erkunden, zu lernen und zu kommunizieren.

 

Fazit

Die Natur ist ein grosses Ganzes, zu dem auch der Mensch gehört. Es muss alles zusammenstimmen, damit dieses Gesamtbild eine Einheit ist und bleibt. Aber gerade wir Menschen müssen uns da an der Nase nehmen, denn wir drängen die Natur seit Anbeginn der Zeit immer weiter zurück. Wir sind und waren die Zerstörer dieses Gebildes, jene, die ohne Rücksicht auf Verluste alles an sich reissen. Jene, welche die Natur ausbeuten: die Kristalle der Berge, das Gold in den Flüssen und Höhlen, die Felle, das Horn und Leder der Tiere, das Holz der Wälder und vieles anderes mehr. Wir sind verantwortlich für das Artensterben, das immer weiter voranschreitet, denn jedes Tier, jeder Baum, jede Pflanze, jeder Stein etc. hat in der Natur eine Aufgabe. Fehlt das eine, stirbt das andere. Es ist an der Zeit, dass wir uns diesbezüglich besinnen, bevor die letzte Grille gezirpt, der letzte Wolf geheult, der letzte Bär gebrummt, der letzte Vogel gesungen hat und der letzte Baum gefällt wurde, etc. Darum wacht endlich auf, denn die Turmuhr hat längst zwölf geschlagen. Hört ihr nicht den Schrei der Natur und seht ihr nicht die Tränen unserer geliebten Mutter Erde? Es ist Zeit innezuhalten und eine Kehrtwende einzuschlagen, und zwar jetzt!

 

Musiktipp der Woche

Antonio Vivaldi: «Die vier Jahreszeiten». Dabei handelt es sich um ein musikalisches Meisterwerk aus dem Jahr 1725 und ist das wohl bekannteste Werk von Vivaldi. Aber man braucht dafür - wie in der Natur - Zeit. Die folgende Version mit Anne-Sophie Mutter als Solistin dauert knapp 42 Minuten. https://www.youtube.com/watch?v=9eEap53WxKY

 

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Dany Kammüller, February 23, 2024 8:18 AM