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Entschuldigung, Excuse, Scusa, Sorry …
Ich frage mich immer wieder, warum es gewissen Menschen so schwer fällt sich ehrlich zu entschuldigen, obwohl dieses eine, kleine Wort so viel auslösen und verändern könnte/kann.
Wir alle kennen die Wirkung, die das Wort Entschuldigung haben kann. Grundsätzlich ein schönes Wort, wenn der Antrag zu einem «Schuldeingeständnis» ehrlich und echt ist und von Herzen kommt. Bei der Arbeit als Journalist kennt man sich damit bestens aus, dort gehören Entschuldigungen zum täglichen Brot. Daher sagte ich meinen Mitarbeiter/innen gebetsmühlenartig immer und immer wieder: Wenn wir einen Fehler gemacht haben, entschuldigen wir uns, deswegen bricht uns kein Zacken aus der Krone, aber wir zeigen damit Grösse. Das «Sorry» muss jedoch ehrlich und echt sein und keine Alibiausrede. Wie sagte doch der erste US-Präsident George Washington: «Es ist besser keine Entschuldigung zu bieten als eine schlechte.»
Tarnung, Lügen, Ausreden
Um eine Entschuldigung abzuschwächen, werden in gewissen Kreisen gern auch «Tarnworte» verwendet, das ist auch bei gewissen Journalisten eine gängige Praxis. Anstelle von Sorry oder Entschuldigung spricht man dann von einer Berichtigung – man will also etwas richten oder zurechtbiegen. Übrigens, was viele nicht wissen, ist, eine journalistische Gegendarstellung für eine möglich Falschaussage oder Falschinterpretation, etc. kann man nur gerichtlich erwirken und so weit gehen die Wenigsten, also gibt man sich mit einer Berichtigung zufrieden. Daher wird in den Medien auch weiterhin berichtigt und an anderen Orten gelogen, geschönt oder mit faulen Ausreden agiert, zum Beispiel in der Politik.
Politische Versprechen
Politiker/innen, die einst in den Hallen der Macht sassen, verlassen diese nur ungern aus freien Stücken. Um das zu erreichen, geht so mancher Amt- und Würdenträger sprichwörtlich über Leichen. Vor Wahlen verspricht man daher den Wählern gern das Blaue vom Himmel und danach finden sie meistens eine gut formulierte Ausrede (keine Entschuldigung) für ihr Versagen oder die Nichteinhaltung etwelcher Versprechen. Liebe Politiker/innen merken sie sich eines: Wer ein gemachtes Versprechen bricht, begeht in eurem Fall ein Verbrechen am Volk. Versprechen sind gross und ehrenhaft und sie bedeuten alles, aber nachdem sie gebrochen wurden, bedeuten sie nichts mehr. Und – Wahrheit hin oder her – wer bekanntlich einmal lügt … lügt auch ein zweites Mal.
Politische Entschuldigungen
Politische Versprechen sind daher grundsätzlich mit Vorsicht zu geniessen und auf eine ehrliche politische Entschuldigung, können Sie so lange warten, bis im Sommer Schnee fällt (Keine Regel ohne Ausnahmen). Ein Politiker, der sich entschuldigt, gibt nämlich öffentlich zu, dass er Fehler gemacht hat und welche/r Politiker/in gibt schon gerne zu fehlerhaft zu sein? Daher sind politische «Sorry’s» wohl genauso selten anzutreffen, wie ein Einhorn im Wald. Zudem beherbergt eine Entschuldigung das Wort Schuld schon in sich. Ein Politiker tritt daher – die Reputation lässt grüssen – lieber von seinem Amt zurück, bevor er sich entschuldigt. Aber: «Die Nachlässigkeit seiner Entschuldigung ist eine weitere Beleidigung» (Fjodor Dostojewski, russischer Schriftsteller.) Dieses Zitat sollte sich «per se» 😊 auch jener Bundesrat ins Gedächtnis rufen, der kürzlich zurücktrat.
Für was und warum …?
Wer sich fragt, für was, bei wem oder warum er/sie sich entschuldigen soll oder kann, lässt es besser bleiben. Aber für alle Egozentriker dieser Welt, man könnte sich für eine Verspätung, ein Vergessen (Geburts-, Hochzeitstag etc.) oder einen Streit entschuldigen, bei dem das eine oder andere böse Wort gefallen ist. Oder man kann sich auch für einen kollektiv begangenen Fehler entschuldigen, zum Beispiel für die Verfolgung von Jenischen, das Judengold auf Schweizer Banken oder topaktuell für das eine oder andere Corona-Debakel oder die Entlassung von homosexuellen Lehrpersonen (Pfäffikon/ZH) etc. Wie sagte doch der US-amerikanische Schriftsteller Thornton Wilder so treffend: «Die öffentliche Meinung ist für viele bloss eine schlechte Entschuldigung dafür, dass sie keine eigene haben.» Und um es mit den Worten des englischen Dichter Rudyard Kipling zu sagen: «Wir haben 40 Millionen Gründe für das Versagen, aber nicht eine einzige Entschuldigung».
Zeigen Sie Grösse
Liebe Leser/innen es gibt so viele Möglichkeiten für ein «Excuse», man muss es nur wollen und dabei ehrlich und selbstreflexiv sein und bleiben, denn Ehrlichkeit währt nicht nur am längsten, sie ist in Sachen Entschuldigungen das A und O. Dazu ein abschliessendes Zitat des englischen Gelehrten, Dichters und Kritikers Samuel Johnson: «Manchmal ist eine Entschuldigung eine noch grössere Ungezogenheit.» In diesem Sinne, bleiben Sie ehrlich und sagen auch Sie ab und zu Verzeihung, Sorry oder es tut mir leid, danach fühlen Sie sich besser – ganz sicher!
Musiktipp der Woche
Elton John: «Sorry seems to be the hardest Word». Der Song erschien am 1.11.1976 als Single. https://www.youtube.com/watch?v=c3nScN89Klo
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Dany Kammüller, April 26, 2024 11:22 AM