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Der innere Schweinehund
Nein, um gesund zu leben muss man nicht auf alles verzichten, denn die Menge macht das Gift, das weiss man schon seit Hunderten von Jahren, nur man sollte sich auch daran halten. Bild: Dany Kammüller
Ich denke, fast jeder kennt die Redewendung aus dem Evangelium nach Matthäus: «Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Will heissen, wir nehmen uns unter anderem ständig vor gesünder zu leben, aber beim Anblick von Süssigkeiten oder einer wohlschmeckenden, exzellenten Flasche Wein, etc. vergessen wir unsere Vorsätze ganz schnell wieder.
Wir alle wissen, mit dem Alter bauen Körper und Geist ab. Wir wissen auch, was wir dagegen tun «könnten», um die Gebrechen aufzuhalten oder zu verzögern. Genau, gesund leben, sich gesund ernähren, auf Alkohol und Süssigkeiten nach Möglichkeit verzichten, und viel Sport betreiben. Doch ist das Leben so noch lebenswert? Nun, das muss jeder für sich selbst entscheiden.
Das Altern beginnt…
…ob ihr es glaubt oder nicht, bereits ab dem 20. Lebensjahr. Der Körper verändert sich. Er verliert an Kraft und Elastizität. Die Produktion der Lungenbläschen nimmt ab und das Atemvolumen wird kleiner, da weniger Sauerstoff ins Blut gelangt, damit nimmt auch die Ausdauer ab. Auch das Elastin und die Hyaluronsäure im Körper gehen zurück. Dies führt dazu, dass unsere Knitterfalten, die morgens noch verschwinden, mit der Zeit auch am Tag auf der Haut sichtbar bleiben. Übrigens: Botox ist keine gute Alternative für faltige Haut. Das merkt man spätestens dann, wenn man wirklich alt ist. Falten gehören nun mal zum Alterungsprozess.
Graue Haare und Glatzen
Ab dem 35. Lebensjahr zeigen sich beim einen oder anderen bereits die ersten grauen Haare, je nachdem, was uns die Eltern in Sachen Vererbung (Gene) mit auf den Weg gaben. Es kommt auch vor, dass gewisse Männer in diesem Alter schon fast eine Vollglatze haben. Da kann man in der Regel nichts machen, ist einfach so, die Melanin-Produktion verlangsamt sich und ratzfatz sind die Haare weg.
Hörvermögen und Fruchtbarkeit
Auch das Hörvermögen zeigt schon ab dem 20. Lebensjahr erste Schwächen, da die Zahl der Haarzellen in der Gehörschnecke abnimmt. Das führt dazu, dass wir hohe Töne zunehmend schlechter wahrnehmen. Ab dem 25. Lebensjahr nimmt auch die Fruchtbarkeit bei den Frauen bereits ab und bei Männern senkt sich der Testosteronspiegel.
Knorpel und Co.
Ab 30 zeigt auch die Elaszität der Knorpel erste Schwächen, und die Bandscheiben werden dünner. Der Wassergehalt im Körper sinkt ebenfalls. Die Elastizität der Augenlinsen nimmt sogar schon ab dem 15. Lebensjahr ab, was das Scharfstellen über die Jahre hinweg erschwert.
Ab 40 bis 50
Zwickt es mal hier und mal dort und der Alterungsprozess macht sich deutlich bemerkbar. Die Organe bauen teilweise massiv ab, Nieren und Leber funktionieren nicht mehr so effizient wie mit 20 und die Entgiftung läuft gleichfalls langsamer (der eine oder andere Kater – nach einem zu tiefen Blick ins Glas - lässt grüssen). Die Blutgefässe verkalken, der Blutdruck steigt, und das Herz gerät unter Druck.
Ab 60 …
… Herrgott wie doch die Zeit verrinnt, verlangsamt sich der Stoffwechsel zunehmend und das Abnehmen – für jene, die zu viel Speck auf den Rippen haben - wird immer schwerer. Die verminderte Fettverbrennung fördert die Gewichtszunahme. Das Herz-Kreislauf-System zeigt gleichfalls zunehmend Schwächen. Der Muskelanteil im Körper nimmt ab, während Fettmasse und Wasseranteil steigen. Schei…benkleister! Und was kommt danach? Die Knochendichte, die Muskeln, die Sinnesorgane und die Nierenfunktionen verringern sich. Das Immunsystem arbeitet langsamer, was wiederum zu einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen führen kann. Ein kleiner Lichtblick: Die Haare, die einem aus der Nase und den Ohren wachsen, kann man beim Friseur entfernen lassen. Und liebe Herren der Schöpfung, ein gewisses Stehvermögen lässt sich, den blauen Pillen sei Dank, kompensieren.
70 bis 80
Neue Hüft-/ und Kniegelenke erleichtern unseren Alltag. Hörgeräte lassen uns die Welt wieder besser verstehen. Die Vergesslichkeit ist halb so schlimm, denn wir vergessen eh gern nur das, was für uns nicht wirklich wichtig ist. «Opa du hast schon wieder vergessen den Müll rauszubringen…» «Oh, sorry habe ich vergessen… 😊
90 bis 100…
…werden all jene, die sich mehrheitlich gesund ernährt, sich viel bewegt – und gute Gene haben. Für diese Menschen ist jeder neue Tag, an dem sie die Sonne aufgehen sehen, ein guter Tag und es bleibt zu hoffen, dass sie noch viele solche Tage haben werden, denn das Leben ist bekanntlich ein Geschenk aber auch endlich.
Das Gute kommt zuletzt
Dem ganzen Alterungsprozess kann man in der modernen Zeit entgegenwirken, in dem man seinem Körper, wie erwähnt, regelmässig Bewegung verschafft. Gezieltes Krafttraining kann den Muskelabbau reduzieren und ein gesunder Lebensstil und regelmässige Arztbesuche tragen dazu bei, dass man die Gesundheit auch im Alter erhalten kann. Aber, man sollte möglichst früh damit beginnen. Und nein, Sie müssen nicht auf all die Schlemmereien dieser Welt verzichten, aber diese mit Mass geniessen. Wie sagte schon der Universalgelernte und im Kanton Schwyz geborene «Theophrastus Bombastus von Hohenheim», besser bekannt als Paracelsus: «Dosis sola facit venenum», die Menge macht das Gift. Und hin und wieder muss man halt auch den inneren Schweinehund überwinden, denn der Weg ist bekanntlich das Ziel.
Musiktipp der Woche
Udo Jürgens: Der Song «Mit 66 Jahren» erschien 1977.
https://www.youtube.com/watch?v=oxs89NZyYDg&list=RDoxs89NZyYDg&index=1
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Dany Kammüller, May 3, 2024 8:00 AM