Aktuelles/Blog
Anstand und Respekt? Fehlanzeige!
Ein düsterer, durchzogener Himmel tut sich auf, wenn ich an das Thema Respekt und Anstand in unserem Land denke. Bild: Dany Kammüller
Guten Tag, Grüezi, hallo zusammen, was darf es denn sein? Kann ich Ihnen behilflich sein? So klang es früher, wenn man sich auf der Strasse begegnete oder einen Laden betrat. Heute, ja heute ist vieles anders, aber nicht zwingend besser.
Nein, nein, früher war nicht alles besser, es gab viele Dinge, die es heute zum Glück nicht mehr gibt. Aber es gibt auch Umstände, Sachen und Begebenheiten, auf die man sich hier und dort zurückbesinnen sollte. In den folgenden Abschnitten weise ich gerne auf die eine oder andere «vermeintlich moderne» Unzulänglichkeit hin.
Verkehr
Kürzlich verfasste ich einen Bericht zum Thema Strassenverkehr. Schon dort streifte ich das Thema Anstand, denn diesen gibt es heute leider immer weniger, im Gegenteil, auf den Strassen herrscht Chaos und Krieg. Da wird gedrängelt und gehupt, als gäbe es kein Morgen. Viele kennen auch den Ausdruck «Reissverschluss-Verkehr» nicht mehr, ist ja nicht mein Problem, wenn dieser oder jener im Verkehr warten muss.
Ich zuerst
Wer viel reist, kennt folgendes Szenario in der Bahn, dem Tram oder im Bus. Man fährt in eine Station ein und die Türen öffnen sich. Grundsätzlich «wäre» es von der Logik her so, dass jene, die aussteigen den Vortritt «hätten». Aber! «Dä Schnäller isch de Gschwinder», mehr gibt es dazu, mit einem leichten Kopfschütteln, nicht zu sagen.
Respekt
Ein weiterer, für mich unbegreiflicher Umstand ist die Tatsache, dass heute in einem vollen Bus, etc. des öffentlichen Verkehrs praktisch keiner mehr aufsteht, um älteren Menschen den Platz anzubieten. Man nimmt diese Reisegäste gar nicht mehr wahr, da praktisch alle mit ihren mobilen Telefonen, Tablets und Notebooks beschäftigt sind. Respekt gegenüber älteren Menschen? Fehlanzeige!
Freundlichkeit
Betrat man früher ein Geschäft, zum Beispiel eine Bäckerei oder ein Bekleidungsladen, wurde man mehrheitlich freundlich begrüsst. Heute heisst das: «Was wollen Sie» und nicht wie kann ich Ihnen behilflich sein, was darf es denn sein, kann ich Ihnen etwas zeigen oder empfehlen? Dabei setzen die Angestellten gerne eine Mine auf, dass man den Laden ganz gern möglichst schnell wieder verlässt. Heute ist der Kunde vielerorts nicht mehr König, sondern Bettelmann.
Regeln
In grösseren Einkaufscentern gibt es Rollbänder, welche die Kundschaft auf die verschiedenen Etagen befördert. Dort gilt die Regel: Rechts stehen, links gehen. Diese Anweisung steht mancherorts vor den Rollbändern auf dem Boden, achten Sie mal darauf. Doch hier greift diesbezüglich ein gehöriger Analphabetismus um sich. Vielleicht hätten hier Hinweisschilder auf Augenhöhe die bessere Wirkung. Das sollten sich die Betreiber von Einkaufscentern mal überlegen.
Deutsche Nachbarn
In der Schweiz arbeiten bekanntlich viele Bürger aus dem grossen Nachbarskanton Deutschland. Und wie heisst es doch so schön, andere Länder andere Sitten. Darum liebe «Deutschländer» zu eurem Verständnis und zur besseren Integration, bei uns heisst es in einem Geschäft «Ich hätte gerne» und nicht «ich kriege». Das mutet vielleicht ein wenig spitzfindig an, aber es sei euch gesagt, diese kleine sprachliche Nuance gehört bei uns mitunter zum Ton, der die Musik macht.
Andere Gastschweizer
In vielen Ländern der Erde nimmt man es mit der Pünktlichkeit nicht so genau, es gehört gar zum guten Ton, sich zu verspäten. Aber bei uns mag man es mehrheitlich nicht, wenn die Leute zu spät kommen. Und was wir auch nicht mögen, sind laute Menschen in der Öffentlichkeit. Bei uns unterhält man sich in einem moderaten gesitteten Ton, denn auch hier macht der Ton die bekannte Musik. (Ausnahmen bestätigen die Regel).
Egoismus «Par excellence»
Nein, früher war wahrlich nicht alles besser, aber von einigen Umständen und Begebenheiten könnte man sich heute die eine oder andere Scheibe abschneiden, denn denken Sie immer daran: «So wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus». Es gäbe sicher noch weitere Beispiele in denen man Anstand, Respekt und Höflichkeit heute vermisst. Doch ich denke, wenn sich jeder nur ein klein wenig selbst an der Nase nähme und dabei den eigenen Egoismus zurückstellt, wäre das heutige Zusammenleben um einiges erträglicher.
Das Zitat der Woche
«Respekt für uns selbst leitet unsere Moral; Respekt für andere leitet unsere Manieren.» Laurence Sterne, englisch-irischer Schriftsteller, 24.11.1713 – 18.3.1768.
Musiktipp der Woche
DJ Bobo «Respect yourself» erschien im Dezember 1996 auf dem Album «World in Motion».
https://www.youtube.com/watch?v=o2Ip9OjGU8U
Eure Meinung interessiert mich
Kommentare, Kritiken, etc. sind zu richten an: info@dakapublic.ch Eure Einsendungen werden nicht publiziert und nur von mir gelesen. Wenn euch gefällt, was ihr hier lest, sagt es weiter, wenn nicht, dann auch.
Dany Kammüller, June 28, 2024 12:46 PM