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Schwerpunktthema – Kinder(v)erziehung


 

So wie sich die Berge im See spiegeln, so spiegeln Kinder die Erziehung der Eltern in der Gesellschaft. Manchmal scharf und klar, aber manchmal eben auch verzogen, undeutlich und trüb. Bild z.V.g.


Viele angehende Eltern fragen sich, wie erziehe ich mein Kind richtig? Was soll man tun und was lassen? Tja, es führen bekanntlich viele Wege nach Rom und der beste Weg führt auch hier meistens durch die Mitte. Will heissen, von allem ein wenig aber von nichts zu viel.

 

Ich habe mir lange überlegt, ob ich über diese Thematik schreiben soll oder nicht, denn es ist ein Gebiet, das unglaublich breit gefächert ist und mit dem man sich hier und dort eigentlich nur in die Nesseln setzen kann. Zumal sich viele Eltern in Sachen Erziehung nur ungern etwas sagen lassen und ihre eigenen «Knirpse» ja eh die besten, schönsten, bravsten intelligentesten und liebsten, etc. sind. Also wo beginnt eine sinnvolle, zielführende Erziehung und wo endet sie? Gute Frage. Also beginnen wir am Anfang, sprich bei der Planung.

 

Von 18 bis 50

Es ist Fakt, dass viele Eltern heute ihren Nachwuchs tendenziell spät planen. Aber je länger man wartet, umso höher sind die Ansprüche an sich selbst, gegenüber den Kindern, der Bildung und der Gesellschaft. Vor rund 50 Jahren waren die Eltern im Schnitt zwischen 18 und 25, als sie ihr erstes Kind bekamen. Heute sind sie – der modernen Medizin sei Dank - nicht selten zehn bis 20 Jahre älter. Aber wie dem auch sei, durch alle Generationen blieb ein Wunsch und eine Aussage immer die gleiche: «Unsere Kinder sollen es mal besser haben als wir.» Ob das in allen Belangen wirklich immer besser ist oder war, sei dahingestellt.

 

Anti- oder autoritär …

… das ist hier die Frage. Dazu passt ein treffendes und zielgerichtetes Zitat der italienischen Ärztin und Pädagogin Maria Montessori, die dereinst sagte: «Kinder sind unsere Gäste, die nach dem Weg fragen.» Dieses Zitat bringt meiner Meinung nach die Erziehung über alle Generationen auf den Punkt. Das heisst, Kinder müssen ihren eigenen Weg finden. Die Eltern geben «nur» die Leitplanken vor, damit ihr Nachwuchs nicht auf Abwege gerät. Doch wie eng (autoritär) oder wie weit (antiautoritär) diese Leitplanken sein sollen, darüber scheiden sich die Geister seit Generationen.

 

Zielführende Prioritäten

Es gibt Kinder im Schulalter, die zwar wissen, wie man einen Computer bedient, sich aber noch nicht selbst anziehen, die Schuhe binden und das Essbesteck richtig halten können etc. Tragisch, auch wenn man das heute nicht wahrhaben will, aber es zeugt von einem Elternhaus, das die Prioritäten vermutlich nicht ganz richtig, sprich zielführend gewichtet. Sie wissen ja, was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr, das bedeutet: In jungen Jahren werden Lerninhalte besser aufgenommen.

 

(Un-) Selbstständigkeit

Es ist in der Neuzeit leider eine unumstössliche Tatsache, dass viele Eltern ihre Kinder förmlich zur Unselbstständigkeit erziehen. Man nimmt den kleinen «Rabauken» alles und jenes ab, man überhäuft sie mit Liebe, Richtlinien, Bildung, Entscheidungsfindung, etc. (Helikoptereltern). Zudem gibt es auch Mütter, die den geliebten und verhätschelnden Nachwuchs bis zur Schulreife stillen und ihn auch immer wieder mit sich herumtragen, als ob die Zöglinge keine eigenen Beine hätten (Hüftschaden lässt grüssen). Aber wenn die Kleinen schreien, muss die Mama halt springen, daran haben sich die forderten «Schreihälse» gewöhnt und wenn die Mama nicht sofort kommt, gib es Terror. Eine andere, moderne Unsitte ist das «Mama- /Papataxi». Die «Kids» müssen nicht mehr alleine zur Schule laufen, denn es könnte ja weiss Gott was passieren. Doch die Ängstlichkeit und das Unvermögen vieler Eltern spiegeln sich früher oder später im Verhalten der Kinder wider.

 

Danke, bitte, grüezi?

Fehlanzeige! Heute heisst es ich will! Die normalsten Dinge der Welt wie bitte oder danke fehlen im Vokabular vieler Kinder. Man sagt auch nicht mehr grüezi oder adieu, aber man widerspricht den Erwachsenen gern bei jeder sich bietenden Gelegenheit. «Viele Kids» sind teilweise einfach auch frech, vorlaut und respektlos gegenüber allen und jedem (das Elternhaus lässt grüssen). Dabei hört man dann oft so Aussagen wie: «Ich weiss nicht was los ist, aber zuhause macht er/sie das nie.» Pustekuchen, zuhause machen sie das erst recht, nur noch viel intensiver. Eltern, die so reagieren, wollen mit derartigen Aussagen einfach ihr eigenes Unvermögen überspielen, um sich in der Gesellschaft keine Blösse zu geben. Und Folgendes sei hier auch noch vermerkt, es ist nicht Aufgabe der Schule, die Kinder zu erziehen, sondern das ist in erster Linie der Job der Eltern. Wer allerdings mit der Erziehung überfordert ist, soll sich doch bitte professionelle Hilfe holen, und zwar bevor der eigene «Erziehungs-Egoismus» im Missbrauch gipfelt (Vernachlässigung, physische und psychische Gewalt etc.).

 

Richtig oder falsch?

Wie lautet doch ein weiteres Sprichwort – Im Original von Wilhelm Busch «Vater (Eltern) werden ist nicht schwer, Vater (Eltern) sein dagegen sehr.» Dabei stellt sich vielen Eltern die Frage, was ist richtig und was falsch. Darauf gibt es leider keine allgemein verbindliche Antwort. Zumal nebst der Oma, dem Opa, etc., auch elektronische «Erziehungsgenossen» wie Internet, Google und Co heute eine grosse Rolle spielen, denn dort findet man Millionen und Abermillionen Anleitungen und Antworten von Fachleuten und selbsternannten Superpädagogen. Wahrlich nicht ganz einfach, sich in diesem Informations-Dschungel zurecht zu finden. Eltern sein ist ein Beruf, zu dem man sich «berufen» fühlen - und den man (er-) lernen muss, denn wie weiss man, ob etwas richtig oder falsch ist, wenn man noch keine Erfahrung hat? Wenn man sich aber nicht berufen fühlt, sollte man es vielleicht besser lassen, denn es gibt schon genug unglückliche Kinder auf dieser Welt.

 

Meisterpädagogen

Es ist bekanntlich noch kein Meister vom Himmel gefallen. Auch bekannte, vermeintliche «Meister-Pädagogen» wie Johann Heinrich Pestalozzi oder Jean-Jacques Rousseau (siehe Zitat der Woche) haben als Eltern und ihren pädagogischen Ansichten stellenweise versagt. Pestalozzi fand körperliche Züchtigungen nicht falsch und Rousseau gab all seine fünf Kinder – «aus ökonomischen Gründen» wie er sagte – als Säugling an das Findelhaus ab. Ihr seht, alle machen Fehler, das ist keine Schande, vorausgesetzt man macht sie kein zweites Mal. Und von wegen «Meine Kinder sollen es mal besser haben als wir es hatten, sollten die heutigen Eltern - aufgrund neuen pädagogischen Erkenntnissen in Sachen Erziehung - auch hier darauf achten, dass es ihre Kinder mal besser haben als die Generationen davor und dann sind wir wohl auf einem guten Weg.

 

Gemeinsam lernen

Wie gesagt, es gibt in der Erziehung kein allgemein gültiges Gesetz oder eine Anleitung über richtig und falsch. Eltern und Kinder müssen gemeinsam das Kinderhaben und das Kindsein erfahren. Damit wären wir wieder am Anfang und die Quintessenz aus alledem lautet: «Von allem ein wenig, aber von nichts zu viel.» Ich denke, ein gesunder Mix aus allem kommt der Wahrheit und Richtigkeit wohl am nächsten. Und zum Schluss noch dies: Lasst die Kinder doch einfach Kinder sein, denn sie gehen so oder so ihren eigenen Weg, mit oder ohne uns.

 

Das Zitat der Woche

«Kindererziehung ist ein Beruf, wo man Zeit zu verlieren verstehen muss, um Zeit zu gewinnen.»

(Jean-Jacques Rousseau war ein Schweizer Schriftsteller, Philosoph, Pädagoge, Naturforscher und Komponist. 28.6.1712 – 2.7.1778)

 

Musiktipp der Woche

Herbert Grönemeyer – «Kinder an die Macht» erschienen 1985

 

https://www.youtube.com/watch?v=oW1XlohEEdE

 

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Dany Kammüller, August 30, 2024 7:51 AM