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Menschlichkeit in der Arbeitswelt?
Unter dem Nebel bleibt vieles verborgen, sowie in der Arbeitswelt, auch dort spielt sich vieles im Verborgenen ab. Es ist Zeit, dass sich der Nebel auflöst. Bild: Dany Kammüller
Hat die Menschlichkeit in der heutigen Arbeitswelt noch Platz? Wenn ja, wie gross ist ihr Stellenwert? Wenn nein warum nicht? Praktisch jeder behauptet von sich, dass er Menschlichkeit lebt. Die Realität sieht leider anders aus.
Was versteht man eigentlich unter dem Begriff Menschlichkeit? Ich denke, in erster Linie zeigt sie sich im Respekt gegenüber unseren Mitmenschen. Weitere Attribute sind: Empathie, Rücksicht, Achtsamkeit, Toleranz, Ehrlichkeit, Direktheit, Mitgefühl, Verständnis und Authentizität. Doch leben wir tatsächlich noch nach diesen Grundsätzen? Ich meine ja, obwohl Menschlichkeit zum Beispiel in der heutigen Arbeitswelt immer mehr und mehr verdrängt wird, keinen Platz mehr hat, denn dort zählt vor allem eines: Leistung! Und wer nichts leistet, ist, so der Volksmund, nichts wert.
Stellenwert?
Es stellt sich daher die berechtigte Frage, was für einen Stellenwert Menschlichkeit in der Arbeitswelt wirklich noch hat. Gerade in der heutigen Zeit von Burn-on, Burn-outs und Depression gibt es immer mehr Menschen, junge wie alte, die den Anforderungen und Leistungen in der Arbeitswelt nicht mehr genügen. Sind diese Menschen also weniger wert als andere? Invalide, Kranke, Behinderte, Überforderte, Gebrechliche, Alte?
Massive Zunahme
Fakt ist, dass die psychische Erschöpfung von Arbeitnehmenden im vergangenen Jahr in der Schweiz einen neuen Höchststand erreichte, wie eine Umfrage von Travailsuisse zeigte. Jeder dritte Arbeitnehmer ist davon betroffen. Wir stehen vor einem sozialen Abgrund, einem Schlund, der uns droht zu verschlingen, wenn wir nicht bald handeln. Das Aufkommen der künstlichen Intelligenz verschärft die Lage zusätzlich, weil sich viele Arbeitnehmer vor einem möglichen Stellenverlust fürchten.
Fass ohne Boden
Die Umfrage von Travailsuisse zeigt auch, dass aus Folge von Stress gegenüber 2022 mehr Befragte wegen psychischen Belastungen ihre Stelle wechseln möchten. Als Folge davon sind psychische Probleme erstmals der Hauptgrund für eine IV-Rente. 820'000 Beschäftigte wollen ihre Stelle wegen des Stresses und der psychischen Belastung wechseln; das ist der reine Wahnsinn! Das letzte Barometer wies noch 650'000 Wechselwillige aus. Da tut sich ein Fass, ja gar ein Silo auf ohne Boden.
Handeln ist angesagt
Für Travailsuisse ist klar, dass nicht mehr Grippe oder Arbeitsunfälle das grösste Gesundheitsrisiko bei der Arbeit darstellen, sondern der Stress. Das sei ein Alarmzeichen. Ans Parlament richtet die Arbeitnehmerorganisation deshalb die Forderung, sich des Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz anzunehmen. Genau, denn da liegt des Pudels Kern begraben. Die Arbeitsbedingungen haben einen wesentlichen Einfluss auf die Gesundheit.
Der Staat sieht zu und tut nichts
Die soziale Gerechtigkeit in unserem Land, von der immer alle sprechen, bröckelt, und zwar massiv. Die Studie zeigt auch, dass sich rund 53 Prozent (!) der Erwerbstätigen emotional erschöpft, überbeansprucht und ausgelaugt fühlen. Immer mehr Erwerbstätige laufen daher Gefahr, in ein Burnout oder gar eine Depression zu geraten. Von allen Arbeitsbedingungen, die physische oder psychosoziale Risiken für die Gesundheit darstellen, hat Stress am stärksten zugenommen. Und was tut der Staat? Er sieht zu, sieht aber noch keinen Handlungsbedarf, tragisch! Schon heute belaufen sich die jährlichen Kosten auf rund 6.5 Milliarden Franken, weil Arbeitskräfte ausfallen oder weniger produktiv sind. Die bereits sichtbare Gefahr, die daraus resultiert, läuft immer mehr aus dem Ruder.
Menschlichkeit am Arbeitsplatz?
Das Hauptproblem der Überforderung liegt, wie zuvor erwähnt, am stetig zunehmenden Druck, der in der Arbeitswelt vorherrscht. Dazu gesellen sich eine fehlende Wertschätzung, Psychohygiene und mangelnde Menschlichkeit. Zudem, wer ständige erreichbar ist/sein muss, in der Freizeit, an Wochenenden und im Urlaub, brennt aus und die physische und psychische Erholung bleibt auf der Strecke. Die Folgen: Antriebslosigkeit, körperliche und seelische Erschöpfung, Angstgefühle, Schlafmangel, Müdigkeit und zunehmende nervliche Probleme etc. und am Ende steht dann das Burn-on, Burn-out und die Depression, das geht so lange weiter, bis es nicht mehr geht, doch dann ist es zu spät, für die Betroffenen als auch für den Staat. Es besteht dringender Handlungsbedarf, und zwar jetzt! Und mit jetzt meine ich jetzt und nicht erst morgen.
Das Zitat der Woche
Bei den meisten Erfolgsmenschen ist der Erfolg grösser als die Menschlichkeit.
(Daphne du Maurier, war eine britische Schriftstellerin 13.5.1907 - 19.4.1989)
Musiktipp zum Thema der Woche
Reinhard Mey: «Die Mauern meiner Zeit» - erschienen 1988.
https://www.youtube.com/watch?v=SBWvKDA2KgI
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Dany Kammüller, September 20, 2024 7:59 AM