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Bahnverkehr Schweiz: Super - mit Abstrichen
Die Schweizer Bahn ist mehrheitlich pünktlich und zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk, aber… Bild: z.V.g
Wenn uns am Stammtisch die Themen ausgehen, sprechen und beklagen wir uns gern mal übers Wetter oder über den öffentlichen Verkehr. Zwei Themen, über die man immer reden kann.
Das Wetter bei uns ist entweder zu nass, zu heiss, zu trocken, zu neblig oder zu kalt, aber es ist nie richtig und das geht gar nicht. So ähnlich verhält es sich mit dem öffentlichen Verkehr (ÖV): Zu teuer, zu wenig Personal, unpünktlich, dreckig, kein Platz, defekt etc. Eine kleine nicht immer ernstgemeinte Bestandesaufnahme.
Die Besten
Die Schweiz hat weltweit das dichteste Eisenbahnnetz, das jeden Tag von durchschnittlich 1.25 Millionen Menschen genutzt wird. Jeder Schweizer fährt im Schnitt 2451 Kilometer pro Jahr mit der Bahn. Das sind rund 1000 Kilometer mehr als die zweitplatzierten Franzosen und Österreicher. Pro Tag verkehren bei uns über 10’000 Züge. Das Schweizer Schienennetz gilt als das beste in Europa bezüglich der beförderten Personen, Pünktlichkeit, gefahrenen Kilometern pro Fahrgast und geringer Anzahl an Unfällen. Aber das hat natürlich seinen Preis.
Die Kosten
Der Schienenverkehr verursachte 2020 Gesamtkosten von zwölf Milliarden Franken. Davon entfielen 9.9 Milliarden auf den Personen- und 2.1 Milliarden auf den Güterverkehr. Dieser Luxus kostet halt auch. Ein General-Abonnement (GA) der 1. Klasse für Erwachsene beträgt im Jahr 6520- und in der 2. Klasse 3995 Franken. Das kann sich nicht jeder leisten. Selbst ein «Halbtax-Abo», kostet pro Jahr 190 Franken (Treuepreis 170 Fr.). 2023 wurden in Helvetien gesamthaft 192.9 Millionen Tickets verkauft, davon waren 447'116 GA’s.
Pleiten, Pech, Pannen
Schweizer Züge haben im Durchschnitt alle 13'000 Kilometer eine Panne. Das gilt für das Rollmaterial, nicht aber für die Abteile, Sauberkeit, Toiletten, Aircondition. etc. Für das Geld, das ein Bahnfahrer in der Schweiz berappen muss, darf er wenigstens darauf hoffen, dass die Infrastruktur in Takt ist. Das ist aber leider und des Öfteren nicht der Fall.
Sitzplatz – Stehplatz – 3. Klasse
Auch die Tatsache, dass es keine Garantie für einen Sitzplatz gibt, sorgt schon mal für heisse Köpfe. Vielleicht sollte man daher vergünstigte Tickets für Stehplätze einführen? Aufgrund fehlendet Sitzmöglichkeit kommt es immer wieder vor, dass Personen mit einem 2. Klasse-Ticket sich in der 1. Klasse niederlassen. Daher ist das mit der Fairness der Preise so eine Sache. Hinzu gesellen sich noch die Schwarzfahrer. 2023 wurden in der Schweiz rund 920'000 Schwarzfahrer erwischt. Damit entgingen dem Personentransport-Unternehmen rund 100 Millionen Franken. Vielleicht sollte man noch eine 3. Klasse einführen, indem man den Personenzügen, je nach Jahreszeit, geschlossene oder offene Güterwagons anhängt. Oder in Indien sitzen die Passagiere auch schon mal auf dem Dach der Züge, wird halt ein wenig problematisch bei Tunnels oder ab einer gewissen Geschwindigkeit.
Toiletten – Tickets
Eine weitere Ticketoption wäre ein «Goodie» für Fahrten mit oder ohne (defekten) Toiletten. Dies vor allem für Frauen, denn Männer haben diesbezüglich gewisse Vorteile 😊, da es ja auch noch Waschbecken gibt. Aber kommen Sie jetzt nicht auf dumme Gedanken … Vielleicht könnte man auf «Langstrecke» zum Beispiel zwischen Zürich und Genf, in Olten oder Bern einen «Pinkelhalt» einführen. 15 Minuten Pause für die Damen der Schöpfung, da diese in Sachen Toiletten eh benachteiligt sind, wie gewisse Schlangen vor WC-Anlagen immer wieder zeigen. Eine Umfrage des Schweizer Fernsehen ergab, dass 82 Prozent mit den Toiletten im ÖV nicht zufrieden sind. Noch Fragen…?
Vergleich
Aber wie dem auch sei, im direkten Vergleich mit den EU-Staaten, stehen wir echt gut da, ja wir sind gar weltweit in praktisch allen positiven Statistiken führend. Das darf man ruhig auch mal erwähnen. Zum Vergleich: Der grosse Kanton Deutschland liegt in fast allen EU-Statistiken auf den untersten Tabellenplätzen, sogar hinter Italien und Frankreich. Deshalb stellt sich am Ende noch die Frage: dürfen Mitarbeiter der Deutschen Bahn mit dem Zug zur Arbeit fahren? Oder müssen sie pünktlich da sein…?
Zitat der Woche
Der Sommer kam so spät, ich habe mich schon gefragt: Ist er mit der Bahn gekommen?
Anke Engelke ist eine deutsche Komikerin, Schauspielerin, Entertainerin, Sängerin und Moderatorin. Geb. 21.12.1965
Musiktipp der Woche
August Linder: «Auf d'r schwäb’sche Eisebahna». Erschienen 1853/1888, der genaue Zeitpunkt ist nicht belegt.
Zwei Versionen des deutschen Volksliedes
https://www.youtube.com/watch?v=VmXKU59PBpQ
https://www.youtube.com/watch?v=xR-uQ9ekKkE
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Dany Kammüller, October 25, 2024 6:33 AM