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Herbst - Zeit der Besinnung und des Abschieds
Im Herbst beginnt für die Natur eine leise, gemächliche Reise. Bild: Dany Kammüller
Für etliche Menschen ist die Weihnachtszeit die Zeit der Besinnung. Für mich ist es der Herbst, denn es die Epoche des Wandels und des Abschieds.
Ich mag die Stimmung im Herbst, wenn das Licht der Sonne golden und warm auf die Erde fällt. Wenn es nicht mehr so schwül und drückend heiss ist wie im Sommer, aber immer noch genug, um den Tag mit kurzen Hosen und T-Shirt zu bestreiten. Ich mag das Licht am Morgen, wenn der Bodennebel mystisch über die Felder schleicht und beim Aufgang der Sonne behäbig von dannen zieht. Ich mag es, wenn sich die Laubbäume im Wald langsam verfärben und wie eine Kirmes der Natur alles in eine einzigartige, ja förmlich explodierende Farbpalette verwandelt.
Meister Wind
Ich mag eigentlich alle Winde, aber die Herbstwinde verzaubern mich jedes Jahr immer wieder aufs Neue. Wenn ein Luftzug auf den anderen folgt und «Zephyr», wie die alten Griechen den warmen Westwind nannten, sanft durch die Wälder streift und dabei ganz sachte an den Blättern der Bäume zupft, um ihnen zu sagen, hey ihr Lieben es ist langsam Zeit für euch zu gehen. Vereinzelte Blätter folgen dem Befehl des Windes und schweben und tanzen schon in der Frühe des Septembers leise und beschwingt dem Boden entgegen. Allen anderen, die sich noch sträuben, zeigt Meister Wind mit all seiner Kraft, wer der Chef im Ring ist, wenn er in einem gewaltigen Herbststurm, grimmig, zornig und heulend übers Land, durch die Gassen der Städte und Dörfer fegt und alles mit sich reisst, was nicht niet- und nagelfest ist. Solch gewaltige Naturereignisse lösen bei mir oft eine gewisse Demut und Melancholie aus, denn diese wunderbaren Schauspiele zeigen uns immer wieder aufs Neue, wie klein und nichtig der Mensch gegenüber Mutter Natur doch ist.
Es wird ruhig
Die Natur bereitet sich langsam auf die kalten Wintermonate vor. Vereinzelte Vögel nahmen bereits Reissaus und flogen gegen Süden. Meister «Petz» frisst sich die letzten Fettreserven an, um sich dann in seiner Höhle zu verkriechen und den Winterschlaf anzutreten. Die Insekten bäumen sich teilweise ein letztes Mal auf, bevor auch sie sich ein warmes Plätzchen suchen, in der Hoffnung, dass der Winter mild und nicht eisigkalt wird, denn die Kälte bedeutet für sie den sicheren Tod. Auch das Rascheln an den Zweigen der Bäume verstummt, da sie nun kein Blattkostüm mehr tragen. Ein stummer, lieblicher Frieden hält Einzug und es wird ruhig und ruhiger auf den Feldern, Wiesen und in den Wäldern. Es ist die Zeit des Abschieds. Die Natur sagt adieu, bevor sie nach fünf, sechs Monaten wieder erwacht und ein neuer Zyklus des Lebens beginnt.
Die Menschen
Und was tut ein Grossteil der Menschen im Herbst? Die meisten verbannen erstmals ihre Sommerklamotten wehmütig im Kleiderschrank und tauschen die Badehosen gegen Handschuhe, Kappen und Winterjacken. Aber die Menschen werden nicht ruhiger, im Gegenteil, denn für sie beginnt nun der grosse Run aufs Weihnachtsgeschäft. Laufen, laufen hier und dort Geschenke kaufen. Ja nicht rasten, denn keiner will rosten. Daher hat auch kaum einer Zeit, um nach links oder rechts zu sehen, um die Bilder der Natur zu verstehen.
Keine Zeit
Nein, der moderne Mensch hat keine Zeit, er ist stets am Hasten, statt mal zu rasten, er hat keine Zeit zum Verweilen, denn er muss noch ganz schnell hier und dorthin eilen. Und bevor man versteht, was wirklich abgeht, folgt nach Weihnachten auch schon Silvester mit einem grossen «Bumm und Bäng». Mit Knaller und Raketen will man das neue Jahr begrüssen und tritt damit die Tiere in der Natur einmal mehr mit Füssen. Was schert uns ihre Angst und ihre Pein, ihre Furcht so verlassen und allein? Wen interessiert es, denn ehe man sich versieht, was in der Natur links und rechts geschieht, stehen auch die Narren schon bereit für die fünfte Jahreszeit, um in grossem Reigen den Winter auszutreiben. Und bedenkt, auch Ostern ist nicht mehr weit und Pfingsten steht auch schon bereit und der Mensch …? Er hat leider nach wie vor keine Zeit …
Vorbild Natur
Vermutlich sollte sich der eine oder andere an der Natur ein Beispiel nehmen und lernen, das Leben ein klein wenig ruhiger anzugehen. Wie heisst es doch in einem Sprichwort: «Nimm dir Zeit und nicht das Leben.» Das bedeutet, dass man sich Zeit nehmen sollte, um Dinge sorgfältig und mit Bedacht zu planen, anstatt zu hetzen und dadurch möglicherweise Fehler zu begehen oder sich selbst zu schaden. Es betont die Wichtigkeit von Geduld und Achtsamkeit. Es ist eine Erinnerung daran, dass das Leben kostbar ist und man es nicht durch unnötigen Stress oder Eile gefährden und vergeuden sollte. Also so, wie es die Natur macht. Sie kennt keinen Stress und den Stress, den sie allenfalls hat, ist von Menschenhand gemacht. Vergesst nie, der Mensch ist ein Teil der Natur, darum sollten wir sorgsam mit ihr umgehen, denn wer ihr schadet, schadet am Ende auch sich selbst.
Das Zitat der Woche
Der kluge Mensch nimmt von der Natur, ohne ihr zu schaden. Autor unbekannt, vermutlich aber von einem Mitglied eines indigenen Volkes aus Nordamerika.
Musiktipp der Woche
Kitaro: As the Wind blows (Wie der Wind weht). Erschienen am 22. Februar 2005.
https://www.youtube.com/watch?v=q0Dug3rP4Jw
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Dany Kammüller, November 15, 2024 9:04 AM