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In der Stille der Nacht
Ich wünsche allen schöne, besinnliche Festtage ... Bild: Dany Kammüller
Wie sagte doch dereinst Altbundesrat Adolf Ogi: «Freude herrscht». Ja, und auch jetzt soll Freude herrschen. Freude im Hinblick auf das grosse Fest der Liebe. Vorfreude auf feine Gerichte, auf schöne, kleine, grosse, von herzen kommende Geschenke und auf ein geselliges Zusammensein. Geniesst es, denn man weiss nie, wie oft man die Menschen noch sieht, mit denen Sie in diesem Jahr feiern.
Zu Weihnachten hin überkommt mich jedes Jahr eine gewisse Demut. Wenn ich sehe, was ich alles habe und eigentlich gar nicht brauche. Wenn ich an die Menschen denke, die irgendwo in einem Hauseingang oder unter einer Brücke in der klirrenden Kälte sitzen und darauf hoffen, dass sie das nächste Tageslicht noch sehen. Ich denke auch an all die Menschen, die kurz vor Weihnachten den blauen Brief erhielten, in dem man ihnen mitteilte, dass man im kommenden Jahr nicht mehr auf ihre Dienste angewiesen sein wird. Wer Glück hat, erhält einen kleinen Bonus, eine goldene Uhr oder ein Empfehlungsschreiben oder nach 30 oder 40 Jahren einfach einen Tritt in den Hintern ohne ein Wort des Dankes, nichts … …erbärmlich!
Abgestempelt
Daher denke ich auch an die Arbeitslosen, die in der heutigen Gesellschaft schon ab 50 zum alten Eisen zählen und auf dem Arbeitsmarkt praktisch keine Chancen mehr haben. Da nützen auch keine 200 Stellenbewerbungen, zumal man ja weiss, dass man diese und jene Stelle nicht erhalten wird. Und nach zwei Jahren Arbeitslosigkeit ist eh Ende Gelände, man wird ausgesteuert und gerät in der heutigen, leistungsorientierten Gesellschaft in Vergessenheit.
Die Arbeitenden
Ich denke aber auch an die Menschen, die zwischen Weihnachten und Neujahr arbeiten, damit das gesellschaftliche Leben weiter funktioniert und wir uns sicher fühlen können. Die Polizei, die Leute vom Strassendienst und in diversen Spitälern, die sich um Kranke und Verunfallte kümmern. Die Feuerwehr, die ausrücken muss, weil wieder irgendjemand einen Christbaum abgefackelt hat, den Gänsebraten im Ofen vergessen oder den Festbraten unter dem Dunstabzug flambiert hat. Die Bäcker, die unser tägliches Brot backen, die Taxifahrer, die Betrunkene nach Hause chauffieren, etc. etc.
Feine Gesellschaft
Ich denke an die Menschen, die allein sind, die in ihrer Wohnung oder im Altenheim ein stilles, einsames Dasein fristen. Ich denke an die Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, weil ein paar gehirnamputierte, menschenverachtende Schwachköpfe, ihren Nachbarn zu Weihnachten statt Wärme, Freude und Nächstenliebe Bomben, Leid, Tod und Not «schenken». Ich denke auch an die feine Gesellschaft, die weit mehr tun könnte, als mit ein paar Geldscheinen an Gott und die Welt ihr Gewissen zu beruhigen.
Alle anderen und viele mehr
Ich denke auch an all die Menschen, die einen geliebten Menschen verloren haben, den sie zu Weihnachten hin unsagbar vermissen. Ich denke an die Menschen, die mir wichtig sind, die ich aber schon lange nicht mehr besucht oder ihnen angerufen habe. Und am Ende, denke ich auch an all die Menschen, die ich hier vergass zu erwähnen; sie mögen mir verzeihen.
Ich selbst …
…schwelge in der Stille der Nacht in meiner alljährlichen Demut und denke, dass es langsam Zeit wird, dass ich mich von diesem oder jenem endlich trennen sollte. Von all den Dingen, die ich habe, die ich aber nicht brauche, die aber vielleicht einem anderen Menschen von Nutzen sein könnten. Ich werde es tun, demnächst, vielleicht schon morgen. In diesem Sinne wünsch ich euch allen gesegnete, frohe und zufriedene Festtage und alles Gute fürs neue Jahr.
Zitat zur Weihnacht
Ich werde Weihnachten in meinem Herzen ehren und versuchen, es das ganze Jahr hindurch aufzuheben. Charles Dickens, englischer Schriftsteller 7.2.1812 - 9.6.1870
Musiktipp zu Weihnachten
Michael Hoppé: Eventide https://www.youtube.com/watch?v=DjCXvar2Xh0
Eure Meinung interessiert mich
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Dany Kammüller, December 24, 2024 11:57 AM