Aktuelles/Blog
Süddakota, Nebraska, Wyoming
3000 Kilometer durchs Land der Lakota
Unendliche Weiten und traumhafte Bilderbuch – Landschaften haben uns auf der Reise durchs Land der Lakota begleitet. Fotos: Dany Kammüller
Man kann über die Vereinigten Staaten von Amerika (USA) sagen und denken was man will, doch Fakt ist, viele Menschen können nichts dafür, was derzeit dort abläuft. Im Gegenteil, sie sind Opfer der aktuellen «Trump-Politik» und es sind einmal mehr die Schwächsten und Ärmsten, die darunter leiden. Auch die indigene Bevölkerung ist davon betroffen. Mir wurde anlässlich meines Urlaubs in Süddakota die Ehre zu teil, diese Menschen zu besuchen.
Nachdem die US-Regierung die Lakota und die anderen Stämme zwischen 1860 bis 1890 in die Reservation gezwungen hat, wurde alles unternommen, um die alte Lebensweise und Kultur der «Native Americans» zu vernichten. Man tötete die Bisons und das Land wurde nach Strich- und Faden ausgebeutet. Die Kinder wurden den Eltern entrissen und in staatliche Schulen gesteckt. Dort durften sie weder ihre Sprache sprechen noch ihre alte Kultur ausleben. Die Verbote reichten stellenweise bis in die Mitte der 1980er Jahre (!).
Gegenwart
Der indigene Stamm der Lakota wohnt heute im Armenhaus der USA. Im Reservat von Pine Ridge, dem achtgrössten US-Reservat, leben die Ärmsten der Armen. Sie haben die höchste Arbeitslosenquote (75 bis 89 %), Kriminalitätsrate, viel Drogenmissbrauch und die Suizidrate bei Kindern und Jugendlichen ist viermal so hoch wie im Landesdurchschnitt. Mehr als 80 Prozent der dort lebenden indigenen Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Reservats - Bewohner liegt bei etwa 50 Jahren.
Stolz und Würde
Viele Indigene sind arm, wie die Kirchenmäuse und doch haben einige von Ihnen nicht vergessen, wer und was sie sind und woher sie kommen. Sie sind unter anderem die Nachfahren von Red Cloud, Crazy Horse, Sitting Bull oder Big Foot (auch bekannt als Spotted Elk), der am 29. Dezember 1890 beim Massaker von «Wounded Knee» ums Leben kam. Eine Minderheit der Indigenen versucht heute die alte Kultur und ihre Werte wieder aufleben zu lassen. Ein schweres, herausforderndes Unterfangen, denn kaum einer der Jugendlichen spricht noch die alte Sprache, aber es sind starke Bestrebungen im Gange, diese wieder zu erlernen. Der Stamm der Lakota zählt zu den vom Aussterben bedrohten Völkern. Man hat ihnen fast alles genommen, doch eines konnte man ihnen trotz ihrer traurigen Geschichte bis heute nicht nehmen: Ihren Stolz und ihre Würde.
Eine Minderheit der Indigenen bemüht sich darum die alte Kultur ihrer Vorfahren wieder zu beleben.
Kultur und Landschaftsreise
In diesem Sommer erfüllte ich mir zusammen mit meiner Frau und zehn weiteren Zeitreisenden einen Lebenstraum. Wir flogen von Zürich via Chicago nach Rapid City. Die Reise wurde von Charly Juchler geleitet und begleitet. Charly wanderte vor über 30 Jahren aus der Schweiz aus, um sich in der Region Keystone im östlichen Teil der Black Hills in Süddakota niederzulassen. Seitdem bietet er diverse Reisen ins Land der Indigenen an, unter anderem eben auch Kultur- und Landschaftsreisen. Und genau eine solche Reise durfte ich in diesem Sommer miterleben.
Die andere Wahrheit
Charly Juchler arbeitet intensiv mit den indigenen Stämmen zusammen. Er unterstützt die Menschen, wie und wo er nur kann. Er kauft ihnen ihre selbstgefertigten Produkte ab, die er dann weiter veräussert. Er organisiert Kanu- und Reitausflüge, Fahrten zu den grossen Denkmälern und den heiligen Stätten. Zudem auch Themenabende in Form von Workshops, Kultur und Philosophie - Vorträge und vieles anderes mehr. Dank ihm erhält man tiefe Einblicke in die indigene Kultur, die Geschichte, ihr Schaffen, ihr Leben aber auch in ihr Leiden, ihre Ängste und Sorgen. Bei diesen Trips handelt es sich um beindruckende Zeitreisen für Meschen, welche die tatsächliche Geschichte der indigenen Völker erleben, begreifen und erfahren möchten, denn eines sei uns «Wasichu» (Weissen) bewusst: Vieles, was in den Geschichtsbüchern steht, wurde nicht von den Indigenen geschrieben sondern von den weissen Eindringlingen, die seit der Zeit von Christoph Kolumbus, den Indigenen alles nahmen, was sie hatten, am Ende auch ihre wahre Geschichte.
Links: «Fire Thunder» vom Stamm der Lakota und Charly Juchler unser Scout, führten mit uns einen Vortrag/Workshop durch über die gelebte traditionelle Lakota-Kultur von heute.
Traumhafte Natur
Die Landschaften von Süddakota, Nebraska und Wyoming gehören zu den schönsten und eindrucksvollsten Gebieten in ganz Amerika. Es sind dies unter anderem das Pine Ridge - und Rosebud Reservat, die Badlands, Wounded Knee, Black Hills, (Paha Sapa), und, und, und… Die illegale Besiedlung Süddakotas begann vor rund 151 Jahren, als man in den Black Hills Gold fand. Für dieses Land bot man den Sioux die lächerliche Summe von rund sechs Millionen US-Dollar und als Ersatz das wertlose aber für die Lakotas heilige Gebiet der Badlands, die wohl fürs Auge wunderschön sind aber fürs Herz einen traurigen Anblick bieten. Sand, Felsen, Steine und Staub. In all diesen steinigen Formationen sah ich immer wieder die stolzen, aber auch traurigen Gesichter der verstorbenen indigenen Menschen.
Wahrzeichen der Schande
Man hat den indigenen Völkern das Land geraubt, sie verachtet, missbraucht, schikaniert, vertrieben, ermordet, bis aufs Blut ausgebeutet und lächerlich gemacht. Ein Wahrzeichen dieser Respektlosigkeit und Schande ist das «Mount Rushmore Monument», das vom 4. Oktober 1927 bis 31.Oktober 1941, in den heiligen Bergen der Lakota in den Felsen gemeisselt wurde. Aber es sei vermerkt, dass man ein solches Werk heute wohl nicht mehr realisieren würde. Zum Wohlwollen der Lakotas und den rund zwei Millionen Menschen, die dieses Monument jährlich besuchen, finden dort regelmässig Veranstaltungen statt in denen man den Besuchern die Kultur und die Geschichte der indigenen Völker näherbringt.
Massenhinrichtung
Auf dem 1745 Meter hohen Mount Rushmore wurden die Köpfe von vier US-Präsidenten erstellt, es zeigt v.l.n.r.: George Washington (1. US-Präsident), Thomas Jefferson (3.), Theodore Roosevelt (26.) und Abraham Lincoln (16.). Das Porträt des Letztgenannten ist dabei sehr problematisch, denn dieser verfügte am 26. Dezember 1862 die grösste Massenhinrichtung der US-Geschichte, bei der 38 Lakota gehängt wurden. Der Berg verdankt seinen Namen dem New Yorker Anwalt Charles Rushmore, der ursprünglich die Goldschürfrechte für das Gebiet erwarb. 1948 entstand die Idee, auch zu Ehren des Häuptlings Crazy Horse ein Memorial zu erstellen. https://reisetipp-usa.de/south-dakota/crazy-horse-memorial
Der «Devils Tower» in Wyoming ist 265 Meter hoch und rund 150 Meter breit. Der Felsen hat für viele indigene Völker eine besondere, heilige Bedeutung. Bekanntheit erlangte er auch durch den Film «Unheimliche Begegnung der dritten Art» von Steven Spielberg.
Keine Ahnung
Ich dachte immer, ich hätte eine Ahnung vom Leben und der Geschichte der indigenen Völker Nordamerikas. Auf dieser Reise wurde ich jedoch eines Besseren belehrt. Dank unserem Scout Charly erfuhr ich so viel Neues über diese Völker, deren Leben und Kultur, so dass ich mir stellenweise vorkam wie ein Nichtswissender. Ich wurde nach fast drei Wochen und einer Reise von rund 3000 Kilometern in diesem Land neu geboren. Ihr wisst, ich kann mich grundsätzlich gut ausdrücken. Doch während und nach dieser Reise fehlten/fehlen mir oft die Worte, um all das zu beschreiben, was ich dort erleben durfte. Ich bin nach wie vor zutiefst beeindruckt. Ich bin sicher, diese Erfahrungen werden mich für den Rest meines Lebens begleiten.
Danke Charly & Silvia
Daher möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal bei unserem Scout Charly Juchler und seiner Partnerin Silvia Matter für diese wunderschöne, atemberaubende Reise bedanken, die wir in den knapp drei Wochen erleben und erfahren durften. Ein weiterer Dank geht an Jürg Müller, dem zweiten Fahrer, sowie an alle Zeitreisenden, die uns auf diesem Abenteuertrip begleiteten.
Chante eta’n Reisen
Liebe Leute, falls auch ihr einen tiefen Einblick in die Welt der indigenen Stämme erleben möchtet, kann ich euch Charly Juchler und sein Team aufs Wärmste empfehlen. Ich bin davon überzeugt, dass sich auch euer Leben danach verändern wird. Erfahre mehr unter nachfolgendem Link. https://www.chanteetan.com/
Literarischer Tipp
Wer mehr über die «wahre» und schonungslose Geschichte der indigenen Völker erfahren möchte, dem empfehle ich das Buch von Dee Brown, mit dem Titel: «Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses». Der bekannte Autor C.W. Ceram sagt über dieses Buch: «Hier wird eine Legende zerstört, der Vorhang vor bitterer Wahrheit gelüftet. Nie zuvor wurden die Schrecken besser notiert als hier in der Geschichte vom Untergang des Roten Mannes. Man könnte sagen: Dieses Buch ist mit Blut und Tränen geschrieben.» ISBN: 4-326-00351-1
Irgendwann endet alles dort, wo es begonnen hat – bei den heiligen Bergen.
Das Zitat der Woche
Meine Heimat ist dort, wo meine Ahnen begraben sind.
Lakota Häuptling Crazy Horse 1838 - 5.9.1877, Fort Robinson, Nebraska, USA
PS: Es ist wichtig zu beachten, dass viele Zitate nicht von Crazy Horse selbst aufgezeichnet wurden, sondern von seinen Zeitgenossen überliefert wurden. Daher können sie leicht variieren, aber sie vermitteln dennoch die Essenz seiner Überzeugungen und seines Lebens.
Musiktipp der Woche
Lakota Lullaby (Great Spirit) Native American
https://www.youtube.com/watch?v=KbH1kXZJYTI&list=RDKbH1kXZJYTI&start_radio=1
Eure Meinung interessiert mich
Kommentare, Kritiken, etc. sind zu richten an: info@dakapublic.ch Wenn euch gefällt, was ihr hier lest, sagt es weiter, wenn nicht, dann auch. Meine Texte dürfen auch gern geteilt und weitergeleitet werden.
Dany Kammüller, August 15, 2025 6:15 AM