Aktuelles/Blog
Wie funktioniert das Leben auf engem Raum?
Unsere Nachbarschaft
Die lieben Nachbarn, man kann sie mögen oder auch nicht. Bild: Von Henning auf Pixabay
Im August 2022 publizierte das Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) eine interessante Studie zum Thema: «Wie funktioniert die Schweizer Nachbarschaft.» Daraus ging unter anderem hervor, dass ein funktionierendes Zusammenleben auf folgenden drei Stützen steht: Respekt, Rücksichtnahme und eine aktive Kommunikation.
Eines vorab: Rund 75 Prozent der Schweizer Bevölkerung fühlt sich in ihrer Nachbarschaft grundsätzlich wohl und zufrieden. Die Menschen vertrauen sich, auch wenn sie ein eher distanziertes Verhältnis haben. Dabei kristallisierten sich vier Hauptgruppen heraus.
Die Distanzierten
Sie mögen flexible Distanz: Unangemeldete Besuche sollte man hier wohl besser unterlassen. Privatsphäre wird bei ihnen grossgeschrieben und man schätzt den unkomplizierten Austausch an Anlässen. Dies bedeutet aber nicht, dass die Haustür hier stets offensteht.
Die Inspirationssucher
Welche neuen, inspirierenden Lebensformen gibt es? Wie schaffen wir es, gemeinsam ein kreatives Projekt auf die Beine zu stellen? Respekt und Solidarität werden aktiv gelebt, regelmässiger Austausch in der Nachbarschaft gehört für sie einfach dazu.
Die Beziehungspfleger
Die Nachbarschaft als erweiterte Familie? Kein Problem. Das Gemeinschaftsgefühl steht dabei im Mittelpunkt. Vorherrschend dabei ist in erster Linie gelebte Toleranz. Mit Werkzeug aushelfen, kleine Installationen, etc.
Die Werteorientierten
Sicherheit, Verlässlichkeit und gemeinsame Werte stehen für diese Nachbarn im Zentrum: Spielregeln sind da, um befolgt zu werden. Auch punkto Ordnung und Sauberkeit ist man sich einig. Respektvolle Distanz und Hilfsbereitschaft sind ihr A und O. (Quelle: GDI)
Die Einzelnen und Speziellen
Oben stellte ich euch die vier vom GDI eruierten Hauptgruppen vor. Aber natürlich gibt es in jeder Nachbarschaft immer auch ganz spezielle Menschen. Eigenbrötler, Besserwisser, Nörgler und Tratschtanten, etc. Hier ein kleiner Querschnitt. Alle hier nicht explizit genannten weiblichen beziehungsweise männlichen (Genter-) Formen gelten jeweils für alle Geschlechter.
Die Tratschtante
Was wäre ein gutes Quartier ohne eine Tratschtante, die über alles und jeden Bescheid weiss. Sie weiss, wer aus dem Haus geht und wer nach 24 Uhr heimkommt. Sie kennt die neuesten Neuigkeiten und ist sich nicht zu schade, das allen und jedem brühwarm zu erzählen. Mit der Wahrheit nimmt sie es nicht so genau, aber sie ist halt, wie sie ist.
Die Quasselstrippe
Sturmangriff auf jeden der nicht rechtzeitig ausweichen kann. Sie ist eine Verwandte der Tratschtante. Diese zwei unterhalten sich gerne mit jedem und allen und am liebsten einen halben Morgen lang mit ihren Sirenenstimmen im Treppenhaus, wenn andere gern noch ein wenig schlafen würden. Da hilft dann höchsten Mal ein lautes und ernstklingendes «RUHE!»
Der Nörgler und Besserwisser
Auf diesen Schlag von Mitmenschen würde man gern verzichten, denn er kann und weiss alles besser und findet immer einen Grund zum Nörgeln. Die Schuhe stehen am falschen Ort, der Kinderwagen kommt in den Weg, das Treppenhaus ist nicht sauber. Die Nachtruhe wurde nicht eingehalten. Er hat einfach bei allen und allem, was auszusetzen. Ob er im Recht ist oder nicht spielt keine Rolle, Hauptsache alle tanzen nach seiner Pfeife.
Der Verstohlene
Bei ihm weiss man nie so recht, wer man vor sich hat. Keiner weiss, wo und was er wirklich arbeitet. Seine Storen sind immer geschlossen, er spricht fast mit niemandem und blickt immer auf den Boden, wenn er einem begegnet. Ein seltsamer Kauz, der in seiner eigenen Welt lebt. Mysteriös! Aber solange er nichts Verbotenes macht, lässt man ihn einfach in Ruhe.
Der Quartierpolizist
Bei ihm muss die Schneeschaufel in korrektem Winkel zur Wand stehen. Die Fahrräder gehören in den Unterstand und nicht vor die Haustüre. Er weiss genau, wer wann Waschtag hat und dementsprechend die Waschküche putzen muss. Vermutlich wollte er mal Polizist werden und hat die Aufnahmeprüfung nicht bestanden. Er freundet sich auch gern mit dem Nörgler und Besserwisser an.
Der Macher
Er ist immer da, wenn man ihn braucht. Stets mit einer helfenden Hand oder einem guten Tipp zur Stelle, oft hat er auch die Position des Hauswartes inne oder zumindest dessen verlängerten Arme. Er ist freundlich und zuvorkommend. Auf ihn ist Verlass und er hat etwas Kumpelhaftes an sich.
Zusammengefasst
Ich denke, wer mit Anstand, Respekt, Toleranz, Würde, Ehrlichkeit und einer Prise Humor durchs Leben geht, ist grundsätzlich ein guter Nachbar. Hinweis: Jegliche Ähnlichkeit mit lebenden oder verstorbenen Personen, Ereignissen oder Schauplätzen in diesem Bericht sind rein zufällig. Wer sich trotzdem, aus welchen Gründen auch immer, direkt betroffen oder angesprochen fühlt, ist selbst schuld/verantwortlich.
Das Zitat der Woche
Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.
Friedrich Schiller - deutscher Arzt, Dichter & Philosoph 10.11.1759 – 9.5.1805
Musiktipp der Woche
Udo Jürgens: «Ein ehrenwertes Haus». Die Single erschien 1975
https://www.youtube.com/watch?v=PXLiQdFClR4&list=RDPXLiQdFClR4&start_radio=1
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Dany Kammüller, September 5, 2025 5:33 AM