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Ein Millionen Business
Das Geschäft mit Adresshandel floriert
In der Schweiz gibt es rund 50'000 – 200’000 Briefkastenfirmen. 15'000 bis 20'000 davon haben ihr Domizil im Kanton Zug. Bild Dany Kammüller
Die genaue Anzahl von Briefkastenfirmen im Kanton Zug ist nicht bekannt. Aber gemäss Schätzungen sollen es zwischen 15'000 bis 20'000 sein (Stand 2025).
Kürzlich fiel mir bei einem Geschäftshaus zwischen Baar und Zug auf, dass an einem einzigen Briefkasten 37 Firmen aufgelistet sind. Wow, dachte ich mir, nicht schlecht Herr Specht. Das ist interessant, also machte ich mich auf die Socken und fand heraus, dass sich an gewissen «Hotspots» im Kanton Zug bis zu 300 Firmen pro Adresse vereinen – Wahnsinn!
Was sind Briefkastenfirmen?
Eine Briefkastenfirma ist ein Unternehmen, das rechtlich existiert, aber keine physischen Geschäftsaktivitäten an seinem eingetragenen Sitz hat. Aber die Firmen nutzen eine Postanschrift als Briefkasten, oft in Ländern mit niedrigeren Steuern, um Vermögenswerte zu verwalten oder den Standort zu verschleiern. Obwohl per se nicht alle Firmen illegal sind, können sie zur Steuerhinterziehung und Geldwäsche genutzt werden, was zu negativer öffentlicher Wahrnehmung und rechtlichen Problemen führen kann.
Davon lässt sich gut leben
Die Preise für die Nutzung eines fremden Briefkastens sind sehr unterschiedlich. Die übliche Grundgebühr beginnt bei rund 100 Franken im Monat. Wenn die Post weitergeleitet werden soll, kommen weitere 40 Franken dazu. Und wenn man einmal pro Woche ein virtuelles Büro in Anspruch nehmen will, werden weitere 159 Franken pro Nutzung fällig. «Summa Summarum» für die hier vorgestellte, fiktive Variante, ergibt das im Monat Kosten von rund 776 Franken für nur eine Firma. Bei 300 Firmen beliefe sich der monatliche Umsatz auf rund 232'800 Franken.
Millionenbeträge
Gemäss Schätzungen gibt es in der Schweiz rund 50'000 – 200’000 derartige Firmendomizile, davon entfallen etwa 15'000 bis 20'000 allein auf den Kanton Zug. Multipliziert man nun die oben beschriebenen monatlichen Kosten von 776 Franken mit den 15'000 bzw. 20'000 Firmen kommt man auf die astronomische, monatliche Summe von 11'640'000 Franken bzw. 15'520'000 Franken. Die Preise im Luxussegment sind nach oben offen. Noch Fragen …?
Big Business
Der Handel mit derartigen Adressen ist ein «Big Business». Es gibt diverse Firmen, die sich auf diesen Geschäftsbereich spezialisiert haben. Man wusste wohl, dass es solche Sachen gibt, aber das Ausmass war lange hinter dicken Vorhängen verborgen. Daher horchte die Welt im April 2016 auf, als nach einem gewaltigen Datenleck Dokumente aus der panamaischen Kanzlei «Mossack Fonseca» an die Öffentlichkeit gelangten. Bei der Veröffentlichung der Panama Papers wurden rund 11.5 Millionen Dokumente, die eine grosse Anzahl an Namen und den zugehörigen Finanzinformationen von Personen und Unternehmen aus Offshore-Firmen aufgedeckt. Der Schaden war und ist für die Betroffenen nach wie vor gewaltig.
So einfach
Wie kommt man an eine Geschäftsadresse im Kanton Zug? Nichts einfacher als das, siehe im Internet unter: https://www.officeclub.com/briefkasten-mieten/zug-schweiz Es gibt immer mehr derartige Firmen und alle machen mit, ob legal oder illegal. Die Justiz kann gar nicht so schnell reagieren, wie derartige Unternehmen aus dem Boden schiessen. Und selbst wenn der eine oder andere Fisch ins Netz gehen sollte, muss das Gesetz ihnen erst nachweisen, dass sie etwas Illegales getan haben. Eine Sisyphusarbeit, bei der das Gesetz oft in die Röhre blickt. Ja, liebe Leute, so ist das, die Kleinen bestraft man und die grossen lässt man laufen, denn die Schlupflöcher sind bei solchen Firmen so vielseitig wie das Business selbst. PS: Genaue Zahlen über die Existenz von Briefkastenfirmen gibt es nicht, da keine zentralen Register darüber geführt werden.
Das Zitat der Woche
Wenn man kein Geld hat, denkt man immer an Geld. Wenn man Geld hat, denkt man nur noch an Geld.
Jean Paul Getty, US - Industrieller und Kunstmäzen. 15.12.1892 – 6.6.1976
Musiktipp der Woche
Doppenberg: More than Ever (Steigerungs-Trance-Sound) veröffentlicht am 8.7.2021 auf Youtube..
https://www.youtube.com/watch?v=d3dFplY4VDw&list=OLAK5uy_ltTI-PBf93GvSsRsz6Lb03U-kpGoC_14M&index=3
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Dany Kammüller, November 14, 2025 8:55 AM