Aktuelles/Blog
Kranke Medienwelt
Ausgeklinkt!
Ich arbeitete rund 30 Jahre in der Medienwelt. 30 Jahre an vorderster Front, dort wo die Musik spielte. Ich habe mir für diesen Job den Hintern aufgerissen, weil ich es liebte für Recht und Gerechtigkeit zu kämpfen. Mir gefiel es im Dreck zu wühlen, Hindernisse zu überwinden, nach der Wahrheit zu suchen, Unrecht aufzudecken und meine Recherchen und Erkenntnisse mit den Leser/innen zu teilen…
…doch dann kamen mehr und mehr die vermeintlich sozialen Medien auf und mit ihnen Falschmeldungen, verdrehte Fakten, als auch mit KI erstellte Texte, die schamlos als Eigenleistung präsentiert werden. Damit trat eine Gilde auf den Plan, die dem herkömmlichen Journalismus den Rücken kehrte. Heute werden vielerorts eingesandte Pressemitteilungen mehr oder weniger 1:1 übernommen, mit ein paar Bildern oder einer Expertenmeinung geschmückt und aus die Maus. Qualitätsjournalismus und Berufsethik? Fehlanzeige!
Leserzahlen & Platzfüller
Die Artikel in den Zeitungen wurden auch zusehends länger. Das Ziel besteht wohl darin, mit wenig Aufwand und grossen Bildern möglichst viel Platz zu füllen. Für echte, tiefgreifende (investigative) Recherchen fehlen vielerorts Zeit und Geld. Daher traten vermehrt getarnte Werbeartikel (PR) in den Vordergrund, die man den Lesern als redaktionelle Arbeit verkauft. Ich denke, das ist mitunter ein Grund, warum das Werbevolumen stetig schrumpfte und die Leserzahlen zunehmend einbrachen.
Wertlos
Echt jetzt Leute, ich hatte keine Lust mich mit Falschmeldungen und KI-generierten Texten etc. herumzuschlagen. Darum lese ich seit über vier Jahren keine Zeitungen mehr, weder gedruckt noch digital. Ich blättere sie sporadisch durch, nur um festzustellen, dass viele Zeitungen heute nicht einmal mehr das Papier wert sind, auf dem sie gedruckt sind.
Keine Ahnung
Hinzu kam die Tatsache, dass anstelle von wirklich guten Verlagsleitern/-Besitzern der alten Schule, mehr und mehr charakterlose Wichtigtuer/innen und üble Manipulatoren/innen ohne echte Führungsqualität das Zepter übernahmen. Menschen, die von journalistischer Arbeit so viel Ahnung haben, wie eine Kuh vom Bergsteigen. Profit ist ihnen wichtiger als guter Journalismus. Ja klar, es braucht beide Seiten, jene, die den Umsatz generieren und die anderen, die dafür sorgen, dass sich das Produkt gut verkauft.
Einheitsbrei
Aber wie dem auch sei, die Medienwelt, so wie ich sie kannte, gibt es, mit wenigen Ausnahmen, nicht mehr. Und jene, die es noch gibt, kann man locker an einer Hand abzählen. Kleine und mittlere Unternehmen wurden aufgekauft oder eingestellt und grosse Verlage fusionierten mit noch grösseren Platzhirschen. Dabei wurden diverse Stellen im grossen Stil schonungslos wegrationalisiert und jene Mitarbeiter/innen, die übrig blieben, in Grossraumbüros (News-Rooms) verfrachtet. Dort verfassen sie Meldungen, deren Themen von ganz oben diktiert werden und die von fusionierten Medien übernommen werden müssen. Es entstand ein grosser Einheitsbrei.
Unabhängiger Journalismus
Zudem trat auch die Aktualität von gedruckten Medien immer mehr ins Hintertreffen, da die neuen Medien eine viel kürzere Reaktionszeit haben. Wie heisst es doch so schön: «Es gibt nichts Älteres als eine Zeitung von gestern.» Nein echt Leute, ich habe mich da längst ausgeklinkt. Darum blogge ich heute, zumal ich damit bei niemandem mehr Rechenschaft ablegen oder auf irgendwelche Kunden, politische Parteien oder Verlagsprostituierte Rücksicht nehmen muss. Es lebe der freie, unabhängige und ehrliche Journalismus! In diesem Sinne liebe Medienleute von heute, wünsche ich euch weiterhin ein frohes Schaffen, beim 1:1 - Absetzen von eingesandten Texten, platzfüllenden PR-Artikeln und grossen Bildern.
Das Zitat der Woche
Die Presse muss die Freiheit haben, alles zu sagen, damit gewisse Leute nicht die Freiheit haben, alles zu tun. Alain Peyrefitte französischer Politiker 26.8.1925 - 27.11.1999
Musik-Tipp der Woche
Val Muklenov: «Whispers in the Silence». Die Frau hat eine Stimme, da fliegen euch die Ohren weg! Das müsst ihr euch reinziehen. Lautstärke voll aufdrehen! Hammer! Veröffentlicht am 5.2.2026
https://www.youtube.com/results?search_query=val+muklenov+whispers+in+the+silence
Eure Meinung interessiert mich
Vorschläge, Kommentare, Kritiken, etc. sind zu richten an: info@dakapublic.ch Wenn euch gefällt, was ihr hier lest, sagt es weiter, wenn nicht, dann auch. Meine Texte dürfen auch gern geteilt werden.
Dany Kammüller, March 19, 2026 11:01 PM