Aktuelles/Blog
Konzernverantwortungsinitiative 2.0
Vergiftet und ausgebeutet!
Hochgiftige Pestizide, in der Schweiz produziert und exportiert, sind bei uns und in der EU längst verboten (!) Bild: wuzefe Pixabay
Am 29. November 2020 stimmte das Schweizer Volk erstmals über die sogenannte Konzernverantwortungsinitiative (KVI) ab. Die Vorlage wurde zwar mit 50.7 Prozent angenommen, scheiterte aber am Ständemehr. Jetzt folgt ein weiterer Urnengang.
Um was ging/geht es bei der KVI? Die Initianten fordern, dass Konzerne mit Sitz in der Schweiz und im Ausland für Umweltschäden und Menschenrechtsverletzungen haften. So sollte es eigentlich sein, ist es aber nicht. Ein Beispiel: 2023 exportierten schweizer Firmen 9700 Tonnen hochgiftige Pestizide nach Ghana, die dort auf Kakao-Plantagen ausgebracht wurden. Dabei gilt es festzuhalten, dass diese Gifte bei uns und der EU längst verboten sind. Hersteller von Pestiziden betonen aber gern, dass Verbote in Europa kein Grund seien für Exportverbote nach Afrika, etc.
EU mischt kräftig mit
Aber nicht nur schweizer Firmen bereichern sich mit derartigen Geschäften. Auch die EU mischt kräftig mit und exportierte 2024 rund 122'000 Tonnen Pestizide in 3. Weltländer. Wobei Deutschland mit 40 Prozent Spitzenreiter ist. Dabei gilt es zu bedenken, dass auch die Verbraucher in westlichen Ländern, aufgrund von Rückständen verbotener Pestizide in importierten Lebensmitteln, gefährdet sind (z.B. Kakaobohnen zur Herstellung von Schokolade oder Palmöl, Zuckerrohr, Getreide, etc.).
Krankheiten
In diversen Staaten (Brasilien, Peru, Indien, Ghana, Kenia, etc.) gibt es unzählige Opfer, die auf Grund von Gifteinsätzen schwer erkranken. Die Folgen sind: Krebs, Diabetes, Herz-Kreislauf-/ Nerven-/Lungenschäden, Unfruchtbarkeit, Missbildungen bei Babys, Atemnot, Hautreizungen, etc. Wer kann das mit gutem und ruhigem Gewissen verantworten?
Verantwortungslos
Für ein reiches Land wie die Schweiz sollte es selbstverständlich sein, dass helvetische Firmen, die im Ausland Schäden an der Umwelt anrichten oder gegen Menschenrechte verstossen, dafür haftbar gemacht werden können. Alles andere ist verantwortungslos! Dazu ein weiteres unfassbares Beispiel: Auf gewissen Zuckerrohrplantagen in Indien werden Frauen dazu gedrängt, sich die Gebärmutter entfernen zu lassen, um ihren Arbeitsplatz nicht zu verlieren. Das ist ein abscheuliches Verbrechen sondergleichen. Siehe Link am Ende des Textes.
KVI 2.0
Im Januar 2025 wurde die KVI 2.0 lanciert. Das Komitee sammelte in nur 14 Tagen 183'661 Unterschriften (100'000 wären notwendig). Am Ende wurden in Bern 287'000 gültige Unterschriften eingereicht. Dieses Resultat spricht eine klare Sprache. Darum gibt es für die KVI 2.0 an der Urne (vermutlich 2027/2028) nur eine Antwort und die lautet «JA».
Pro & Kontra
Die Gegner – Wirtschaftsverbände, Bundesrat und bürgerliche Parteien, etc. behaupten, dass die Schweiz bei Annahme der Initiative benachteiligt werden könnte, Stellen verloren gehen oder gewisse Firmen, bei einem Alleingang der Schweiz, ins Ausland abwandern. Doch von einem Alleingang kann keine Rede sein, denn praktisch alle EU-Staaten verfügen schon heute über derartige Gesetze. Frage: sind Menschen in der 3. Welt, die von schweizer Firmen vergiftet, ausgebeutet und gequält werden, weniger wert als EU-/Schweizer Bürger?
SVP für EU-Recht?!
Der Bundesrat verkündete, dass er einen indirekten Gegenvorschlag zur KVI 2.0 ausarbeiten wird, um die Transparenzregeln an das EU-Recht anzupassen. Dabei erhält er tatkräftige Unterstützung von der SVP, die sich ja grundsätzlich gegen die Übernahme von EU-Recht ausspricht (Bilaterale Verträge 3). Eine seltsame Rosinenpickerei, welche die SVP hier betreibt.
Fazit
Liebe Leute, es kann und darf nicht sein, dass wir unser Gift den Ärmsten der Armen quasi vor die Haustüre kippen, nur damit wir eine weisse Weste haben. Und es darf auch nicht sein, dass wir die Augen verschliessen vor Kinderarbeit, sexueller Ausbeutung, Gewalt und weiteren Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Folgt bitte dem nachkommenden Link: https://konzernverantwortung.ch/
PS: Ich bleibe dran und wenn der Urnengang bevorsteht, werde ich euch diese Thematik nochmal ins Gedächtnis rufen.
Das Zitat der Woche
In Sachen Umweltschutz sind die meisten Regierungen kriminelle Vereinigungen.
Oliver Hassencamp, Deutscher Schauspieler und Autor, 10.5.1921 – 31.3.1988
Musik-Tipp der Woche
Michael Jackson: «Earth Song» aus dem Album «Dangerous» 1991
https://www.youtube.com/watch?v=XAi3VTSdTxU&list=RDXAi3VTSdTxU&start_radio=1
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Dany Kammüller, March 27, 2026 8:15 AM