Gedichte
Vater
Aus einem Keim wurd ich geboren
in eine scheinbar heile Welt,
hab mich oft darin verloren
auf dem Weg zum Himmelszelt.
Ich wuchs heran zum Leben,
vom Kinde hin zum Mann.
Du Vater hast mir gegeben,
was ein Vater geben kann.
Du hast mich gelehrt fürs Leben,
mich bestraft und mir vergeben,
gabst mir Verständnis und Toleranz,
doch auch Härte und Ignoranz.
So oft hab ich dich gesucht
und doch nicht gefunden,
dich insgeheim verflucht
in dunklen, schweren Stunden.
Ich war geächtet, verpönt und verstossen,
war der Geringste unter all den Grossen,
den Schlauen, Braven und Strebsamen,
die in deinen Augen vor mir kamen.
Ich weiss, ich war der, der sich oft verlief,
der Nächte in der Gosse schlief,
sich im tiefen Dschungel verrannte,
keine Schranken und Grenzen kannte.
Ich war ein Träumer, Spinner und Chaot,
der alles nahm, was das Leben bot.
Wollt mich stets an allen Früchten laben,
den grossen und den kleinen Gaben.
Doch was auch noch geschehen mag,
nach so manchem fernen Glockenschlag,
einem Kreuz und Quer, Oben und Unten,
haben wir zu uns zurückgefunden.
Vergessen ist Vergangenes, Not und Pein,
denn am Grabe steht jeder für sich allein.
Erst wenn die letzte Träne vergossen ist,
weisst du, wer du wirklich bist.
…drum, eines Vater, sei gewiss…
…nur wer verzeihen kann zeigt wahre Grösse,
ohne Gram und eitler Blösse.
Kein Mensch ist fehler- und sündenfrei,
das wussten am Ende auch wir zwei.
Drum lass ich dich nicht einfach gehen,
ohne noch einmal dein Lächeln zu sehen.
Denn du warst es, der mir mein Leben lieh,
mit all seiner wunderbaren Poesie.
Dany Kammüller, publiziert, am 30. Dezember 2015
Gewidmet:
Meinem Vater