Gedichte
Drei Linden
Drei Linden stehen dort am Berg in voller, eitler Pracht,
ein Bild der Natur, so schön wie für einen Maler gedacht.
Dort weilen sie mit tiefen Wurzeln seit Jahren ungestüm,
prächtig und mächtig mit einem bezaubernden Blütenkostüm.
Eine links, die andre rechts und ich stets mitten drin,
so wuchsen wir gemeinsam ein Leben lang dahin.
Vom Samen bis zur Blüte waren wir füreinander da
und halfen dem in Not, der keinen Ausweg sah.
Sie stützten meine Krone, die im Sturme wankte
und heilten mein Gemüt, das im Winde schwankte.
Sie hielten mich fest, wenn meine Zuversicht welkte
und schenkten mir Zeit, als ich in Einsamkeit schwelgte.
Gemeinsam gingen wir durch eisig kalte Winter,
glücklich, naiv und frei wie drei Blütenkinder.
Und als meine Äste vor Kälte steif und starr,
spendeten sie mir die Sonne, die von Nöten war.
Ohne sie wär‘s hier auf Erden wohl unendlich leer,
und mein Dasein ohne sie unerträglich schwer.
Drum schliess ich sie sanft in meine Gebete ein,
denn ich möcht auf ewig mit ihnen verbunden sein.
Für sie würd ich mein letztes Hemd, ja wirklich alles geben,
und wenn’s nicht anders geht sogar mein eignes Leben.
Nichts ist so unvergänglich wie unsre Bruderliebe,
nichts so gross, so stark, so tief wie diese Sprossentriebe.
Und obwohl ihr gar so anders seid als mein eignes Wesen,
bin ich doch genau wie ihr ein Lindenkind gewesen.
Das gleiche Holz, dieselben Blätter, alles so vertraut,
so haben wir in tiefer Seele stets an uns geglaubt.
Auf euch konnte ich zählen bei Tag und dunkler Nacht,
denn ihr habt eure Herzen nie vor mir zugemacht.
Es gibt nichts, das unsren Bann je durchbrechen kann,
keine Macht, kein Mensch und auch kein Teufelszwang.
Drei Linden stehen dort am Berg in voller, eitler Pracht,
gerade, meine Brüder, hab ich an euch gedacht.
So manches Abenteuer durft ich mit euch bestehn,
gern würd ich nochmal so lang mit euch durchs Leben gehn.
Doch zumindest oder wenigstens bis ans Ende meiner Tage,
bis dass der Sturmwind anstimmt sein traurig Lied zur Klage
und mein feines Blütenkostüm sanft und zart verweht
und mit meiner Bruderliebe in die Unendlichkeit eingeht.
Publiziert am: 28. Dezember 2011
Gewidmet: Meinen Brüdern